01. September 2019 / 20:24 Uhr

Rechtsradikale Security, ekelhafte Spruchbänder der Fans: Dynamo Dresden erneut unter Beschuss

Rechtsradikale Security, ekelhafte Spruchbänder der Fans: Dynamo Dresden erneut unter Beschuss

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Die Fans im K-Block zeigten sexistische Spruchbänder wie das hier abgebildete.
Die Fans im K-Block zeigten sexistische Spruchbänder wie das hier abgebildete. © imago images / Dennis Hetzschold
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Der Fußball-Zweitligist kämpft einmal mehr gegen einen Imageschaden, verursacht von zwei offenbar rechtsradikalen Sicherheitsleuten und intoleranten Fans im K-Block. Zudem zwingen frauen- und transgenderfeindliche Spruchbänder im Block die Vereinsverantwortlichen zu einer öffentlichen Entschuldigung.

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Dresden. Zwei Ordner im Gästeblock haben am Sonnabend beim Zweitliga-Heimspiel von Dynamo Dresden gegen den FC St. Pauli für einen Eklat gesorgt. Die beiden Ordner, die wegen einer Auseinandersetzung mit ihren Vorgesetzten vom Sicherheitsdienst (Power Personen-Objekt-Werkschutz Gmbh) vom Dienst freigestellt worden waren, hatten ihre Dienstleibchen abgelegt und damit den Blick auf schwarze T-Shirts freigegeben, deren Aufdrucke ihre verfassungsfeindliche Gesinnung verriet. Auf dem Rücken der beiden von St.-Pauli-Fans fotografierten Personen war der von der nationalsozialistischen Schutzstaffel als Kennzeichen verwendete Totenkopf zu sehen und die Aufschrift "3. Division für Sicherheit des deutschen Volkes" zu lesen.

Die beiden Ordner machten sich damit wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen strafbar, ihnen schien das aber entweder nicht bewusst zu sein oder egal. Ihnen droht nun ein Ermittlungsverfahren, die Polizei Sachsen weiß um den Sachverhalt. "Wir haben im Nachgang zu unserem Einsatz von den beiden T-Shirts erfahren", so Polizeisprecher Thomas Geithner. "Da wir einen Anfangsverdacht für eine Straftat nicht ausschließen können, haben wir Ermittlungen eingeleitet. Ob letztendlich ein Straftatbestand vorliegt, wird die Justiz entscheiden."

Dynamo prüft juristische Schritte

Nach Beschwerden aus dem Fanlager der Hamburger reagierte die Dynamo-Führung am Sonntagabend mit einer Stellungnahme: "Wir haben uns nach dem Spiel mit den Verantwortlichen unseres Ordnungsdienstes in Verbindung gesetzt und um eine Stellungnahme zu den getragenen T-Shirts jener Ordnungskräfte gebeten. In dieser ersten Erklärung hat uns unser Dienstleister garantiert, dass der Vorfall vorbehaltlos und mit aller Konsequenz aufgeklärt werden wird."

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"Wir sind fassungslos darüber, weil diese beiden Personen unseren Verein schwer beschädigt haben", heißt es weiter. "Diese beiden Ordner werden nie mehr direkt oder indirekt bei Veranstaltungen der SG Dynamo Dresden eingesetzt werden. Wir prüfen zudem weitere juristische Schritte“, erklärte Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born. Man nehme den Vorfall sehr ernst, bekräftigte Dynamo weiter. Man erwarte, dass der Sicherheitsdienst die richtigen Konsequenzen aus dem Fall ziehen werde.

"Menschenverachtende" Spruchbänder

Für Empörung bei den Dynamo-Verantwortlichen, aber auch bei vielen Anhängern sorgten auch Spruchbänder im K-Block, die gegen Fans der St. Paulianer gerichtet und frauenfeindlichen Inhalts waren. So gehörten Ultra-Frauen von St. Pauli an den Herd, ihren Arbeitsplatz, so die Verfasser eines der Plakate. Zudem ging es den Urhebern der Schmähbänder um Stimmungsmache gegen vermeintlichen "Transgender-Wahn". Auf einem der während des Spiels entrollten Transparente hieß es: "Transgender-Wahn ohne Grenze - schaut man in den Gästeblock, sieht man keine Schwänze".

Dynamo lehnt Äußerungen wie diese strikt ab: "Kunst- und Meinungsfreiheit gelten grundsätzlich für alle Menschen, auch in einem Fußballstadion. Aber wir sprechen auch hier unmissverständlich aus, dass einmal mehr im Zusammenhang mit einer Begegnung mit dem FC St. Pauli verschiedene Dinge im Zuschauerbereich unserer Anhänger im Stadion vorgefallen sind, die wir zutiefst verurteilen und so nicht akzeptieren werden, weil sie menschenverachtend sind, gegen unser Leitbild und die Fancharta verstoßen sowie die Werte unserer Sportgemeinschaft mit Füßen treten. Wir haben rund um das Spiel gegen den FC St. Pauli mehrere verabscheuungswürdige Vorkommnisse zur Kenntnis genommen, wofür ich persönlich direkt nach dem Spiel beim Präsidenten Oke Göttlich um Entschuldigung gebeten habe“, sagte Michael Born.

Durchklicken: Leitbild der SG Dynamo Dresden

Wir sind eine Gemeinschaft.
Wir sind die Sportgemeinschaft Dynamo Dresden. Unsere Urkraft liegt im Zusammenhalt, erwachsen aus Erfolgen, Niederlagen und Umbrüchen. Unser Wappen tragen wir mit Stolz. Unser Auftritt ist geschlossen – auf dem Rasen, auf den Rängen, überall und zu jeder Zeit. Zur Galerie
Wir sind eine Gemeinschaft. Wir sind die Sportgemeinschaft Dynamo Dresden. Unsere Urkraft liegt im Zusammenhalt, erwachsen aus Erfolgen, Niederlagen und Umbrüchen. Unser Wappen tragen wir mit Stolz. Unser Auftritt ist geschlossen – auf dem Rasen, auf den Rängen, überall und zu jeder Zeit. ©
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SGD-Präsident Holger Scholze, dem das Erlebte die Freude über die Aufholjagd der Mannschaft zum 3:3 verhagelte, erklärte per Pressemitteilung: "Als Präsident der SG Dynamo Dresden stehe ich für unser Leitbild und unsere Werte ein. Diese Haltung habe ich auch durch die Übernahme der Schirmherrschaft des diesjährigen Dresdner CSD unterstrichen. Menschenverachtende Inhalte jeglicher Art haben in unserem Stadion nichts verloren und dürfen auch nicht als Satire verharmlost werden. Dazu gibt es in unserem Verein einen Konsens, welcher von Gremienvertretern, Führungskräften, Mitarbeitern, Mitgliedern und breiten Teile der Fanszene getragen wird. Dies kommt nicht zuletzt auch in der gemeinsam erarbeiteten Fancharta klar und unmissverständlich zum Ausdruck."

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