07. Februar 2020 / 20:34 Uhr

Dynamo Dresden verliert harten Kampf gegen Darmstadt mit 2:3

Dynamo Dresden verliert harten Kampf gegen Darmstadt mit 2:3

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamo Dresdens Kapitän Florian Ballas ist der Verzweiflung nah nach dem Treffer zum 1:2 durch Darmstadts Tobias Kempe.
Dynamo Dresdens Kapitän Florian Ballas ist der Verzweiflung nah nach dem Treffer zum 1:2 durch Darmstadts Tobias Kempe. © dpa
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Die Elf von Trainer Markus Kauczinski verlor nach früher Führung völlig den Faden und lag zur Halbzeit bereits mit 1:3 zurück. Das Aufbäumen in der zweiten Halbzeit und der Anschlusstreffer zum 2:3 durch Patrick Schmidt kam zu spät. 

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Dresden. Dynamo Dresden hat im Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga am Freitagabend einen herben Dämpfer erlitten. In einer umkämpften Partie hieß es am Ende 2:3 für den SV Darmstadt 98. Im Rudolf-Harbig-Stadion sahen 26243 Zuschauer die frühe Dresdner Führung durch Husbauer (5.), die aber postwendend durch Paik (8.) und Kempe (12.) gedreht wurde. Noch vor der Pause stellte Dursun gar auf 1:3 für die „Lilien“. In Durchgang zwei gelang Patrick Schmidt (57.) der 2:3-Anschluss. Ein weiteres Schmidt-Tor (72.) wurde nach Videobeweis annulliert, kurz darauf sah Neuzugang Makienok bei seinem SGD-Debüt nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung die Rote Karte.

Trainer Markus Kauczinski veränderte seine Startelf im Vergleich zum 0:0 in der Vorwoche beim 1: FC Heidenheim auf drei Positionen: Der zuletzt erkrankte Brian Hamalainen kam als Linksverteidiger zurück, Chris Löwe hatte das Nachsehen und musste auf die Bank. Das gleiche Schicksal blühte den beiden Spielern auf der Doppelsechs. Für René Klingenburg und Ondrej Petrak war kein Platz mehr in der Anfangsformation, denn Dzenis Burnic kehrte nach seiner Sperre (fünfte Gelbe Karte) wieder zurück und neben ihm kam Neuzugang Josef Husbauer zu seinem mit Spannung erwarteten Startelfdebüt.

Husbauer bringt Dynamo in Führung

Und der 29-jährige Tscheche, der im Winter von Slavia Prag gekommen war, wurde den hohen Erwartungen gleich gerecht. Nach seinem Lattentreffer in der Schlussphase in Heidenheim kam er diesmal gleich zu Beginn frei zum Schuss. Nach Burnics schönem und weitem Pass hatte Außenverteidiger Linus Wahlqvist den Ball nicht an Torwart Marcel Schuhen vorbeigebracht. Der Ball prallte genau vor die Füße von Husbauer ab und der hielt aus elf Metern einfach volley drauf – Volltreffer zum 1:0 (5.), unhaltbar für Schuhen und ein echt traumhafter Einstand für den Prager im Rudolf-Harbig-Stadion!

DURCHKLICKEN: Bilder zum Spiel gegen die Lilien

Herber Rückschlag für Dynamo Dresden: Das Team von Trainer Markus Kauczinski unterlag dem SV Darmstadt 98 mit 2:3. Zur Galerie
Herber Rückschlag für Dynamo Dresden: Das Team von Trainer Markus Kauczinski unterlag dem SV Darmstadt 98 mit 2:3. ©

Der K-Block feierte kollektiv. Doch zu früh gefreut. Denn gleich darauf folgte der Ausgleich. Mit einem schönen Pass überspielte Victor Pálsson die komplette Viererkette. Die wirkte in dem Moment zu hüftsteif. Jannis Nikolaou blieb stehen und Brian Hamalainen lief nur hinterher, als Seungho Paik dem Turbo anschmiss und frei vor Kevin Broll den Ball überlegt ins lange Eck schob – 1:1 (8.) nur drei Minuten nach der Führung. Schon früh war klar: Ein drittes Mal zu null in diesem Jahr ist nicht mehr machbar.

Doch das war erst der Anfang der Dresdner Defensivprobleme. Denn kurz darauf setzte sich Mathias Honsak gegen Dzenis Burnic durch, schloss aber zu ungenau ab, so dass Broll hielt (11.). Allerdings klingelte es in der nächsten Situation dann doch. Ursache war ein schlimmer Bock von Kevin Broll, der den Ball Honsak genau in die Füße spielte. Dann ging es ganz schnell: Nikolaou agierte unglücklich gegen Dursun, weshalb der Ball bei Tobias Kempe landete. Und der Ex-Dynamo ließ sich nicht zweimal bitten und traf wuchtig ins linke untere Eck zum 1:2 (12.). Spiel innerhalb von vier Minuten gedreht!

Darmstadts Doppelschlag verunsichert Schwarz-Gelb

Die Schwarz-Gelben mussten sich erst mal schütteln. Die linke Abwehrseite mit Jannis Nikolaou und Brian Hamalainen hatte enorme Probleme. Und die „Lilien“ hatten sogar eine sehr gute Chance zum 1:3, denn nach einer Kempe-Ecke kam mit Dario Dumic der andere Ex-Dynamo in Darmstadts Anfangself frei zum Abschluss, doch sein Geschoss zischte einige Zentimeter über die Querlatte (20.). Mit Marcel Heller saß übrigens ein dritter Dresdner auf der „Lilien“-Bank, während Ex-Dynamo Erich Berko es nicht in den Kader der Südhessen geschafft hatte.

Darmstadt 98 hatte nun nicht nur die Führung im Rücken, sondern auch das Kommando in diesem Spiel übernommen und die deutlich klareren Aktionen nach vorn, während Dynamo zu umständlich agierte. Offensivaktionen von Patrick Ebert und Patrick Schmidt wurden wegen Abseits und Stürmerfoul abgepfiffen, manchmal dauerte es auch einfach zu lange, bis Dynamos zentrale Offensivkräfte zum Abschluss kamen, weshalb die Gäste immer wieder klären konnten. Ein weiteres Dresdner Manko waren erneut die einfachen Ballverluste im Spielaufbau.

DURCHKLICKEN: Die Dynamo-Elf in der Einzelkritik

(1) Kevin Broll:  In der 7. Minute erstmals leicht gefordert, als er eine Flanke des Gegners nach einer Ecke aus der Luft abfängt. In der 9. Minute klärt er gegen Paulis Viktor Gyökeres, der aus 18 Metern abzieht, hat dabei aber keine größeren Probleme. Bärenstark in der 15. Minute beim Abschluss von Ryo Miyaichi, als er die kurze Ecke reaktionsschnell zumacht. In der 28. Minute rettet er Dynamo erneut gegen Gyökeres vorm Rückstand, indem er den Ball, der noch von Florian Ballas abgefälscht war, mit der rechten Hand von der Linie fischt. Nach 33 Minuten im Duell mit Gyökeres nach einer Ecke erneut der Sieger. Kurz darauf gegen Miyaichi zur Stelle (35.). Hält die Schwarz-Gelben in der ersten Hälfte im Spiel. Nach dem Seitenwechsel bekommt er etwas Entlastung, von St. Pauli kommt weniger, Dynamo lässt weniger zu. Note 1,5 Zur Galerie
(1) Kevin Broll:  In der 7. Minute erstmals leicht gefordert, als er eine Flanke des Gegners nach einer Ecke aus der Luft abfängt. In der 9. Minute klärt er gegen Paulis Viktor Gyökeres, der aus 18 Metern abzieht, hat dabei aber keine größeren Probleme. Bärenstark in der 15. Minute beim Abschluss von Ryo Miyaichi, als er die kurze Ecke reaktionsschnell zumacht. In der 28. Minute rettet er Dynamo erneut gegen Gyökeres vorm Rückstand, indem er den Ball, der noch von Florian Ballas abgefälscht war, mit der rechten Hand von der Linie fischt. Nach 33 Minuten im Duell mit Gyökeres nach einer Ecke erneut der Sieger. Kurz darauf gegen Miyaichi zur Stelle (35.). Hält die Schwarz-Gelben in der ersten Hälfte im Spiel. Nach dem Seitenwechsel bekommt er etwas Entlastung, von St. Pauli kommt weniger, Dynamo lässt weniger zu. Note 1,5 ©

Und die „Lilien“ agierten weiter munter nach vorn. Ein Schuss von Yannick Stark flog recht knapp am linken Pfosten vorbei (31.) und Kevin Broll musste wenige Minuten später gegen Dursun sein ganzes Können aufbieten, als SGD-Kapitän Ballas den Darmstädter Angreifer nach Paiks Pass nicht entscheidend stören konnte (35.). Im Gegenzug dann endlich mal wieder Dynamo, doch Sascha Horvaths Direktabnahme einer abgefälschten Hamalainen-Flanke flog in Richtung Tribüne (36.). In den folgenden Minuten versuchte Dynamo, noch vorm Seitenwechsel zum Ausgleich zu kommen.

Dursuns 1:3 sorgt für Ernüchterung

Im Dresdner Spiel nach vorn sprangen allerdings keine guten Torchancen heraus. Anders bei den Hessen: Zwei Minuten vor der Pause setzte sich Honsak im Mittelfeld robust mit vollem Körpereinsatz gegen Burnic durch und sah die Lücke in der Dresdner Kette. Sein Pass wieder genau in die Schnittstelle zwischen Nikolaou und Hamalainen veredelte der gestartete Dursun, der frei vor Broll keine Mühe hatte, mit einem flachen Ball zum 1:3 abzuschließen (43.). Das war für die Dresdner natürlich ein Nackenschlag so kurz vor der Pause.

Fast wäre es sogar noch schlimmer geworden, denn der nervöse Broll leistete sich in der 45. Minute ein weiteres katastrophales Fehlabspiel auf Honsak. Der lief mit dem Ball postwendend in Richtung Dresdner Tor, schoss allerdings drüber. Kurz darauf war Halbzeitpause. Nicht nur das Zwischenergebnis sprach gegen Dynamo, sondern auch desaströse Werte wie 3:13 Torschüsse und 37 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Neuzugang Marco Terrazzino, der zuletzt offensiv zu gefallen wusste, war diesmal weitgehend abgemeldet und unauffällig.

Für Durchgang zwei musste sich also was ändern. Und SGD-Trainer Markus Kauczinski reagierte, brachte für Dzenis Burnic nun Ondrej Petrak (46.), der nun neben seinem Landsmann Husbauer auf der Doppelsechs agierte. Husbauer war es auch, der in der 48. Minute den ersten Schuss in Durchgang zwei auf Marcel Schuhen abgab, doch der Darmstädter Schlussmann hielt sicher. Dennoch spielte Dynamo nun wieder etwas sicherer nach vorn und drängte nun die Gäste in die Defensive.

Patrick Schmidts Anschlusstreffer sorgt für Hoffnung

In der 57. Minute waren die Dresdner Bemühungen dann von Erfolg gekrönt: Einen weiten Ball von Ballas ließ Patrick Schmidt zu Ebert abtropfen, der bediente Horvath auf dem rechten Flügel und dessen exakte Flanke landete wieder auf dem Kopf von Schmidt, der zum 2:3-Anschlusstreffer einnetzte (57.). Nun war das Spiel wieder offen. Und Dynamo machte weiter. Schmidt stand bei seinem nächsten Versuch hauchdünn im Abseits (59.). Auch Horvath hatte den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber nach schönem Pass von Ebert aus kurzer Distanz an Schuhen (60.).

Und es ging weiter im Minutentakt: Wahlqvists Flanke landete exakt auf dem Kopf von Schmidt. Dessen Abschluss kam zwar wuchtig, aber zu zentral und Schuhen hielt (61.). Allerdings musste Dynamo auch hinten aufpassen. Wahlqvist spitzelte dem einschussbereiten Kempe den Ball im letzten Moment vom Fuß (62.). Richtig großes Glück hatte die SGD in der nächsten Situation, als Kempes flacher Eckball an die Strafraumgrenze zum einlaufenden „Lilien“-Kapitän Holland kam, dessen Schuss an die Lattenunterkante klatschte, aber wieder heraussprang (66.).

DURCHKLICKEN: Die Stimmen zum Spiel

Markus Kauczinski (SG Dynamo Dresden): „Wir sind gut mit dem Tor in die erste Halbzeit gestartet, waren dann aber nachlässig. Wir hatten Ballverluste in der eigenen Hälfte, waren nicht so kompakt, wie man in der 2. Liga sein muss. Wir haben es nicht geschafft, den Gegner vom Tor wegzuhalten, haben arrogant hinten rausgespielt. Dafür haben wir die Quittung bekommen. Das ist schon letzte Woche passiert, da haben wir es noch ausgleichen können. Heute haben wir das nicht mehr hinbekommen. Wir haben zwar in der zweiten Halbzeit ein anderes Gesicht gezeigt, haben uns gewehrt, haben den Anschluss zum 2:3 gemacht. Keine Ahnung, warum das 3:3 nicht gezählt hat. Ich habe es mir angeschaut, wer weiß, wer da wen gezupft hat. Letzten Endes müssen wir uns das aber selber ankreiden, wir waren dann nach der Roten Karte auch in Unterzahl. Ich glaube, die kann man geben, muss sie aber nicht. Vielleicht hätte es auch eine Gelbe getan. Am Schluss hatten wir durch Jannis Nikolaou noch mal eine Gelegenheit, haben alles reingeworfen. Dass es mal eine Niederlage geben würde, war klar. Ich hätte mir sie später gewünscht.“ Zur Galerie
Markus Kauczinski (SG Dynamo Dresden): „Wir sind gut mit dem Tor in die erste Halbzeit gestartet, waren dann aber nachlässig. Wir hatten Ballverluste in der eigenen Hälfte, waren nicht so kompakt, wie man in der 2. Liga sein muss. Wir haben es nicht geschafft, den Gegner vom Tor wegzuhalten, haben arrogant hinten rausgespielt. Dafür haben wir die Quittung bekommen. Das ist schon letzte Woche passiert, da haben wir es noch ausgleichen können. Heute haben wir das nicht mehr hinbekommen. Wir haben zwar in der zweiten Halbzeit ein anderes Gesicht gezeigt, haben uns gewehrt, haben den Anschluss zum 2:3 gemacht. Keine Ahnung, warum das 3:3 nicht gezählt hat. Ich habe es mir angeschaut, wer weiß, wer da wen gezupft hat. Letzten Endes müssen wir uns das aber selber ankreiden, wir waren dann nach der Roten Karte auch in Unterzahl. Ich glaube, die kann man geben, muss sie aber nicht. Vielleicht hätte es auch eine Gelbe getan. Am Schluss hatten wir durch Jannis Nikolaou noch mal eine Gelegenheit, haben alles reingeworfen. Dass es mal eine Niederlage geben würde, war klar. Ich hätte mir sie später gewünscht.“ ©

Nach den guten Kopfballchancen von Schmidt hatte Trainer Kauczinski Blut geleckt und brachte nun für den kleinen Sascha Horvath den 2,01-Meter-Riesen Simon Makienok (71.), um im gegnerischen Strafraum weiter bei hohen Flankenbällen Überlegenheit zu demonstrieren. Und mit der Hereinnahme des dänischen Neuzugangs überschlugen sich die Ereignisse.

Nur eine Minute nach der Einwechslung brachte Ebert einen weiten Freistoß hoch in den gegnerischen Strafraum, Makienok stieg hoch und irritierte damit Honsak, von dessen Knie der Ball genau vor den Fuß von Patrick Schmidt prallte. Der zog sofort humorlos ab und traf ins kurze Eck zum vermeintlichen Ausgleich (72.). Doch Schiedsrichter Michael Bacher zog den Videobeweis zu Rate – und entschied auf aktives Abseits von Nikolaou im Moment des Ebert-Freistoßes. Eine fragwürdige Entscheidung, denn wenn überhaupt, war der Dresdner Innenverteidiger an der entscheidenden Szene nur sehr marginal beteiligt.

Makienok sieht nach grobem Foul die Rote Karte

So blieb es beim 2:3. Makienok war natürlich bei seinem Debüt für Dynamo hochmotiviert – vielleicht einen Tick zu sehr, denn bei einem weiten Pass rannte er in Torwart Schuhen hinein, der einen Sekundenbruchteil zuvor den Ball sicher gefangen hatte. Schiedsrichter Bacher entschied sich hier für die Rote Karte (77.). Wohl auch vertretbar, aber innerhalb weniger Minuten die zweite enge Entscheidung zu klaren Ungunsten von den Dresdnern, die fortan in Unterzahl um den Ausgleich kämpften, während Makienok nach seinem sechsminütigen Einstand niedergeschlagen vom Feld schlich.

Natürlich kam Darmstadt nun erst recht zu Konterchancen. Broll fing Dursuns Flugkopfball aber gerade noch ab (86.) und verhinderte die mögliche Vorentscheidung. Unmittelbar darauf kam Jeremejeff für den völlig verausgabten Schmidt. Marco Terrazzinos Schlenzer ging nicht ins Tor (90.), auch Honsaks Gewaltschuss knallte auf der Gegenseite an den Pfosten (90.+3). Kurz vor Schluss hatte dann noch Jannis Nikolaou eine Großchance auf den Ausgleich. Patrick Ebert sag seine zehnte Gelbe Karte und fehlt damit nächste Woche auf St. Pauli.

Gleich danach war Schluss. Diese unterhaltsame Partie war Abstiegskampf pur, mit dem schlechteren Ende für Dynamo. Eine schwache erste Halbzeit kostete diese drei Punkte, die Aufholjagd kam zu spät und auch die Schiedsrichterentscheidungen waren nicht unumstritten. Die SGD bleibt dadurch Tabellenletzter in der 2. Fußball-Bundesliga. Am Freitag der kommenden Woche kämpfen die Schwarz-Gelben wieder um drei Punkte für den Klassenerhalt.