03. Oktober 2020 / 10:28 Uhr

Dynamo Dresdens 0:3-Pleite mit Knipping-„Schwalbe“: „Sogar die Leute in den Wohnungen haben Berührung gehört“

Dynamo Dresdens 0:3-Pleite mit Knipping-„Schwalbe“: „Sogar die Leute in den Wohnungen haben Berührung gehört“

Caroline Grossmann und Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
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Später Aufreger: Schiedsrichter Martin Speckner schickte dynamo Dresdens Verteidiger Tim Knipping nach einer vermeintlichen Schwalbe mit Gelb-Rot vom Feld. © PICTURE POINT/Gabor Krieg
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Debütant Martin Speckner stellte kurz vor Spielende den schon gelbverwarnten Tim Knipping nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung mit Gelb-Rot vom Feld. Auswirkungen auf den Spielverlauf hatte dies aber nicht: Die Schwarz-Gelben präsentierten sich in der bayrischen Landeshauptstadt selten konsequent, vergaben beste Möglichkeiten und verloren verdient. 

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München. Wenig lief bei Dynamo Dresden in der Drittliga-Auswärtspartie am Freitagabend bei der zweiten Mannschaft von Bayern München zusammen. Die Schwarz-Gelben fanden in der ersten Halbzeit nicht ins Spiel und im zweiten Durchgang trotz vieler guter Chancen nicht zum Torerfolg. Nach ihrer 0:3-Niederlage trotteten die Schwarz-Gelben mit betretenen Mienen vom Rasen des Stadions an der Grünwalder Straße. Die Schlappe war deutlich, aber auch verdient.

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Irgendwie bezeichnend und passend zum Geisterspiel war das „Geisterfoul“ in der 83. Minute. Dynamo rannte an, Trainer Markus Kauczinski hatte mit den Einwechslungen der Angreifer Ransford Königsdörffer (46.) und Philipp Hosiner (61.) sowie des kopfballstarken Kevin Ehlers (82.) alles auf eine Karte gesetzt – das Ergebnis waren dann sogar zwei davon, nämlich die gelb-rote gegen Tim Knipping. Doch wieso eigentlich? „Gar keine Ahnung, warum. Ganz, ganz verrückt“, wunderte sich Knippings Verteidiger-Nebenmann, Dynamos Mannschaftskapitän Sebastian Mai.

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Keine Chance an der Grünwalder Straße: Dynamo Dresden kommt beim Drittligameister FC Bayern München II mit 0:3 unter die Räder. Zur Galerie
Keine Chance an der Grünwalder Straße: Dynamo Dresden kommt beim Drittligameister FC Bayern München II mit 0:3 unter die Räder. ©

Was war passiert? Ehlers war unmittelbar nach seiner Einwechslung mit nach vorn gegangen, um beim Rückstand von 0:2 irgendwie aus einem Standard Kapital zu schlagen und mit dem möglichen Anschlusstor das Spiel in den Schlussminuten noch mal anzukurbeln. Als der Ball kam, stolperte der „Knipser“ im gegnerischen Strafraum über „Ehles“ Fuß und fiel. Schiedsrichter Martin Speckner, der an diesem Abend zum ersten Mal ein Drittliga-Spiel leitete, vermutete wohl, dass die Sportgemeinschaft auf diese Weise einen Elfmeter schinden wollte.

Fragwürdiger Platzverweis gegen Dynamos Tim Knipping

Die Folge war der Platzverweis gegen den seit der 33. Minute gelbverwarnten Knipping – ein fragwürdiger Entschluss, der den Offensivdrang der Gäste aus Sachsen endgültig zum Erliegen brachte. „Ich weiß nicht, ob man vom eigenen Mann gefoult werden kann. Das ist zumindest keine gelb-rote Karte, dann müsste er dem anderen vielleicht gelb geben. Es war kein Elfmeter, aber auch keine Schwalbe. Das war auf jeden Fall eine Fehlentscheidung“, ärgerte sich Trainer Markus Kauczinski, der aber noch mehr Dynamos vielen vergebenen Chancen nachtrauerte.

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Auch Chris Löwe verneinte eine Schwalbe von Knipping mit Verweis auf die Anwohner in der Stadion-Nachbarschaft: „Ich glaube, dass sogar die Leute hier hinten in den Wohnungen gehört haben, dass es da eine Berührung gab. Und selbst, wenn das der eigene Mann ist: Gib keinen Elfmeter. Gib von mir aus einen Freistoß für Bayern oder was auch immer, aber stell den doch nicht mit Gelb-Rot vom Platz. Denn wie soll der Schiedsrichter in dem Gewusel sehen, welcher Fuß das ist, den er trifft?“, fragte sich der Routinier und übte damit deutliche Kritik am Debütanten-Referee.

Ostklassiker gegen den 1. FC Magdeburg

Markus Kauczinski hat die eigentliche Ursache des Vorfalls ausgemacht: „Wir waren zu viele im Strafraum und stehen uns dort im Weg.“ Sei’s drum – wirklich spielentscheidend waren andere Szenen wie Bayerns Doppelschlag zur 2:0-Führung (22./28. Minute) und die mangelnde Konsequenz der Dresdner Offensive bei ihren diversen Einschussmöglichkeiten. Ein Punkt beim Drittliga-Meister wäre locker drin gewesen, so aber kassierten die Schwarz-Gelben in den Schlusssekunden sogar noch ein drittes Gegentor. Letztlich sah auch niemand die Schuld an der Pleite beim Unparteiischen.

Ärgerlich für die Dresdner ist allerdings die Konsequenz des Ganzen: Tim Knipping wird beim Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg am nächsten Sonnabend (14 Uhr) gesperrt fehlen. Also muss Kauczinski seine Viererkette nach Löwes Sperre vom 1. Spieltag und Robin Beckers Verletzung schon wieder umstellen. Ausgerechnet „Übeltäter“ Kevin Ehlers dürfte der Nutznießer sein. Stand er beim Kampf um die beiden Innenverteidiger-Stammplätze gegen Mai und Knipping hintenan, bekommt der Junioren-Nationalspieler im Ostduell nun wohl seine Chance.