27. Mai 2021 / 11:04 Uhr

Dynamo Dresdens Tim Knipping spricht über schweren Schicksalsschlag

Dynamo Dresdens Tim Knipping spricht über schweren Schicksalsschlag

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Tim Knipping
Nach dem Spiel gegen Viktoria Köln brach Tim Knipping in Tränen aus. © dpa
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Tim Knipping war beim Saisonfinale in Wiesbaden und der anschließenden Drittliga-Meisterkrönung nicht mit dabei. Dynamo Dresdens Innenverteidiger trauert um seinen Stiefvater, der den Kampf gegen das Coronavirus verloren hat.

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Dresden. Beim letzten Spiel der Saison in Wiesbaden fehlte er. Tim Knipping war nicht persönlich dabei, als seine Kameraden nach dem 1:0-Sieg über den SV Wehen Wiesbaden freudestrahlend den Meisterpokal der Dritten Liga in die Höhe reckten. Nur sein Trikot, das Kapitän Sebastian Mai bei der Meisterehrung falsch herum übergestreift hatte, damit jeder die Nummer 4 und Knippings Namen sehen konnte, erinnerte jeden Fan daran, dass ein ganz wichtiger Mann beim Saison-Halali fehlte. Doch Knipping hatte Gründe für sein Fernbleiben, obwohl er eigentlich ein echter Teamplayer ist und das über die gesamte Spielzeit auch jedem Dresdner Mitspieler und den Anhängern bewies: Sein Stiefvater war gerade an den Folgen einer Corona-Erkrankung gestorben, so reiste er kurz vor dem Spiel aus dem Teamhotel ab, um seiner trauernden Familie beizustehen.

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Was viele bislang nur ahnen konnten, das machte Knipping am Donnerstag auf der Dynamo-Homepage öffentlich, um Spekulationen zu beenden und um seinen Mitspielern für die moralische Unterstützung zu danken. Auf www.dynamo-dresden.de erklärte der Ex-Regensburger, der eigentlich aus Kassel stammt: “Ich hatte es zuvor ja bereits schon einmal angedeutet, dass wir einen Corona-Fall in der Familie hatten. Jetzt kann ich offen darüber sprechen, dass es meinen Stiefvater betroffen hat, mit dem ich sehr eng verbunden bin. Am Freitagabend habe ich dann aus dem Teamhotel in Wiesbaden versucht, wie jeden Tag meine Mutter Birgit anzurufen, die allerdings erst einmal nicht ans Telefon gegangen ist. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mir dann schon Gedanken gemacht. Als sie dann irgendwann zurückgerufen hat, hat sie mir leider mitteilen müssen, dass mein Stiefvater von uns gegangen ist. Kristian Walter (Kaderplaner, Chefscout und Assistent von Sport-Geschäftsführer Ralf Becker, Anm.d.R.) hat mich daraufhin umgehend nach Hause nach Kassel zu meiner Familie gefahren, weil ich in dieser schweren Stunde des Abschiednehmens natürlich bei meiner Mutter sein wollte.”

Knipping beschrieb eindrucksvoll, wie eng sein Verhältnis zu seinem Stiefvater war: “Er hatte einen unglaublich großen Stellenwert in meinem Leben. Familie bedeutet für mich alles, denn sie ist zusammen mit meinen Freunden mein Leben. Deshalb bin ich immer sehr emotional, wenn irgendetwas in der Familie ist. Mein Stiefvater ist zu meinem zweiten Vater geworden. Seit ich auf das Gymnasium gegangen bin, war er mit meiner Mutter zusammen. Wir haben viel Zeit zusammen verbracht, waren zusammen im Urlaub und haben viel erlebt. Und er war auch sehr oft im Stadion bei Spielen von mir. Von daher ist die Beziehung sehr intensiv gewesen und er hat mir als Mensch unglaublich viel bedeutet. Deshalb ist die jetzige Situation einfach nur brutal.”

"Aufzusteigen war immer ein Traum"

Der Abwehrspieler berichtete, wie er Kapitän Mai vor dem letzten Spiel eine Nachricht schickte, um seine Abreise zu begründen: “Ich habe in meiner Nachricht zum Ausdruck gebracht, dass ich stolz auf die Jungs und auf das bin, was bislang erreicht wurde und dass ich mir wünsche, dass sie sich, beziehungsweise wir uns, für diese Saison belohnen.” Sein Stiefvater habe Dynamo sehr die Daumen gedrückt, hätte sich riesig gefreut, das sportlich glückliche Saisonende für die Dresdner mitzuerleben, so Knipping.

Der Innenverteidiger, der nun nicht wie ursprünglich erhofft ausspannen und sich uneingeschränkt über den Erfolg mit Dynamo freuen kann, ordnet das mit der Mannschaft Erlebte dennoch ganz hoch in seiner Karriere ein: “Das ist das schönste Erlebnis und der größte Erfolg, den ich bisher in meiner Karriere erreicht habe. Aufzusteigen war schon immer ein Traum und das mit Dynamo Dresden zu erreichen, ist etwas ganz Besonderes. Schade, dass wir das mit den Fans nicht so teilen konnten, wie wir uns das alle erhofft und gewünscht haben. Was halt einfach wehtut ist, dass ich das persönlich aktuell natürlich nicht so genießen kann. Nichtsdestotrotz ist das sportlich für mich das schönste und größte Erlebnis, dass ich mit einer Mannschaft erreicht habe.” Dynamo sei für ihn “wie eine zweite Familie” geworden, so freue er sich auf ein baldiges Wiedersehen.