20. Mai 2020 / 08:37 Uhr

Dynamo Dresdens Hamalainen: "Einfach blöd, wenn du nicht infiziert bist, aber nicht raus kannst"

Dynamo Dresdens Hamalainen: "Einfach blöd, wenn du nicht infiziert bist, aber nicht raus kannst"

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Neuzugang Brian Hamalainen vor dem Hotel Krone. 2. Bundesliga, Saison 2018/19, Trainingslager Herxheim, Freitag (20.07.2018), SG Dynamo Dresden *** New arrival Brian Hamalainen in front of the Hotel Krone 2 Bundesliga season 2018 19 training camp Herxheim Friday 20 07 2018 SG Dynamo Dresden
Brian Hamalainen wartet auf seine Eltern und das Ende der Quarantäne. © imago images/Steffen Kuttner
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Dynamo-Dresden-Profi Brian Hamalainen spricht im SPORTBUZZER-Interview über Vaterfreuden und Vaterfrust in häuslicher Quarantäne. Der Däne hofft, dass seine Eltern ihn bald besuchen können, um ihren Enkel kennenzulernen.

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Dresden. Weltweit haben selbst nicht mit dem Virus infizierte Menschen mit starken Einschränkungen durch die Corona-Pandemie zu kämpfen. Für Dynamos Linksverteidiger Brian Hamalainen, der sich noch bis zum 23. Mai wie alle anderen SGD-Profis in häuslicher Quarantäne befindet, ist das aber eine doppelte Belastungsprobe, denn der 30-Jährige wurde am 21. April das erste Mal Vater. Im SPORTBUZZER-Interview verrät der Däne, wie er die Situation meistert.

Wie geht es Ihnen?

Hamalainen: Danke, gut. Die Sonne scheint, aber leider stecke ich zu Hause fest.

Nachträglich noch herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihres Sohnes! Sind er und Ihre Frau auch wohlauf?

Ja, danke für die Glückwünsche! Mein Sohn heißt Valdemar und benimmt sich auch wie ein Baby, alles ist prima.

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Wer wechselt nun die Windeln bei ihm – Sie oder Ihre Frau?

Wir wechseln uns ab. Sie macht das meist nachts, ich mehr am Tage. Im Moment ist das auch nicht so schlimm, aber wenn er auch Brei zu essen beginnt, dann wird es etwas anders riechen.

Können Sie nachts gut schlafen, wenn Ihre Frau ihn versorgt?

Ich wache immer noch auf, wenn er sich meldet. Er ist ja erst fast einen Monat alt, da ist die Umstellung noch immer groß. Aber das gehört dazu.

Auf einem Bild auf Ihrem Instagram-Account trägt Ihr Sohn schwarz-gelbe Baby-Söckchen. Wer hat die gehäkelt?

Ich denke, das war ein Geschenk der Uniklinik. Ganz sicher bin ich mir aber gar nicht, denn ich war zwar bei der Geburt dabei, aber danach durfte ich wegen der Corona-Krise nicht zu meiner Frau und meinem Sohn ins Krankenhaus. Ich war also nicht da, als wir die Söckchen bekommen haben. Zum Glück durfte ich bei der Geburt dabei sein, weil ich zuvor nicht positiv getestet worden bin. In den Wochen vor der Geburt bin ich mit allen möglichen Schutz-Utensilien in den Supermarkt gegangen: mit Handschuhen, Mundschutz und Desinfektionsmittel. Ich habe alles getan, um mich nicht zu infizieren. Leider waren die Grenzen schon zu, und wir konnten kein Familienmitglied aus Dänemark zu Hilfe rufen.

Für die Großeltern muss es sehr hart gewesen sein, Ihren Enkel nicht besuchen zu können…

Ja, sicher. Wir haben Ihnen wenigstens viele Bilder geschickt, nutzen die modernen Möglichkeiten wie Facetime. Jetzt bemühen sie sich aber bei der deutschen Botschaft in Dänemark um eine Besuchsmöglichkeit. Großeltern und Eltern können jetzt die Grenze passieren, um ihre Enkel bzw. Kinder zu besuchen. Sie brauchen aber ein Dokument, das belegt, dass wir hier in Dresden wohnen. Ich habe daher Kopien unserer Pässe nach Hause gesandt. Viel Aufwand, aber das ist okay – jetzt haben sie eine Chance, zu uns zu kommen. Es wäre schön, wenn das bald klappt. Man hat so viele Ideen, was man nach der Geburt so alles machen, wen man alles besuchen möchte, aber all das löst sich in Luft auf, wenn die Grenzen zu sind und du zu Hause auch noch in Quarantäne sitzt.

Am Wochenende läuft sie endlich aus. Was glauben Sie: Ist überhaupt noch ein fairer Wettbewerb in der 2. Bundesliga möglich?

In mancher Hinsicht nicht, denn es wird wieder gespielt, aber wir sind zu Hause in Quarantäne. Natürlich will das Dresdner Gesundheitsamt sicher sein, dass es bei uns nicht noch mal positive Tests gibt. Aber der Spielplan nach der langen Pause ist schon straff – da ist es problematisch, uns mitten in der Vorbereitung zwei Wochen aus dem Training zu nehmen. Ich denke, man könnte uns häufiger als nur zweimal pro Woche testen, wie es das DFL-Konzept vorsieht, und bei anhaltend negativen Ergebnissen vielleicht schon nach zehn Tagen rauslassen. Dann könnten wir trainieren statt volle 14 Tage zu warten. Fakt ist: Wir können nicht schon zwei, drei Tage nach Ende der Quarantäne wieder spielen. Nichtsdestotrotz müssen wir das Beste aus der Situation machen, da wieder anfangen, wo wir vor Corona aufgehört haben, als wir eine sehr gute Phase hatten. Wir haben viele Punkte geholt, die wir dringend brauchten. Da anzuknüpfen wird durch die häusliche Quarantäne noch schwieriger. Aber wir haben nur noch Endspiele.

Was denken Sie über die Ergebnisse vom vergangenen Wochenende?

Es war nicht Dynamos Wochenende, sicher. Die Ergebnisse in der 2. Bundesliga haben derweil gezeigt, dass die Spiele momentan offener sind als sonst, wenn alle gut vorbereitet und voll im Rhythmus sind. Die drei Topteams konnten nicht gewinnen, das ist nicht normal. Auch das Fehlen der Zuschauer hat dazu geführt, dass die Chancengleichheit höher ist.

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Wie fühlt es sich an, allein zu Hause vor dem Laptop zu trainieren?

Es ist frustrierend, weil ich gehört habe, dass unsere letzten Testergebnisse negativ waren und auch die Mitspieler, die zuvor einen positiven Test hatten, bisher keine Symptome zeigen. Es ist einfach blöd, wenn du dich gut fühlst, du nicht infiziert bist, aber nicht raus kannst. Für mich ist es doppelt frustrierend, weil meine Frau alle Wege mit dem Kleinen allein machen, mit ihm beispielsweise zum Arzt gehen muss. Eigentlich sollte sie sich von der Geburt erholen, aber ich kann ihr nicht bei all den Erledigungen draußen helfen. Das stört mich am meisten.

Fans helfen Ihnen beim Einkauf und beim Ausführen des Hundes. Wie funktioniert das genau?

Die Leute vom Verein und drumherum sind super, sie helfen uns freiwillig. Jemand von einem Fanclub ist mit unserem Hund zum Tierarzt gegangen, alle Abstandsregeln werden eingehalten. Andere Spieler bekommen Hilfe bei Besorgungen im Supermarkt. Alle rund um den Club sind sehr hilfsbereit. Wir haben zwar einen kleinen Garten, den wir uns mit Nachbarn teilen, aber ich gehe nicht raus. Unser Hund darf, aber dort kriegt er weniger Bewegung als sonst. Wenn jemand mit ihm in den Wald geht, ist er froh. Er ist zum Glück ein freundlicher Kerl.

Wie oft ruft Sie das Gesundheitsamt an?

Ich habe noch keine Anrufe bekommen, aber wir befolgen alle Vorschriften, die uns vom Amt über den Verein übermittelt werden. Das Amt hält Kontakt zum Verein, wir bleiben drin und warten auf Informationen. Wir alle hoffen auf die erlösende Nachricht, dass wir schnell wieder raus dürfen. Glücklicherweise haben meine Frau und ich unseren Sohn bei uns, dem wir jetzt viel Zeit widmen können. Das hilft uns sehr. Du musst das Beste aus der Situation machen, ihr gute Seiten abgewinnen.

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Wie handhabt man es eigentlich mit dem Re-Start der Topliga in Ihrer Heimat?

Ich weiß nicht das genaue Datum, aber die Regierung hat bestätigt, dass die Saison wieder starten und beendet werden soll. Allerdings könnte sie etwas verkürzt werden, Dänemark pflegt ja ein Play-off-System. Vielleicht gibt es ein paar Spiele weniger, die Funktionäre haben offenbar auch eine Einigung gefunden, die Spielerverträge etwas zu verlängern, um im Juli noch spielen zu können. Davon habe ich gelesen.

Hatten Sie schon ein Gespräch mit Dynamos Sport-Geschäftsführer Ralf Minge, wie es mit Ihnen weitergehen könnte? Ihr Vertrag in Dresden läuft Ende Juni aus…

Nein, ich habe noch mit niemandem vom Verein darüber gesprochen. Da gibt es auch so viele offene Fragen, da kann noch so viel passieren. Keiner weiß zum Beispiel genau, wie die Finanzen nächstes Jahr aussehen. So ist es schwierig, sich hinzusetzen und über neue Verträge zu sprechen. Aber das Problem haben Mannschaften in ganz Europa. Ich mache mir deshalb keinen Stress.