03. Juli 2019 / 08:52 Uhr

Dynamo Dresdens Chefstatistiker schließt Wissenslücken

Dynamo Dresdens Chefstatistiker schließt Wissenslücken

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Bei Dynamos Chefstatistiker Ronny Günther hat alles seinen Platz. Der Wirtschaftsinformatiker besitzt ein perfekt gepflegtes Archiv.
Bei Dynamos Chefstatistiker Ronny Günther hat alles seinen Platz. Der Wirtschaftsinformatiker besitzt ein perfekt gepflegtes Archiv. © Jochen Leimert
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Dynamos Chefstatistiker Ronny Günther wohnt in der Nähe von Borna inmitten von RB-Fans, doch sein Herz schlägt für die Schwarz-Gelben. Seit Jahren sammelt er Daten und fasst sie in einem umgeschriebenen Buchhaltungsprogramm zusammen.

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Neukieritzsch. Gegenüber auf dem Grundstück eines Nachbarn flattert an einem Fahnenmast ein großes RB-Banner, doch das lässt Ronny Günther kalt. „Ich lass mich so leicht nicht provozieren“, lacht er. Der Wirtschaftsinformatiker lebt mit seiner Familie in einem schmucken Einfamilienhaus in einem Ortsteil der Gemeinde Neukieritzsch unweit von Borna und weiß genau, dass er in dieser Gegend damit klarkommen muss, dass viele seiner Nachbarn, Freunde und Kollegen eher mit Leipziger Vereinen fiebern. Der 47-Jährige aber hat sein Herz Dynamo Dresden geschenkt, seit 1980 verfolgt er alles rund um die Schwarz-Gelben ganz genau. So genau, dass er seit vielen Jahren den Ehrentitel „Chefstatistiker“ tragen darf.

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Angefangen hat alles mit dem 1:4 der Dresdner gegen Standard Lüttich, einem von nur drei verlorenen Heimspielen der SGD in den verschiedenen Europapokal-Wettbewerben. „Ich war da noch ein Kind, habe das Spiel im Fernsehen gesehen. Bernd Jakubowski stand im Tor, tat mir irgendwie Leid. Kurze Zeit später war ich an der Böhlener Jahnbaude, da hat Dynamo 3:0 gewonnen. Danach habe ich jedes Spiel verfolgt – ob im Stadion, Fernsehen, Radio oder später übers Internet“, erzählt der zweifache Familienvater, dessen Töchter (17 und 13 Jahre alt) beim Bornaer SV selbst aktiv Fußball spielen.

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Der Kader der SG Dynamo Dresden bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Neuverpflichtungen zur Saison 2019/20 stehen bereits fest. Zur Galerie
Der Kader der SG Dynamo Dresden bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Neuverpflichtungen zur Saison 2019/20 stehen bereits fest. ©
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Die Art und Weise, wie Dynamo auf Torejagd ging und wie die Mannschaft von den Fans getragen wurde, das faszinierte den gebürtigen Bornaer schon früh so sehr, dass er rasch begann, Berichte über seinen Verein zu sammeln. „Das war zu DDR-Zeiten eine ganz schöne Zettelwirtschaft; ich hatte auch ein Abo von der ,Fußballwoche’ und vom ,Sportecho’“, erzählt er. Die Fachzeitschriften – natürlich hat er inzwischen alle Jahrgänge vollständig – hegt und pflegt er bis heute. Sie sind immer noch eine wichtige Quelle, wenn Dinge aus der Vorwendezeit nachgeschlagen werden müssen. Denn Günther liefert viele Daten und Hintergründe für Dynamos Stadionmagazin „Kreisel“ und die SGD-Homepage.

Software für Dynamo-Statistiken

Die wichtigsten Informationen hat der in Leipzig angestellte IT-Spezialist aber längst in seinem Laptop gespeichert. „Erstmals habe ich 1990 ein eigenes Programm geschrieben, 1995 bin ich dann zu meiner Firma gekommen und habe eine Software von Microsoft, die für Finanzbuchhaltung gedacht ist und die wir für Kunden in Deutschland, Österreich oder gar Südafrika vertreiben, umgeschrieben.“ So kann er schnell alle möglichen Statistiken abrufen und auf Wunsch für Dynamo aufbereiten. Er kann beispielsweise genau belegen, dass Hans-Jürgen Dörner mit 558 Einsätzen einerseits den vereinsinternen Rekord für die meisten Pflichtspiele, aber andererseits auch den für die meisten Eigentore (6) hält.

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<b> 06. August 2018: 1. Spieltag, SG Dynamo Dresden - MSV Duisburg 1:0. </b> Geschichte wiederholt sich. Wie schon am ersten Spieltag der Vorsaison hat Lucas Röser auch diesmal die Dynamos zu einem 1:0-Sieg gegen den MSV Duisburg geschossen. Mit einer starken Einzelleistung versetzte er den Großteil der 28. 733 Zuschauer im DDV-Stadion in der 39. Minute in einen Freudentaumel und verhalf der Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus zum erhofften Erfolgserlebnis beim Zweitliga-Saisonstart. Bei sommerlich heißen Temperaturen lief das Dresdner Spiel nach vorn gut, die neuformierte Defensive mit der Fünferkette hatte allerdings auch einige Wackler drin. Zur Galerie
06. August 2018: 1. Spieltag, SG Dynamo Dresden - MSV Duisburg 1:0. Geschichte wiederholt sich. Wie schon am ersten Spieltag der Vorsaison hat Lucas Röser auch diesmal die Dynamos zu einem 1:0-Sieg gegen den MSV Duisburg geschossen. Mit einer starken Einzelleistung versetzte er den Großteil der 28. 733 Zuschauer im DDV-Stadion in der 39. Minute in einen Freudentaumel und verhalf der Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus zum erhofften Erfolgserlebnis beim Zweitliga-Saisonstart. Bei sommerlich heißen Temperaturen lief das Dresdner Spiel nach vorn gut, die neuformierte Defensive mit der Fünferkette hatte allerdings auch einige Wackler drin. ©

Jahrelang hat Ronny Günther jede Woche in der Deutschen Bücherei in Leipzig fehlende Informationen aus Zeitungen und Zeitschriften, die nicht zu seinem Sammlungsgut gehören, zusammengetragen. Eine Heidenarbeit, „aber das Lesen macht mir Freude“. Kann er wieder eine Wissenslücke schließen, dann verschafft ihm das Genugtuung. Sorgfältig gleicht er auch neue Daten mit älteren ab, nutzt dazu seine eigene Bibliothek: „Ich habe eine Unmenge an Büchern, 2700 Programme, 1500 Eintrittskarten und 300 Plakate.“

Schulbefreiung für Auswärtsspiel

Viel Freizeit verwendet Ronny Günther natürlich auch für Fahrten zu Dynamo-Spielen. Wenn es irgendwie geht, nimmt er die Heimspiele, aber auch mitunter Auswärtsspiele mit: „Letzte Saison waren wir alle zu viert in Hamburg beim HSV-Spiel, haben uns auch das Fußballmuseum angeschaut. Weil das an einem Montagabend war, haben wir den Mädchen auch eine Schulbefreiung besorgt. Schade, dass das Spiel knapp verloren ging, denn da war mehr drin.“

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Beide Mannschaften betreten den Rasen. Zur Galerie
Beide Mannschaften betreten den Rasen. © Steffen Manig

Für die kommende Saison wünscht sich Familie Günther, dass Dynamo nichts mit dem Abstieg zu tun hat und sich wieder etwas weiter nach oben orientieren kann. Zwar fehlte beim Besuch des ersten Testspiels gegen Wacker Nordhausen (2:3) in Grimma („Das ist ja für mich fast vor der Haustür“) das Happy End, doch Ronny Günther bringt so etwas nicht aus der Ruhe. Er weiß genau, dass Dynamo schon ganz andere Rückschläge in seiner langen Vereinsgeschichte verkraftet hat. Zu den derzeit sehr erfolgreichen „Roten Bullen“ ins nahe Leipzig zieht ihn nichts: „In Dresden ist doch viel mehr los.“

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