24. September 2017 / 15:39 Uhr

Dynamo Dresden verschenkt beim 3:3 in Darmstadt kurz vor dem Ende den zweiten Auswärtssieg

Dynamo Dresden verschenkt beim 3:3 in Darmstadt kurz vor dem Ende den zweiten Auswärtssieg

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamo Dresden war beim SV Darmstadt 98 zu Gast (Imago) (13)
Dreifachtorschütze für die Schwarz-Gelben: SGD-Mittelfeldmann Manuel Konrad (2.v.l.). Zum Sieg hat's nicht gereicht. © Imago
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Manuel Konrad trifft dreifach, aber Dynamo holt nur einen Punkt.

Darmstadt. Unverhofft kommt oft - gleich mit drei Toren hat Manuel Konrad Dynamo Dresden am Sonntag beim 3:3 (2:1)-Erfolg in Darmstadt zu einem Auswärtspunkt geschossen. Der ehemalige Frankfurter FSV-Profi konnte sich nach der Partie jedoch nicht wirklich über seinen Dreierpack freuen, denn Dynamo hätte die Begegnung nach 3:1-Führung eigentlich gewinnen müssen, vergab aber erneut in den Schlussminuten ein besseres Ergebnis. Ausgerechnet Ex-Dynamo Tobias Kempe glich in der Nachspielzeit mit seinem zweiten Treffer in diesem Spiel noch aus.

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Dynamo Dresden war beim SV Darmstadt 98 zu Gast (Imago) (14) Zur Galerie
Dynamo Dresden war beim SV Darmstadt 98 zu Gast (Imago) (14) ©

Vor 17 400 Zuschauern am ausverkauften Stadion am Böllenfalltor schickte Neuhaus eine gleich auf sieben Positionen veränderte Startelf auf den Rasen. Der Westfale nahm außer den verletzten Sören Gonther und Sascha Horvath auch Paul Seguin, Marco Hartmann, Rico Benatelli, Niklas Hauptmann und Lucas Röser aus der Anfangsformation vom 0:2 gegen Bielefeld und schickte dafür Jannik Müller, Erich Berko, Niklas Kreuzer, Andreas Lambertz, Aias Aosman, Peniel Mlapa und Konrad auf den Platz. Bei den Gastgebern nahm Trainer Torsten Frings drei Änderungen vor: Markus Steinhöfer, Yannik Stark und Marvin Mehlem begannen für Sandro Sirigu, Wilson Kamavuaka und den verletzten Felix Platte.

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Marvin Schwäbe: Beruhigte das Spiel, wann immer es ging, und sorgte so gekonnt für kurze Ruhepausen bei seinen Vorderleuten. Bei den Gegentreffern ohne große Chancen. Zeigte aber gute Paraden wie gegen Yannick Stark. Note 3. (@ Steffen Manig) Zur Galerie
Marvin Schwäbe: Beruhigte das Spiel, wann immer es ging, und sorgte so gekonnt für kurze Ruhepausen bei seinen Vorderleuten. Bei den Gegentreffern ohne große Chancen. Zeigte aber gute Paraden wie gegen Yannick Stark. Note 3. (@ Steffen Manig) ©

Darmstadt mit besserem Beginn

Den besseren Start erwischte der Erstliga-Absteiger, denn Darmstadt kam gleich zur ersten Chance, als Kevin Großkreutz auf Stark flankte, dessen Kopfball Marvin Schwäbe im Dynamo-Tor aber parieren konnte (2.). Dann schickte Stark gekonnt Großkreutz auf die Reise, der Schwäbe umspielte und auf Artur Sobiech zurücklegte, doch der Schuss des Polen wurde noch geblockt (4.). Auch in den folgenden Minuten sahen sich die Gäste großen Drucks ausgesetzt, doch sie konnten ein Gegentor verhindern. Ein erstes Achtungszeichen auf der anderen Seite konnten dann Fabian Müller und Mlapa setzen, als der Linksverteidiger den Mittelstürmer schön anspielte, doch der Togolese sich den Ball bei der Annahme zu weit vorlegte und ihn erst kurz vor der Torauslinie wieder erreichte. Von dort war der Winkel schon zu spitz, sein Torschuss landete am Außennetz (13.).

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Konrad, Kempe, Konrad

Dagegen landete der Ball in der 23. Minute im Inneren des Darmstädter Kastens: Kreuzer hatte eine Ecke kurz auf Aosman ausgeführt, zurückbekommen und Konrad angespielt, dessen Flachschuss mit links zum 1:0 im Netz einschlug. Ein Schock für die 98er war das nicht, denn sie marschierten munter weiter auf das Schwäbe-Tor und holten Standards heraus. Einen Freistoß schoss Kempe durch die Mauer zum 1:1-Ausgleich in die Maschen (30.). Lange erfreuen konnten sich die Blau-Weißen daran aber nicht, denn Konrad nahm die Kugel nach einer Kreuzer-Ecke gekonnt an und hämmerte sie zum 2:1 ins Netz (34.). Eine Szene, die Frings auf die Palme brachte und die er mit einem Tritt in die Bande kommentierte. Stark hätte gleich ausgleichen können, doch Schwäbe war auf dem Posten (35.).

In der zweiten Halbzeit liefen die Gastgeber dem Rückstand weiter hinterher, doch Dynamo stand sicher in der Verteidigung. Die Sachsen ließen sich auch nicht aus der Fassung bringen, als ihre Fans Rauchbomben im Gästeblock zündeten und der Schiedsrichter die Partie kurz unterbrechen musste, bis sich die Rauchwolken gelichtet hatten. Rustikal hielten die Dresdner dagegen: Fabian Müller und Florian Ballas kassierten Gelbe Karten wie zuvor Kreuzer, den es bereits kurz vor der Pause erwischt hatte. Die Darmstädter versuchten es dann mit Fernschüssen, doch weder Kempe noch Hamit Altintop hatten damit Erfolg, denn sie verzogen beide Male (61./62.). Gefährlicher war dann der Kopfball von Sobiech, der nach einem Freistoß Kempes zum Abschluss kam, aber das Tor von Schwäbe knapp verfehlte (65.).

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Fan-Eklat in Darmstadt – die Bilder der Spielunterbrechung! ©

Konrad zum Dritten - eingewechselter Boyd und wiederum Kempe schocken Dynamo

Dynamo hätte nach einem Konter alles klar machen können, doch Berko legte quer anstatt zu schießen, doch weder Mlapa noch Fabian Müller kamen noch an den Ball (68.). So blieb es weiter spannend. Auch eine Schwalbe von Großkreutz führte nicht zu einem neuen Spielstand, denn Referee Sven Waschitzki fiel nicht auf die Schauspieleinlage des Ex-Stuttgarters herein (72.). Frings verstärkte nun noch einmal die Angriffsbemühungen seiner Mannschaft, brachte noch zwei neue Leute – allein es half zunächst nichts. Julian von Haacke, einer der Einwechsler, probierte es mal mit einem 35-Meter-Schuss, doch der Ball strich über das Tor (78.). Erst der dritte Einwechsler Terence Boyd hatte dann Erfolg, als er eine Kempe-Ecke per Aufsetzer ins Schwäbe-Tor köpfte (90.). Zu allem Unglück nutzte Kempe dann die Nachspielzeit zu seinem zweiten Treffer in diesem Spiel und glich mit einem strammen Schuss unter die Latte noch aus (90.+2).

Stimmen zum Spiel:

Dynamo-Verteidiger Jannik Müller:
„Das ist brutal, wir führen bis kurz vor Schluss mit zwei Toren und fressen noch den Ausgleich. Das fühlt sich an wie eine Niederlage. Die Darmstädter haben zum Schluss alles nach vor geworfen, da waren sechs, sieben Stürmer drin. Wir haben versucht, alles zu verteidigen, und haben das nicht geschafft. Mir fehlen die Worte. Als der Druck größer geworden ist, haben wir verpasst, nachzurücken und die Räume eng zu machen. Wir hatten diesen Sicherheitsgedanken drin, dass wir tiefer stehen und versuchen, die Bälle abzuwehren. Das hat aber nicht gereicht. Das müssen wir uns ankreiden lassen.“

Dynamo-Kapitän Marco Hartmann:
„Wir haben in der zweiten Hälfte allgemein recht tief verteidigt, um zuzumachen. Weil die Darmstädter über die Außenbahnen gut sind, haben wir hinten eine Sechserkette aufgebaut. Deshalb sind wir tief hinten reingekommen und konnten keinen Druck mehr ausüben. Sie haben dann aus dem Halbfeld Flanken und lange Bälle spielen können, die wir lange sehr gut verteidigt haben. Als Darmstadt das Risiko weiter erhöht hat, wurde das Verteidigen für uns immer schwerer. Wir haben auch viele Standards gut geklärt, aber einen eben nicht. Dann stand es 3:2 und wurde noch mal eklig. Dann geht noch einer rein. Dieses Jahr fällt es und nicht besonders leicht. Der Auftritt heute war an sich gut, wir waren bei den Standards sehr konzentriert. Bitter, dass man nach so einer Leistung nicht drei Punkte mitnimmt.“

Dynamo-Trainer Uwe Neuhaus:
Ich bin bitter enttäuscht. Ist doch auch klar, wenn man 3:1 führt bis kurz vor Schluss. Das fühlt sich im Moment wie eine Niederlage an. Ich hoffe, dass das noch besser wird. Zu Beginn beider Halbzeiten sind wir mächtig unter Druck geraten. Darmstadt hat Tempo gemacht und gepresst, wir haben keine Lösung gefunden, uns freizuspielen. Nach 15 Minuten wurde es ein bisschen besser. Da waren wir ganz gut im Spiel drin, machen den Führungstreffer. Trotz des Ausgleichs hat die Mannschaft keine negative Reaktion gezeigt. Sie hat ihr Spiel weitergemacht und ist nicht zu Unrecht wieder in Führung gegangen. In der zweiten Halbzeit hatten wir eine große Chance von Erich Berko. Wenn er direkt schießt, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass er reingeht. Dass dann der Druck von Darmstadt immer größer wird, darauf haben wir reagiert und haben Marco Hartmann und alles, was halbwegs Länge hatte, reingenommen, um die hohen Bälle zu verteidigen. Wir haben es nicht so schlecht gemacht. Unterm Strich gesehen haben wir ein bisschen Lehrgeld bezahlt, wenn man beide Mannschaften und ihre Erstligaerfahrung vergleicht. Da sind wir eindeutig im Nachteil. Bei eigenem Ballbesitz haben wir versäumt, das Spiel runterzuspielen. Wir haben die Bälle blind nach vorn gespielt. Deswegen wurde der Druck immer größer. Trotzdem ist ärgerlich, dass mit so vielen Leuten im eigenen 16er beim Ausgleich noch einer zum Abschluss kommt. Von Ordnung kann man in der Spielphase sowieso nicht mehr reden, weil Darmstadt alles nach vorn wirft. Leider sind wir nur mit einem Punkt belohnt worden, der von den Spielanteilen unterm Strich verdient ist, aber vom Verlauf her sind wir natürlich enttäuscht.


Darmstadt-Trainer Torsten Frings:
Ich sehe das auch so, für uns waren es auch verlorene Punkte. Wir waren über 90 Minuten die dominierende Mannschaft, haben viele Torchancen herausgearbeitet und sie leider nicht genutzt. Wir haben insgesamt ein sehr gutes Spiel gemacht gegen gefühlt 14 Mann. So kam mir das ein bisschen vor. Wir müssen einen ganz klaren Elfmeter kriegen. Der Schiedsrichter sagt auch, es war Hand, aber der Spieler kriegt sie nicht schnell genug weg. Wenn ich sehe, was für Elfmeter gepfiffen werden, war das ein ganz klarer. Dann gab es noch eine Situation, die man abpfeifen kann, dann passiert das dritte Tor nicht. Ich ärgere mich total, dass wir so viele Standardsituationen zugelassen und sie auch nicht gut verteidigt haben, obwohl wir gerade die erste Variante auch in unserer Videoanalyse gezeigt haben. Da müssen wir gieriger sein, unser Tor zu verteidigen. Das ist zu einfach, da darf man sich auch nicht beschweren, wenn man hinten liegt. Wenn du in der 95. Minute das 3:3 machst, ist das natürlich glücklich. Aber nur fünf Minuten Nachspielzeit waren sehr kleinlich, wenn ich sehe, wie lange die Pyro gebraucht hat, um abzufackeln. Es gab ja auch sechs Tore und sechs Wechsel. Aber insgesamt freuen wir uns über die gute Leistung und den Punkt.