20. September 2019 / 06:57 Uhr

Dynamo Dresdens Patrick Wiegers: „Ich bin viel freier im Kopf“

Dynamo Dresdens Patrick Wiegers: „Ich bin viel freier im Kopf“

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Patrick Wiegers gehört seit fünf Jahren zum Aufgebot von Dynamo und ist in Dresden längst heimisch geworden.
Patrick Wiegers gehört seit fünf Jahren zum Aufgebot von Dynamo und ist in Dresden längst heimisch geworden. © Jochen Leimert
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Der Dynamo-Torwart spricht im SPORTBUZZER-Interview über die Geburt seiner Tochter Lia, ungewohnte Vaterpflichten und seine Erinnerungen an Jahn Regensburg

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Dresden. Ein Zweitliga-Spiel hat er in dieser Saison noch nicht machen dürfen, aber dennoch fühlt sich Dynamo-Torwart Patrick Wiegers (29) ein bisschen wie auf Wolke sieben. Warum? Ganz einfach: Der gebürtige Deggendorfer ist am 7. September das erste Mal Vater geworden. Seine Frau Stephanie, eine Dresdnerin, brachte Töchterchen Lia auf die Welt. Im Interview spricht „Wiege“, wie ihn alle nennen, über seine neue Rolle als Familienvater, aber auch über die anstehende Begegnung mit seinem Ex-Verein SSV Jahn Regensburg.

Wie viele Stunden Schlaf kriegen Sie denn momentan?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich hatte Nächte, da waren es zwei. Die letzte Nacht war es besser, da waren es sieben. Es war eine ganz angenehme Nacht, man wacht ab und an mal auf, aber da meine Frau stillt, bin ich in diese Dinge eh nicht so eingebunden.

Wie sieht gerade die Rotation bei den Ersatztorhütern aus? Sind Sie gegen Regensburg an der Reihe oder ganz froh, statt im Stadion auf der Bank zu sitzen daheim Ihren Kuschel auf den Arm zu nehmen?

Nein, ich weiß es grundsätzlich immer auch erst einen Tag vorher, ob ich im Kader bin. Ich bereite mich immer so vor, als müsste ich spielen. Es kann ja immer was passieren. Ich bin schon lange genug dabei, um das einschätzen zu können. Dementsprechend bin ich tagtäglich voller Elan im Training. Wenn es denn so sein sollte, dass ich nicht dabei bin, bin ich aber auch im Stadion und werde mir das Spiel anschauen. Ich freue mich natürlich auch, wenn ich ein paar Stunden mehr bei meiner Kleinen und meiner Frau sein kann.

Von der Planung her konnte man sich die Geburt in der Länderspielpause aber nicht besser wünschen, oder?

Das hat sich die Kleine so gewünscht. Das ist ganz witzig, weil meine Frau und ich da eigentlich noch ein Wellness-Wochenende zu zweit geplant hatten. Aber das hat uns unsere Tochter nicht mehr gegönnt. Jedoch war es ein guter Zeitpunkt, denn für meine Frau wurde es auch schon anstrengend. Überraschend war es dennoch, weil Lia drei Wochen zu früh gekommen ist. Es ging aber alles gut, und wir sind glücklich, dass sie da ist.

Dynamo Dresdens Torhüter Patrick Wiegers
Dynamo Dresdens Torhüter Patrick Wiegers © Stefan Schramm
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Sind Sie jemand, der auch mal die Windeln anfasst?

Ja, da habe ich mich schon rangetraut. Es war erst einmal ungewohnt und neu, aber da ist so viel Glück und Liebe, dass es total nebensächlich ist, welches Produkt dort drinsteckt.

Waren Sie auch bei der Geburt dabei?

Ja.

Wie fühlt sich die neue Rolle als Familienvater an? Motiviert Sie sie auch im Beruf?

Ich hatte bisher das Gefühl, als würde ich noch leichter über den Platz getragen werden, weil ich ein Ziel erreicht habe, das für mich durch nichts zu ersetzen ist. Es ist ein Punkt erreicht, wo du total entspannt und viel freier im Kopf bist. So kannst Du noch besser Leistung abrufen. Über Monate standen viele ärztliche Untersuchungen an und Du hast gehofft, dass wirklich alles mit Frau und Kind okay ist, sie gesund sind. Jetzt ist die Sorge weg, die ersten Tage waren der Hammer und das Training macht noch mehr Spaß, weil es viel leichter von der Hand geht. Und man entwickelt ein Bewusstsein, dass man für eine Familie da sein und sich für sie reinwerfen muss, um sie ernähren zu können.

Jetzt sind Sie noch mehr mit Dresden verwachsen.

Ja, ich hätte vor fünf Jahren nie gedacht, dass ich einmal woanders als in meiner bayerischen Heimat so sehr Fuß fassen und mich so verwurzelt fühlen würde, wie es jetzt hier der Fall ist.

Jetzt kommt bestimmt reichlich Verwandtschaft zu Besuch – aus zweierlei Gründen...

Nein, dieses Wochenende nicht. Für die nächsten Wochen haben sie sich aber schon angekündigt. Da wird unsere Wohnung das eine oder andere Mal relativ gut besucht sein. Wir freuen uns darauf, weil die sich auch schon mega darauf freuen.

Dynamo-Routinier Patrick Wiegers hechtet beim Torwarttraining im Großen Garten nach einem hohen Ball.
Dynamo-Routinier Patrick Wiegers hechtet beim Torwarttraining im Großen Garten nach einem hohen Ball. © Steffen Manig

Für das Regensburg-Spiel mussten Sie also keine Karten hinterlegen?

Nein, da lassen sie uns erst noch ein bisschen in Ruhe. Man soll sich ja zu Hause auch erst ein bisschen einleben, sich kennenlernen. Das versuchen wir zu tun. Familie und Freunde geben uns die Zeit, noch ein bisschen Dreisamkeit zu genießen.

Fünf Jahre sind Sie jetzt hier. Werden Sie am Sonntag trotzdem noch den einen oder anderen alten Bekannten aus dem Umkreis des SSV Jahn wiedersehen?

Ich habe noch zwei gute Freunde dort, die dort spielen: Sebastian Nachreiner und Oliver Hein. Ich hoffe natürlich, dass beide mit an Bord sind. Beide waren die letzten Jahre schwer von Verletzungen betroffen. Ich hoffe, dass ich sie sehe – auch den Trainer Mersad Selimbegovic, mit ich selbst noch in Regensburg gespielt habe. Die ganzen Betreuer rund um die Mannschaft sind auch noch da. Ich freue mich schon sehr, sie wiederzusehen und einmal etwas mit ihnen quatschen zu können.

Ist so ein Spiel gegen Regensburg noch ein besonderes für Sie?

Ich finde schon, denn ich hatte dort eine wunderbare Zeit, meine Anfänge im Profifußball. Ich habe dort meine ersten Spiele in der 2. und in der 3. Liga bekommen – und habe daran nur positive Erinnerungen. Ich war dort sieben Jahre, so wird der Verein immer in meinem Kopf und in meinem Herzen sein.

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Zu verschenken hat Dynamo diesmal aber nichts, die Situation in der Tabelle könnte besser sein...

Wir müssen einfach am Sonntag gewinnen, da gibt es keine zwei Meinungen. Um die Punkte von auswärts zu veredeln, musst du zu Hause gewinnen. Es steht auf der Agenda, dass wir am Sonntag alles raushauen, um das Spiel zu gewinnen.

Erkennen Sie am Regensburger Spiel etwas von der Art und Weise wieder, wie der Trainer von heute früher als Spieler agiert hat?

Mersad war und ist einer, der einem immer alles abverlangt, immer alles zu hundert Prozent einfordert: an Leistung, an Leidenschaft, an Hingabe. Das siehst du am Regensburger Spiel. Das war aber auch die letzten Jahre schon so, er hat das Spiel von Achim Beierlorzer nicht groß verändern müssen. Da wird Fußball richtig gelebt. Mersad war als Spieler ein rigoroser Verteidiger, der sich in alles und jeden reingeschmissen hat, der das Tor bis aufs Blut verteidigt hat. Genau das wird er auch versuchen, seiner Mannschaft einzutrichtern.

3. Mai 2019: Dresdens Torwart Patrick Wiegers freut sich über den 2:1-Sieg gegen den FC St. Pauli. 
3. Mai 2019: Dresdens Torwart Patrick Wiegers freut sich über den 2:1-Sieg gegen den FC St. Pauli.  © Dennis Hetzschold

Können Sie Ihren Mannschaftskollegen noch spezielle Tipps geben, weil Sie noch ein bisschen mehr ein Auge auf diesen Verein haben?

Nein. Ich glaube, dass jeder die Regensburger in den letzten Jahren schon beobachten konnte. Mittlerweile sind sie das dritte Jahr in Folge in der 2. Liga, sie sind im ersten Jahr Fünfter, im zweiten Achter geworden. Ich glaube, es weiß jeder mittlerweile, welche Art Fußball die spielen. Deswegen muss ich da nicht mehr großartig darauf aufmerksam machen. Das machen unsere Scouting-Abteilung und das Trainerteam sowieso. Für uns heißt es einfach, in dieser Heimpartie das Regensburger Spiel gar nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Wir dürfen uns nicht den Schneid abkaufen lassen, müssen den Regensburgern zeigen, dass wir der Herr im Haus sind und sie heute den falschen Gegner erwischt haben.

Die Regensburger schießen immer viele Tore...

Ja, weil sie immer noch mal Druck machen, glauben, dass sie das Spiel noch einmal drehen können. Das ist auf keinen Fall eine Mannschaft, die man unterschätzen darf. Aber wir wissen auch, dass wir qualitativ besser aufgestellt sind.

Was sind die Gründe für den stetigen Aufschwung von Jahn Regensburg in den letzten Jahren?

Ich glaube, dass sich dort infrastrukturell extrem viel getan hat. Mit dem Abstieg in die Regionalliga haben sie einen großen Umbruch erleben müssen, aber alle, die seitdem dort gearbeitet haben oder auch noch arbeiten, haben einen verdammt guten Job gemacht. Was dort entstanden ist, ist bemerkenswert: das Trainingszentrum, das Stadion, eine Sponsoring-Abteilung, die immer mehr Unternehmen aus der Region miteinbezieht. Natürlich wird der Verein mit dem sportlichen Erfolg attraktiver. Ich glaube aber, dass die Regensburger auf allen Ebenen unfassbar gut gearbeitet haben. Die Trainer, die dort waren, haben es auch gemacht, etwa ein Heiko Herrlich. Dann spielst du dich in einen Flow und bist ganz schwer aufzuhalten. Sie haben die Mannschaft auch zusammengehalten, erst jetzt im Sommer wieder einen Umbruch gehabt, den sie aber auch ganz gut gemeistert haben. Da kann man ihnen zur Entwicklung in den letzten Jahren nur gratulieren.

Denken Sie nicht trotzdem manchmal wehmütig an die Holztribüne im alten Jahnstadion zurück?

Ja, das war schon Fußball-Nostalgie. Wir hatten kalte Duschen, kein Licht – wenig bis nichts, haben aber trotzdem immer abgeliefert und waren nahe dran am Maximum, was wir rausholen konnten. Ich glaube, dass mich das persönlich auch sehr dahingehend geprägt hat, wie ich meinen Job heute lebe.