30. April 2020 / 13:42 Uhr

Dynamo Dresdens eSport-König: Justin Löwe überzeugt an der Konsole

Dynamo Dresdens eSport-König: Justin Löwe überzeugt an der Konsole

Jens Maßlich, dpa
Leipziger Volkszeitung
Teamplayer durch und durch: Torschütze Justin Löwe (l.) klatscht nach seiner Auswechslung in Jena Betreuer und Kameraden auf der Bank ab.
Dynamo Dresdens Justin Löwe zeigt abseits des Platzes sein Können an der Konsole. © Stefan Schramm
Anzeige

Auf dem Platz war Justin Löwe in dieser Saison nur selten zu sehen. Umso mehr wusste das Eigengewächs bei der „Bundesliga Home Challenge“ im eSport-Team von Zweitligist Dynamo Dresden zu überzeugen.

Anzeige

Dresden. Eine Karriere als eSportler? Fußball-Profi Justin Löwe wäre nicht abgeneigt. „Ich hätte nichts einzuwenden, meine Freundin vielleicht eher“, scherzte der 21 Jahre alte Mittelfeldspieler vom Zweitligisten Dynamo Dresden und ergänzte: „Medial ist das Interesse zuletzt stark gewachsen, viele Vereine haben inzwischen auch eine Abteilung. Vielleicht wird es ja auch bei Dynamo irgendwann noch ein Thema. Es gibt aber Wichtigeres.“

Dynamos Mitglieder haben sich als höchstes Vereinsorgan noch gegen ein Engagement im eSport-Bereich ausgesprochen. Doch für das von der Deutschen Fußball Liga (DFL) organisierte eFootball-Turnier „Bundesliga Home Challenge“ machten auch die Sachsen eine Ausnahme. An vier Spieltagen duellierten sich in den vergangenen Wochen 29 Clubs der 1. und 2. Bundesliga sowie ein Schiedsrichter-Team.

„Spaß steht im Vordergrund“

Ab dem zweiten Spieltag durfte auch Löwe seine Fähigkeiten unter Beweis stellen und spielte sich neben Marcel Gramann vom „404 Multigaming“-Team als Dynamo-Stammkraft fest. In seinen drei Partien blieb er ungeschlagen. „Der Spaß steht im Vordergrund. Aber als Sportler bist du im Wettkampf, egal was du machst. Du willst gewinnen, beißt dich rein und bist auch etwas angespannt“, erklärte der Mittelfeldspieler.

DURCHKLICKEN: Justin Löwe bei der SG Dynamo Dresden

29. Oktober 2016: Doppelpacker Justin Löwe beim Spiel der A-Jugend gegen Hertha BSC Berlin (3:1). Zur Galerie
29. Oktober 2016: Doppelpacker Justin Löwe beim Spiel der A-Jugend gegen Hertha BSC Berlin (3:1). ©

Besonders motiviert sei er vor seiner letzten Partie gegen den sächsischen Rivalen RB Leipzig gewesen. „Du vertrittst in diesem Bereich Dynamo Dresden. Wenn du dann gegen Leipzig spielst, ist da natürlich ein besonderer Anreiz zu zeigen, in Sachsen gibt es nur uns, mehr nicht“, erklärte der 21-Jährige und feierte letztlich einen deutlichen 3:0-Erfolg gegen Leipzigs Jungprofi Tom Krauß. „Das Tor in Aue war aber wesentlich emotionaler“, gibt Löwe trotz des kleinen Prestige-Erfolgs zu.

Status Ergänzungsspielers

Am 1. April 2019 erzielte der Mittelfeldspieler ausgerechnet im emotionalen Sachsen-Derby bei Erzgebirge Aue sein erstes und bisher einziges Zweitliga-Tor seiner noch jungen Karriere. Seitdem bekam er nur selten die Gelegenheit nachzulegen. Denn bisher kam das Eigengewächs nicht über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus. Waren es in der vergangenen Saison noch 123 Minuten in vier Partien, durfte er in der aktuellen Spielzeit nur einmal über fünf Minuten ran. „Mit Blick auf die Statistik kann ich sportlich nicht zufrieden sein. Trotzdem fühle ich mich pudelwohl, gehe jeden Tag gern zum Training“, erklärte Löwe.

Mehr zu Dynamo Dresden

Auch an der Spielkonsole lebt er diese Einstellung. „Jeder hat seine eigene Taktik oder Spielertypen, mit denen er auf dem virtuellen Feld am besten zurechtkommt. In dem Spielsystem, das ich spiele, passe ich nicht so gut rein“, erklärte er und scherzt: „Deswegen habe ich immer für gute Stimmung auf der Bank gesorgt. Da nehme ich keine Rücksicht auf Namen.“

Ähnlich erging es ihm auch in der Realität, weswegen Löwe mit Trainer Markus Kauczinski bereits Gespräche über seine Situation geführt habe, „um zu sehen, wo ich mich verbessern kann.“ Bei Dynamo hat er noch ein weiteres Jahr Vertrag, der sowohl für die zweite als auch die dritte Liga gilt. Wie es weitergeht, das vermag er aktuell aber nicht sagen.