22. November 2020 / 14:04 Uhr

Dynamo Dresdens Marco Hartmann im siebten Frühling

Dynamo Dresdens Marco Hartmann im siebten Frühling

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Hartmann
Dynamo Dresdens Marco Hartmann gibt für sein Team immer alles. © Steffen Manig
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Gegen Hansa Rostock bot Dynamo Dresdens Abwehrorganisator Marco Hartmann eine überragende Defensivleistung, die er vorn mit einem eigenen Tor krönte.

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Dresden. Er organisierte Dynamo Dresdens Abwehr, schmiss sich in die Zweikämpfe, köpfte gefühlt jede Flanke aus der Gefahrenzone und war vorn selbst als Torschütze eiskalt: Wenn Marco Hartmann richtig fit ist, kann er in einem Spiel den Unterschied ausmachen. Das hat nach dem 3:1-Sieg der Schwarz-Gelben am Sonnabend im Rostocker Ostseestadion auch Hansa-Trainer Jens Härtel anerkennen müssen: „Gerade bei den langen Bällen hat der Hartmann alles weggenommen. Den hätten wir vielleicht hier und da auch mal ein bisschen blocken müssen. Das ist uns nicht gelungen.“

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Dynamo mit starker Mannschaftsleistung

Auch eine Platzwunde, die Hartmann gegen Ende der ersten Halbzeit bei einem Kopfballduell davongetragen hatte, hielt ihn nicht ab. „Alles gut, wir haben es in der Halbzeit genäht. Mit einem Pflaster drauf lässt es sich ein bisschen besser Fußball spielen als mit dem Turban. Mal wieder eine Narbe mehr. Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder. Ich hoffe, das sollte kein Problem mehr werden“, scherzte der einstige Dynamo-Kapitän, dem Dresdens Stürmer Christoph Daferner besondere Weihen zukommen ließ: „Ich würde schon sagen, dass ,Harti‘ heute ,Man of the Match‘ ist.“

DURCHKLICKEN: Marco Hartmann bei der SG Dynamo Dresden

03. Juni 2013: Eines der ersten Bilder von Marco Hartmann im Dress der SGD. Zur Galerie
03. Juni 2013: Eines der ersten Bilder von Marco Hartmann im Dress der SGD. ©

Der 32-Jährige bedankte sich artig für dieses Lob, verwies aber auch auf Tim Knipping und Kevin Ehlers, seine beiden Nebenmänner in der Innenverteidigung: „Ich hau mich rein in alles, was geht. Es macht Spaß, mit den Jungs auf dem Platz zu fighten. Das ist ein konstruktives Miteinander, diese Bälle hinten rauszuköpfen. Meine Stärke ist, Halbfeldflanken zu antizipieren, was gut ist mit drei Leuten. Da gab es eine ganz klare Absprache, wer den Mann nimmt und wer den Raum. Dann hab ich schon ein Gespür dafür, wo ein Ball hinkommen kann oder wo nicht. Und da muss ich dann auch da sein mit meiner Größe“, so der 1,94 Meter lange Kämpfer, der resümierte: „Es freut mich, dass ich so viele Situationen, die im Sechzehner nicht einfach sind, gut retten konnte.“

In der Tat war es eine geschlossen starke Mannschaftsleistung, die Dynamo in Mecklenburg ablieferte. Diesmal waren die Sachsen dem Gegner mehrfach den entscheidenden Bruchteil voraus und zudem in Halbzeit eins mit drei Toren aus drei Chancen sehr effektiv. Zumindest an den ersten beiden Treffern hatte auch Patrick Weihrauch einen entscheidenden Anteil als Vorlagengeber. Beim 1:0 (14.) ersprintete er Roßbachs zu kurzen Rückpass und passte exakt auf Daferner, der ihn unter Druck verwandelte. Dafür bekam das Duo auch Hartmanns Anerkennung: „Er spekuliert super. So einfach war das gar nicht, dass der Pass so gut kommt und du den reinlegst.“

Kauczinski: „Er wollte das Tor“

Nach einer halben Stunde krönte Hartmann seine starke Leistung mit einem Tor – diesmal nach einem schnell ausgeführten Freistoß von Weihrauch. Hartmann freute sich über seinen Vorlagengeber: „Er war bereit, stand mit kurzem Schritt zum Ball. Das habe ich schon vielen Jungs gesagt, die Freistöße ausführen: Seid immer mal bereit für solche Aktionen – gerade wenn ein Gegner so hoch verteidigt, wie es Hansa getan hat. Das hat er perfekt gemacht.“ Hartmann nahm, als der Gegner noch pennte, den Ball mit der Brust an und donnerte ihn zum 2:0 in die Maschen (30.). Wann er das letzte Mal so frei vorm Tor stand? „Keine Ahnung, lange her, im Training wahrscheinlich.“

Cheftrainer Markus Kauczinski nötigte auch diese gelungene Offensivaktion eine Menge Respekt ab. „Sensationell. Marco hat gerade im Laufe des Spiels und in der zweiten Halbzeit noch mal mehr Energie reingelegt, fast jeden Ball rausgeköpft. Auch wie er das Tor dann macht. Wir wissen schon, was er kann, und dass er technisch ein guter Mann ist, aber da war auch die Energie zu spüren. Da hat man wirklich gesehen, er wollte das, hat sich davon nicht abbringen lassen. Das ist seine Stärke, dass er gerade wirklich die Zeit auf dem Platz nach der langen Zeit, wo er weg war, genießt und dafür alles gibt. Das ist schön anzuschauen.“

JETZT Durchklicken: Die Bilder zum 3:1-Erfolg an der Küste!

Wichtiger Auswärtserfolg für Dynamo Dresden: Die Kauczinski-Elf setzte sich mit 3:1 beim FC Hansa Rostock durch. Zur Galerie
Wichtiger Auswärtserfolg für Dynamo Dresden: Die Kauczinski-Elf setzte sich mit 3:1 beim FC Hansa Rostock durch. ©

Tatsächlich erlebt der gebürtige Eichsfelder, dessen Verletzungshistorie locker ein ganzes Buch füllen könnte, gerade sowas wie seinen siebenten Frühling. In den ersten beiden Saisonspielen spät eingewechselt, fiel er ab Ende September einen Monat lang durch muskuläre Probleme aus. Beim 3:0-Sieg gegen Meppen am 31. Oktober gab er mit einem Kurzeinsatz sein Comeback. Vor zwei Wochen bei der 1:2-Niederlage in Saarbrücken wurde er nicht eingewechselt. Dafür spielte er beim 2:1-Erfolg gegen 1860 und in Rostock als zentraler Mann in der Dreierkette jeweils 90 Minuten. Auffällig: Wenn Hartmann mitwirkte, hat Dynamo in dieser Saison nicht verloren.

Ein Gegentor als Wermutstropfen

Trotz seiner überragenden Leistung hob Dynamos unbestrittener Führungsspieler in dieser Partie – der etatmäßige Kapitän Sebastian Mai fehlte erkrankt und Ersatz-Spielführer Yannick Stark war wesentlich ruhiger und unauffälliger – lieber einen anderen Akteur heraus: Patrick Weihrauch. „Er war in der ersten Halbzeit der spielentscheidende Mann für uns, weil er die Räume vor der Kette sehr gut genutzt hat. Er hat jeden zweiten Ball, der zu uns kam, so verarbeitet, dass er sich nach vorn gedreht, Tempo gemacht hat, ballsicher war, sehr viel Laufarbeit gegen den Ball betrieben hat. Das ist ein sehr zuverlässiger Partner auf dem Feld“, lobte „Harti“ den Mittelfeldmann.

Auch an der Entstehung des 3:0 – dem wohl schönsten Spielzug der gesamten Begegnung – war Weihrauch beteiligt. Die Hauptrolle in dieser Szene spielte jedoch Ransford Königsdörffer. Er leitete die sehenswerte Kombination von hinten nach ganz vorn selbst ein, lief durch und tauchte nach schönem Pass von Philipp Hosiner plötzlich frei vor Torwart Kolke auf, dem er keine Abwehrchance ließ (41.). „Ich habe mich sehr über den Treffer gefreut und hoffe, es fallen noch weitere“, meinte „Ransi“ nach seinem dritten Tor in den letzten vier Partien.

Einziger Wermutstropfen war zwei Minuten später das Gegentor zum 3:1-Endstand durch Pascal Breier, als Kevin Ehlers wegrutschte. „Der Platz ist wirklich morastig. Wenn du so am Gegner arbeitest, ist es eklig. Ansonsten hat er ein sehr konzentriertes Spiel gemacht, so wie ich das von ihm gewohnt bin“, nahm Marco Hartmann Dynamos jungen Verteidiger in Schutz. Auch für den 20-Jährigen war es eine besondere Begegnung, denn er war 2009 bis 2017 in Rostocks Nachwuchs aktiv und sein Vater Uwe Ehlers ist Hansas Co-Trainer.

Zwei Ausfälle problemlos kompensiert

Doch auch daran sieht man, wie wichtig Marco Hartmann für Dynamo ist: Er baut die Talente auch nach Fehlern mental wieder auf, stellt sich vor sie – er gilt nicht nur als einfache Führungsfigur, sondern als Vorbild. Christoph Daferner, fast genau ein Jahrzehnt jünger als „Harti“, beschrieb es nach dem Auftritt in Rostock wie folgt: „Ich hatte es ihm letztens schon persönlich gesagt, dass er jungen Spielern einen brutalen Halt gibt. Man kann sich immer an ihm hochziehen. Er gibt sehr wertvolle Tipps. Was er mit der Fünferkette und den beiden Sechsern davor wegverteidigt hat, da kann ich nur meinen Hut ziehen. Wir haben schon gute Typen in der Mannschaft.“

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Dass in Rostock neben dem eigentlichen Abwehrorganisator Sebastian Mai in Marvin Stefaniak (Muskelverhärtung im Oberschenkel) noch ein weiterer Leistungsträger fehlte, machte sich gar nicht so bemerkbar. Marco Hartmann meinte zu den Ausfällen: „Ein Kader, der so stark besetzt ist wie unserer, muss das abkönnen. Das wird auch noch häufiger passieren diese Saison. Auf der anderen Seite sind das Spieler, die eine Riesenqualität mitbringen: ,Basti‘ die Führungsstärke, ,Marv‘ spielerisch. Ich freue mich sehr, wenn die wiederkommen.“

Das sind zwei weitere Spieler im besten Fußballeralter, die in entscheidenden Momenten gegenhalten können, was bei den Siegen gegen 1860 München und Hansa Rostock ein wichtiger Teil des Erfolgsrezepts war. Hartmann powert: „In der Liga kannst du Gegner auch richtig beeindrucken durch körperliche Stärke. Wir haben zwei Spiele gemacht, die überzeugend waren, die uns von uns selber überzeugt haben, die uns Stärke geben und die uns zeigen, wo wir weitermachen müssen.“ Am besten schon am Mittwoch beim Heimspiel gegen Unterhaching.