22. Mai 2021 / 09:36 Uhr

Dynamo Dresden verabschiedet sich in Wiesbaden aus der 3. Liga

Dynamo Dresden verabschiedet sich in Wiesbaden aus der 3. Liga

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Die Dynamo-Profis schwören sich auf den Saisonabschluss ein.
Die Dynamo-Profis schwören sich auf den Saisonabschluss ein. © Jochen Leimert
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Eine Woche nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga möchten die Schwarz-Gelben in ihrem letzten Drittliga-Spiel noch den Meisterpokal erkämpfen. Ein Exil-Dresdner hätte daran sicher seine Freude gehabt.

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Wiesbaden. Vor dem Stadion lächelt Helmut Schön von seinem Sockel, fast scheint es so, als freue sich der Weltmeistertrainer von 1974 auf den letzten Spieltag in der 3. Liga. Der gebürtige Dresdner, der mit dem Dresdner SC 1943 und 1944 Deutscher Meister geworden war, aber nach dem 2. Weltkrieg und der Auflösung der Friedrichstädter Mannschaft in den Westen ging, ist in Wiesbaden unweit der BRITA-Arena mittels einer Bronze-Büste verewigt worden. Bis zu seinem Tode 1996 lebte der von Udo Jürgens besungene “Mann mit der Mütze” in Wiesbaden, wo er auch begraben liegt. Schön, der auch nach seinem Weggang aus dem zerstörten Elbflorenz im Herzen immer Dresdner blieb, würde heute ab 13.30 Uhr sicher Dynamo die Daumen drücken, wenn die Truppe von Trainer Alexander Schmidt beim SV Wehen Wiesbaden antritt. In der hessischen Landeshauptstadt, einst lange Wohnsitz des ehemaligen Bundestrainers, verabschiedet sich die Sportgemeinschaft aus der 3. Liga. Und das will sie mit dem Drittliga-Meisterpokal tun.

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“Jetzt will ich auch den ganzen Kuchen”, hatte Dynamo-Torwart Kevin Broll unlängst verraten und damit klargemacht, dass er die Saison nach dem Aufstieg nicht austrudeln lassen möchte. Einmal noch wollen seine Kameraden und er Vollgas geben. Die Bestmarke von 78 Punkten aus der Aufstiegssaison 2015/16 können die Dresdner zwar nicht mehr erreichen, auch das damalige Torverhältnis von 75:35 Treffern nicht, doch einen vereinsinternen Drittliga-Rekord können Schmidts Männer noch ausbauen: Bislang haben sie 22 Siege errungen, 23 können es noch werden. 2015/16 blieb Dynamo unter Trainer Uwe Neuhaus bei 22 Dreiern stehen, damals gab es allerdings auch nur zwei Niederlagen. In dieser Spielzeit waren es bislang neun, dabei soll es laut Schmidt & Co auch gern bleiben.

Dynamo verabschiedet sich in Wiesbaden aus der 3. Liga

Die letzten Partien gegen die Wiesbadener konnte Dynamo auch gewinnen. Das Hinspiel endete in dieser Saison nach mehrfacher Verlegung im März mit 1:0. Pascal Sohm erzielte in Dresden das Tor des Tages. Und auch das letzte Auswärtsspiel bei der Truppe von Trainer Rüdiger Rehm gewannen die Schwarz-Gelben im Juni 2020. Damals hieß es in einer turbulenten Partie in der BRITA-Arena 3:2 für die Gäste aus Sachsen. Die Dresdner wollen auch diesmal einen Sieg feiern und an der Wettinerallee - ja die führt tatsächlich am Wiesbadener Stadion entlang - wie 2016 die Meistertrophäe erkämpfen.

Helmut Schön, der berühmte Exil-Dresdner, würde ganz sicher mitfiebern. Er verleugnete zu Lebzeiten seine Herkunft nie, war oft privat in Dresden, wo er noch gute Freundschaften pflegte. Mit Hans Kreische, einstmals sein Mitspieler bei der SG Friedrichstadt, später aus dem Westen heimgekehrt und bei Dynamo aktiv, traf er sich gern und verfolgte genau, welche glänzende Entwicklung dessen Sohn Hans-Jürgen in der DDR-Oberliga, im Europapokal und mit der DDR-Auswahl nahm. Heute ist “Hansi”, wie den einstigen Torjäger alle nennen, Scout bei Dynamo und sieht sich mit Sport-Geschäftsführer Ralf Becker, Trainer Alexander Schmidt und Chefscout Kristian Walter nach neuen Spielern für die 2. Liga um. Dort darf Dynamo in der neuen Saison wieder spielen, die Wiesbadener haben den erhofften Wiederaufstieg indes nicht geschafft.