01. August 2020 / 14:35 Uhr

Dynamo Dresden: Vereinslegende Kreische wird Übergangskoordinator

Dynamo Dresden: Vereinslegende Kreische wird Übergangskoordinator

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Kreische
Hans-Jürgen Kreische freut sich darauf weiter für seinen Herzensverein arbeiten zu dürfen. © dpa
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„Hansi“ Kreische tritt bei den Dresdnern den neugeschaffenen Posten als Übergangskoordinator an – dabei war er längst in der Fußballer-Rente.

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Dresden. „Pensionär mit Passion“ titelten die Zeitungen 2017 anlässlich des 70. Geburtstags von Hans-Jürgen Kreische. Damals war der gebürtige Dresdner, eine Ikone des DDR-Fußballs, längst Rentner, ging aber als Minijobber bei seinem Stammverein Dynamo Dresden weiter seiner langjährigen Leidenschaft nach: Er spähte nach Talenten, war ein typischer „Unruheständler“. Nun aber ist er wieder voll zurück im Geschäft.

Zwei Wochen nach seinem 73. Geburtstag hat die Vereinslegende der Schwarz-Gelben am Sonnabend einen bis 30. Juni 2021 gültigen Vertrag unterschrieben. Kreische ist nun Übergangskoordinator im Nachwuchsbereich von Dynamo Dresden und damit erstmals seit seiner Beurlaubung als Cheftrainer im April 1996 wieder hauptberuflich für die Sportgemeinschaft tätig. „Ich bin keiner, der gerne auf der faulen Haut herumliegt, und freue mich daher sehr, nun diese spannende Tätigkeit mit jungen Talenten bei meinem Herzensverein zu übernehmen“, begründete er seinen späten Wiedereinstieg ins Berufsleben.

„Dynamo-DNA“

Seine Stelle hat der Verein neu geschaffen. Kreische werde die individuelle und sportliche Betreuung der Perspektivspieler übernehmen sowie als kommunikative Schnittstelle zwischen Lizenz- und Nachwuchsbereich hinsichtlich der Perspektivspieler fungieren, hieß es in einer Pressemitteilung vom Sonnabend. „Ihm obliegt ab sofort unter anderem die Organisation und Koordination des Talente-Trainings mit den Perspektivspielern der U19, U17 sowie U16 und er wird diese eng in ihrer Entwicklung begleiten“, erklärte Ralf Becker.

Dynamos Sport-Geschäftsführer bezeichnete „Hansi“ Kreische als jemanden, der die „Dynamo-DNA“ in sich trage – und als ausgewiesenen Experten. Das kommt nicht von ungefähr. Als Zehnjähriger hatte er sich 1957 der SGD angeschlossen und 1964, nur drei Jahre nach der Verabschiedung seines Vaters Hans bei Dynamo, als 17-Jähriger sein erstes Oberligaspiel absolviert.

„Nachwuchsspieler werden davon noch mehr profitieren“

Insgesamt brachte er es auf 188 Tore in 344 Pflichtspielen für die Sportgemeinschaft, deren erfolgreichster Torschütze in der DDR-Oberliga er ist. Hinzu kommen 50 Länderspiele mit 25 Toren – und diverse Titel und Medaillen, darunter fünf Meisterschaften, ein Pokalsieg und die Bronzemedaille bei Olympia 1972 in München. Viermal war er der Oberliga-Torschützenkönig, 1973 DDR-Fußballer des Jahres.

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Nach seinem Karriereende 1977 erwarb er mit einer Arbeit über die Geschichte der SGD sein Sportlehrerdiplom und wurde Juniorentrainer bei den Dresdnern, 1995/96 zu Regionalliga-Zeiten ein knappes Jahr auch Chefcoach. Dann gründete er eine Fußballschule in Weißig, wurde Talentsichter beim DFB und 2000 Cheftrainer des Dresdner SC. Ab 2004 arbeitete er hauptberuflich als Scout für den Hamburger SV, 2010 bis 2014 als Chefscout für RB Leipzig, bevor er dann wieder „punktuell im Bereich Scouting für den Leistungsbereich von Dynamos Nachwuchs-Akademie arbeitete“, wie die SGD es formulierte.

„,Hansi’ war nicht nur einer der besten Dynamo-Fußballer aller Zeiten, sondern greift durch seine Tätigkeiten als Trainer und im Scouting in den letzten Jahrzehnten auf einen enormen Erfahrungsschatz zurück. Unsere Nachwuchsspieler werden davon ab sofort noch mehr profitieren“, so die Einschätzung von Dynamos Nachwuchsleiter Jan Seifert. Und vielleicht schafft es ja einer unter Kreisches Ägide auch ganz nach oben. Die Profis der Schwarz-Gelben jedenfalls starten am Dienstag in die Saisonvorbereitung.