16. Oktober 2020 / 14:16 Uhr

Dynamo Dresden peilt den ersten Sieg in Lübeck an

Dynamo Dresden peilt den ersten Sieg in Lübeck an

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Markus Kauczinski spielt das erste Mal mit einer Mannschaft gegen den VfB Lübeck.
Markus Kauczinski spielt das erste Mal mit einer Mannschaft gegen den VfB Lübeck. © Jochen Leimert
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Die Sportgemeinschaft hofft im dritten Anlauf auf den ersten Dreier an der Lohmühle. Doch Trainer Kauczinski erwartet beim Aufsteiger einen unbequemen Gegner.

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Dresden. Lübeck, das „Haupt der Hanse“, die Stadt der Türme, die Heimat der Buddenbrooks, ist zweifellos immer eine Reise wert. Doch Dynamo Dresden gastiert am Sonnabend ganz sicher nicht an der Trave, um auf den Spuren von Thomas Mann zu wandeln und Marzipan einzukaufen – die Schwarz-Gelben wollen vielmehr in der 3. Fußball-Liga drei Punkte mit nach Hause nehmen, wenn sie um 14 Uhr beim VfB Lübeck aufkreuzen. Ein Vorhaben, das bislang bereits zweimal gescheitert ist, denn sowohl 2006 und 2008 setzte es für Dynamo an der Lohmühle 0:1-Niederlagen. Anno 2020 soll der Bock aber umgestoßen werden, denn die Sportgemeinschaft möchte sich mit dem dritten Saisonsieg weiter an die Spitzengruppe heranpirschen.

„Wir fahren als Favorit dahin“, weiß Trainer Markus Kauczinski, für den es laut eigener Einschätzung das erste Spiel überhaupt gegen die Grün-Weißen wird. Dem Coach ist nicht entgangen, dass die Mannschaft seines österreichischen Trainerkollegen Rolf-Martin Landerl noch kein Spiel seit dem Aufstieg gewonnen hat und sie mit erst zwei Unentschieden auf Tabellenplatz 18 liegt. Das letzte Spiel verloren die Hanseaten nach 1:0-Führung zudem mit 1:4 bei 1860 München noch deutlich. Doch Kauczinski warnt davor, sich davon den Blick auf die Lübecker trüben zu lassen: „Das ist eine unbequeme Mannschaft, man darf sich von den letzten Ergebnissen nicht täuschen lassen, das waren trotzdem alles enge Spiele.“ Die Lübecker Mannschaft sei stets „von Anfang an da“, verfüge über ein „gutes Umschaltspiel“. Die VfB-Kicker versuchten immer wieder, schnell nach vorn zu spielen, den Gegner zu stressen. Darauf müsse jeder vorbereitet sein.

Dynamo Dresdens Trainer Markus Kauczinski über das Spiel gegen den VfB Lübeck

Routinier Chris Löwe, der schon einmal vor vielen, vielen Jahren mit dem Chemnitzer FC an der Lohmühle spielte, sich aber an nichts mehr erinnern kann, will den Gegner auch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Bayern Münchens Reserve habe zuvor auch nicht gewonnen gehabt, dann habe die U23 des Rekordmeisters Dynamo mit 3:0 weggefiedelt: „Ich hoffe, dass wir aus dem Spiel in München die richtigen Lehren gezogen haben“, so Löwe. Am Ende könne in dieser Liga jeder jeden schlagen, glaubt der Vogtländer: „Deswegen müssen wir wach, hundertprozentig da sein!“ Der 1:0-Sieg im Ostklassiker gegen Magdeburg habe zwar Selbstvertrauen gegeben, aber „wir wissen, dass wir jede Woche 100 Prozent Leistung bringen müssen – jeder einzelne, damit wir in der Liga eine Chance haben, Spiele zu gewinnen“, glaubt der Linksverteidiger.

Ehlers oder Knipping?

Wer diesmal neben ihm in der Abwehr-Viererkette auflaufen wird, steht noch nicht auf jeder Position fest. Max Kulke wird wohl wieder rechts auflaufen, da Robin Becker noch Trainingsrückstand aufweist, Sebastian Mai ist auch gesetzt, doch die Besetzung des zweiten Innenverteidigers ist offen. Kauczinski muss sich zwischen Kevin Ehlers und Tim Knipping entscheiden, dessen Gelb-Rot-Sperre abgesessen ist. Mit Ehlers war er im letzten Spiel und im Training zufrieden, Knipping habe bis auf das Spiel in München seine Sache auch gut gemacht: „Ich kann Argumente für beide finden“, so der Trainer, der das Geheimnis erst auf dem Spielberichtsbogen lüften wird. Auskunftsfreudiger war der 50-Jährige derweil bei der Frage, wer im Sturmzentrum beginnen soll. Philipp Hosiner hat da die besten Karten, sein Auftritt gegen Magdeburg war überzeugend. Kauczinski erklärt: „Im Moment geht das Pendel in Richtung ,Hosi‘. Es ist so, dass ich mit seiner Leistung zufrieden war, er auch im Training den Moment auf seiner Seite hatte.“ Christoph Daferner müsse erst einmal Geduld zeigen. Störfeuer vom Ex-Freiburger erwarte er aber keines: „Da mache ich mir bei Chris überhaupt keine Gedanken.“

Darauf, dass es an der Ostsee auch viel geregnet hat, der Rasen wahrscheinlich in Lübeck tief sein wird, ist Dynamo nach eigener Aussage vorbereitet. Noch nicht genau wissen die Schwarz-Gelben aber, mit welcher Besetzung die Gastgeber nach dem 1:4 bei den Münchner Löwen auflaufen. Nur ungern dürfte VfB-Trainer Landerl aber auf Kapitän Tommy Grupe verzichten, der Innenverteidiger war bisher in jedem Spiel dabei, plagt sich aber mit Oberschenkelbeschwerden herum. Zuletzt nicht im Kader gelistet und deshalb besonders heiß auf einen Einsatz dürfte derweil Ex-Dynamo Soufian Benyamina sein. Der 30-Jährige, der im Sommer von Pogon Stettin in die weiter westlich gelegene Hansestadt kam, würde nur zu gern zeigen, dass er im Sturm eine echte Alternative zu Patrick Hobsch und Yannick Deichmann sein kann.