25. Januar 2022 / 21:20 Uhr

Dynamo Dresden senkt Gesamtetat um 7 Millionen Euro: Wehlend kritisiert geringe Zuschauer-Quote

Dynamo Dresden senkt Gesamtetat um 7 Millionen Euro: Wehlend kritisiert geringe Zuschauer-Quote

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamos Finanz-Geschäftsführer Jürgen Wehlend beklagt durch die Geisterspiele in Sachsen einen Wettbewerbsnachteil.
Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend fordert von der sächsischen Landesregierung nachvollziehbare Entscheidungen. © Steffen Manig
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Die coronabedingten Spiele vor leeren Rängen verhageln der SG Dynamo Dresden die Bilanz. Zudem kritisiert Geschäftsführer Jürgen Wehlend die Unverhältnismäßigkeit der geltenden Regelungen.

Dresden. Die Einschränkungen durch die anhaltende Corona-Pandemie entwickeln sich für Dynamo Dresden mehr und mehr zu einem finanziellen Desaster. Für diese Saison planten die Schwarz-Gelben eigentlich mit einem Etat von 30 Millionen Euro, der nach den wider Erwarten hohen Zuschauerzahlen der ersten Spieltage bei der Nachlizenzierung sogar auf 32 Millionen Euro erhöht wurde. Nun aber das böse Erwachen beim Kassensturz: Mittlerweile gehen die Schwarz-Gelben davon aus, dass sie in dieser Saison nur noch Umsatzerlöse im Bereich zwischen 25,3 und 27,2 Millionen Euro erzielen werden – folglich klafft eine Lücke von bis zu 7 Millionen Euro und die Rechnung mit der angestrebten schwarzen Null geht nicht mehr auf.

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"Fußball muss für Symbolpolitik hinhalten"

Der Hauptgrund: Immer wieder neue Corona-Verordnungen schließen seit Monaten die Stadionbesucher aus oder beschränken ihre Anzahl auf ein Minimum. Einnahmen aus dem Ticketverkauf und durch Werbung brechen weg. In der 2. Bundesliga macht sich das viel deutlicher bemerkbar als in der Vorsaison in Liga drei. „Damals haben wir pro Geisterspiel 300.000 Euro verloren, nun ist es eine Million“, erklärte Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend am Dienstag vor Journalisten und berichtete: „Wir hatten zumindest für die zweite Saisonhälfte mit Zuschauern geplant, aktuell mit mindestens 10.000 pro Spiel. Nun hat uns die Realität eingeholt. So geht es aber vielen Vereinen.“

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Durch die Negativbilanz leidet nun das Eigenkapital des Vereins, das sich zum Stichtag 30. Juni 2021 auf 9,8 Millionen Euro belief. Im Sommer dieses Jahres werden es wohl nur noch 6,4 bis 7,3 Millionen Euro sein, wie Jürgen Wehlend vorrechnete. „Dabei kann eigentlich niemand prognostizieren, wie diese Saison läuft. Ich traue es mir nicht mehr zu, die meisten meiner Kollegen auch nicht“, so der 56-Jährige. Im aktuellen Etat enthalten sind immerhin 2 Millionen Euro an bereits ausgezahlten Corona-Hilfsgeldern des Bundes. Insgesamt 7,7 Millionen Euro Ausfallhilfen waren in der Vorsaison beantragt, realistisch sei lediglich die Auszahlung weiterer 2,7 Millionen – die können aber erst einen zukünftigen Etat aufhübschen. In der aktuellen Spielzeit hat Wehlend außerdem noch einmal 1,5 Millionen Euro an Hilfsgeldern beantragt.

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Der Geschäftsführer tut alles dafür, dass sie nicht nur der Tropfen auf den heißen Stein sind. Ein Investitionsstopp bewirkte, dass sich die vor einem Jahr prognostizierten Ausfälle von 5,6 Millionen Euro auf 0,88 Millionen reduzierten. Diesmal wird es Dynamo wohl härter treffen, zumal Wehlend nach den jüngsten Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz kaum Lockerungen für überregionale Großveranstaltungen wie Zweitliga-Spiele erwartet. „Damit bekommst du vor Augen geführt, dass es in Deutschland ganz bestimmt nicht darum geht, den Profifußball zu protegieren, sondern im Gegenteil: Der Fußball muss für Symbolpolitik hinhalten“, kritisierte Wehlend, begrüßt aber, dass in den kommenden Wochen eine bundeseinheitliche Regelung gefunden werden soll. „Wie viele Zuschauer kommen dürfen, erfahren wir kurzfristig. Respekt vor den Leuten, die das immer so schnell organisieren – bis hin zum Caterer, der am Mittwoch für Freitagabend plötzlich 500 Schweinshaxen auftreiben muss.“