08. März 2022 / 11:20 Uhr

Dynamo Dresdens Sebastian Mai wie Phoenix aus der Asche

Dynamo Dresdens Sebastian Mai wie Phoenix aus der Asche

Caroline Grossmann und Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Sebastian Mai räumt auf: Hier grätscht er gegen Werder Bremens Mitchell Weiser.
Sebastian Mai räumt auf: Hier grätscht er gegen Werder Bremens Mitchell Weiser. © Imago Images
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Monatelang war es still um den Ex-Kapitän Sebastian Mai, der Dynamo Dresden fehlte. Doch gegen Bremen schloss sich ein Kreis: Der neue Trainer schenkte ihm von Beginn an das Vertrauen. Und das zahlte der 28-Jährige mit einer überzeugenden Leistung zurück.

Dresden. Er war monatelang weg vom Fenster, doch gegen Werder Bremen überzeugte er und gehörte zu Dynamo Dresdens besten Spielern, auch wenn die Zweitliga-Partie am Ende mit 1:2 verloren ging. Die Rückkehr von Sebastian Mai ins Anfangsaufgebot der Schwarz-Gelben kam ein bisschen wie Phoenix aus der Asche. Denn die bisherige Saison verlief für den 28-Jährigen nur durchwachsen bis bescheiden, um es vorsichtig zu formulieren.

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Vom damaligen Trainer Alexander Schmidt noch im Juli als Kapitän für die neue Saison bestätigt, fehlte Mai in den ersten beiden Spielen wegen einer Innenbandverletzung, um sich dann mit einem Kurzeinsatz und Tor beim 2:0-Sieg gegen Hannover zurückzumelden – es war sein bisher einziger Saisontreffer. Was damals noch niemand ahnte: Auch seine beiden Startelfeinsätze Mitte September in Heidenheim (1:2) und Darmstadt (0:1) sollten fast für ein halbes Jahr seine einzigen bleiben.

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Die SG Dynamo Dresden liefert in Bremen ein gutes Auswärtsspiel ab, muss sich aber mit 1.2 geschlagen geben. Zur Galerie
Die SG Dynamo Dresden liefert in Bremen ein gutes Auswärtsspiel ab, muss sich aber mit 1.2 geschlagen geben. ©

Und das, obwohl zwei weitere wichtige Innenverteidiger zugleich über lange Zeit fehlten: Tim Knipping riss sich im August das Kreuzband und durchlief eine halbjährige Reha, Kevin Ehlers plagte sich bis Anfang November mit einem Muskelfaserriss, fiel überdies zu Beginn der Adventszeit wegen einer Corona-Infektion aus. Trotzdem saß Mai am 26. September beim 3:0-Sieg gegen Werder Bremen und eine Woche später bei der 0:3-Pleite auf St. Pauli jeweils 90 Minuten lang auf der Bank.

Tiefpunkt

Alexander Schmidt hatte im Abwehrzentrum neben Michael Sollbauer damals lieber auf den schnelleren Michael Akoto gesetzt. Der Stammplatz des gebürtigen Dresdners Mai war futsch. Genau wie Dynamo befand er sich im Abwärtsstrudel, wurde in den drei folgenden Partien nur eingewechselt. Gegen Nürnberg agierte er eine Viertelstunde als Mittelstürmer, in der Abwehr war kein Platz für ihn. Dort erhielt eher der junge Neuzugang Antonis Aidonis das Vertrauen.

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Dann der Tiefpunkt: In den acht Punktspielen im November, Dezember und Januar kam Sebastian Mai gar nicht zum Einsatz. Zweimal schmorte er wieder auf der Bank, sechs davon verpasste Mai wegen eines Infekts bzw. einer Angina. Er fehlte mit dieser Begründung derart lange, dass sich manch einer fragte, ob das alles noch mit rechten Dingen zugeht. Es gab Spekulationen über den tatsächlichen Grund für die lange Abwesenheit.

Der einstige Leistungsträger Sebastian Mai galt fortan als Sorgenkind und verlor Anfang November folgerichtig die Kapitänsbinde an Yannick Stark. Vor einem Monat tauchte er dann aber plötzlich wieder auf. Als Dynamo durch vier frühe Gegentreffer das Heimspiel gegen Rostock vergeigte, wurde Mai schon in der ersten Halbzeit als Abwehrstabilisator eingewechselt. Auch in den drei weiteren Februar-Partien kam er immerhin zu Kurzeinsätzen.

Wieder ganz der Alte

Bei der jüngsten 1:2-Niederlage in Bremen schloss sich jetzt ein Kreis. War die Hinrundenpartie gegen die Werderaner die erste, in der Schmidt nicht mehr auf ihn setzte, kam Sebastian Mai unter dem neuen Chefcoach Guerino Capretti nun erstmals wieder voll zum Zuge – der Trainerwechsel hatte sich für den Briesnitzer ausgezahlt. „Natürlich bekommen die, die nicht viel gespielt haben, einen neuen Aufschwung, die sind auch im Training wieder da“, erklärte Mai gegenüber Sky.

Sein Lohn: Er durfte nach fast einem halben Jahr endlich mal wieder in der Startelf ran – auch wenn er erstmals in seiner Zeit als Dynamoprofi von Beginn an ohne die Kapitänsbinde auflief. „Basti“ Mai machte seine Sache gut, war präsent, haute sich in die Zweikämpfe, machte dem Gegner das Leben schwer und spielte selbst einige kluge Pässe. Man hatte das Gefühl, dass er nach dem Trainerwechsel aufatmete und nun wieder ganz der Alte war.

"Hat richtig Gas gegeben"

„Ich habe in meiner Wahrnehmung nichts von Sorgenkind gesehen“, hatte „Rino“ Capretti schon vor dem Spiel berichtet. „Sebastian haut sich rein in jeder Trainingseinheit. Er ist unheimlich fleißig, versucht schnell umzusetzen, bringt sich auch in den Videoschulungen immer mit ein. Er gehört dazu“, machte der Trainer klar, der Mai im Training anfangs als Innenverteidiger einsetzte. Am Freitag vorm Spiel kam dem 40-jährigen Fußballlehrer dann eine andere Idee.

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Und die setzte er in der Partie um. Mai spielte auf der für ihn ungewohnten Sechserposition vor der Abwehr, ersetzte damit den gelbgesperrten Kapitän Yannick Stark. „Ich wollte da im Zentrum seine Präsenz, seine Wucht, seine Kopfballstärke. Mir war klar, dass gegen solche Spieler wie Bittencourt, die extrem schnell und wendig sind, es hier und da mal zu Problemen kommt. Aber ich habe da eine Chance gesehen“, begründete Guerino Capretti.


Und der Cheftrainer ergänzte: „In den Trainingseinheiten hat er richtig Gas gegeben, hat der Mannschaft gut getan. Da habe ich mich ganz schnell entschieden und wusste, ich möchte Sebastian auf dem Platz haben.“ Und der dankte es. Für den Kämpfer und Mentalitätsspieler Mai gibt es also wieder eine Perspektive bei den Schwarz-Gelben. Zwar kehrt Yannick Stark nach seiner Gelbsperre in die Mannschaft zurück, wenn es am Sonnabend im Heimspiel gegen den FC St. Pauli geht. Doch mit „Basti“ Mai ist nun definitiv wieder zu rechnen.

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