25. April 2022 / 19:52 Uhr

Dynamo Dresdens Torwart Kevin Broll: „Scheißegal-Mentalität hat uns gut getan“

Dynamo Dresdens Torwart Kevin Broll: „Scheißegal-Mentalität hat uns gut getan“

Caroline Grossmann und Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamo-Torwart Kevin Broll war im ersten Durchgang gegen Düsseldorf mit seinen Vorderleuten unzufrieden, musste zwei Mal hinter sich greifen.
Dynamo-Torwart Kevin Broll war im ersten Durchgang gegen Düsseldorf mit seinen Vorderleuten unzufrieden, musste zwei Mal hinter sich greifen. © Imago/Dennis Hetzschold
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Zur Halbzeitpause gegen Fortuna Düsseldorf geigten sich die Spieler der Schwarz-Gelben in der Kabine gehörig die Meinung. Das zahlte sich im zweiten Durchgang bereits aus – und soll noch weiter wirken.

Dresden. Dicke Luft herrschte am Freitagabend nach Abpfiff der ersten Halbzeit in den Katakomben des Düsseldorfer Stadions. Es wurde laut. Dynamo Dresden lag zur Pause 0:2 gegen die Fortunen zurück. Und das verdientermaßen, obwohl sich die Schwarz-Gelben so viel vorgenommen hatten. „In der Kabine haben die Jungs sich angeschrien, mit der Leistung war niemand einverstanden. Die Spieler haben gemerkt, nach dem Rückstand waren wir nicht in den Zweikämpfen, haben so viele Dinge missen lassen. Das war am Ende auch eine Ehrensache, dass wir das nicht so stehenlassen wollten“, berichtete Trainer Guerino Capretti.

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„Da müssen wir alle Mann genug sein“

Also flogen die Fetzen zwischen den Zweitliga-Profis – zwar nur verbal, aber dennoch deftig. Torwart Kevin Broll war nach den beiden Gegentoren natürlich auch angefressen und verfolgte aus nächster Nähe, wie sich die Feldspieler die Meinung geigten: „Die anderen Jungs haben ihren Job gemacht, ich war da ganz ruhig und habe mir das angehört. Das gehört dazu im Fußball. Emotionen müssen einfach raus, da muss auch mal der ein oder andere wachgerüttelt werden. Da müssen wir alle Mann genug sein, auch darüber zu stehen, wenn einer mal ein bisschen sauer wird“, sagte der 26-jährige Schlussmann.

DURCHSCROLLEN: Die Bilder zum 2:2-Unentschieden.

Die SG Dynamo Dresden kommt nach einem 0:2-Rückstand zurück und holt bei Fortuna Düsseldorf einen Punkt. Zur Galerie
Die SG Dynamo Dresden kommt nach einem 0:2-Rückstand zurück und holt bei Fortuna Düsseldorf einen Punkt. ©

Bereits beim letzten Abstieg vor zwei Jahren war Kevin Broll mit dabei und hat an die damalige Stimmung nicht gerade die positivsten Erinnerungen. „Hier herrscht noch ein bisschen was, hier will noch jeder, hier sind alle jung. Die Anderen waren schon ein bisschen älter, das war eine ganz, ganz andere Stimmung, viel Egoismus“, erzählte „Brollo“. „Trotzdem haben wir das noch bis zum Ende durchgebracht, leider hat es dann nicht gereicht. Hätten wir in der Saison damals die paar Unentschieden geholt, die wir jetzt geholt haben, hätte es vielleicht auch anders aussehen können. Aber wir sind noch guter Hoffnung. Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

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Trotz des 0:2 zur Pause hatte es schließlich auch gegen die Düsseldorfer noch zu einem Remis gereicht. „Mit dem 2:2 haben wir ein 70 Minuten lang schlechtes Spiel noch irgendwie über die Bühne bekommen. Das zeigt uns, dass wir, wenn wir vorne die Genauigkeit der letzten 20 Minuten beibehalten, auch zu Torchancen kommen und diese dann auch nutzen können“, erklärte der frühere Großaspacher und fordert nun: „Alles in allem müssen wir das in den nächsten drei Spielen auch 90 Minuten auf den Platz bringen, die Galligkeit der letzten 20 Minuten gegen Düsseldorf und die Passgenauigkeit, sodass auch Torchancen kreiert und genutzt werden können!“

Kevin Broll hat die Tabelle im Blick

Eine Forderung, die im Laufe der Rückrunde schon von manch anderen Spielern und Trainern kam. Denn die Konstanz ist und bleibt eines der großen Dynamo-Probleme. Dass es in dieser Saison bislang fast nie über die komplette Spielzeit gut lief, ist für Broll nicht nachvollziehbar. „Ich kann mir nicht erklären, woran es liegt. Da müssen wir jetzt einfach die Köpfe noch mal zusammenstecken, uns auf Regensburg vorbereiten, einen spielstarken und anlaufwütigen Gegner. Da muss man jetzt einfach alles andere ausblenden, was schiefgelaufen ist und was nicht. Der Fokus ist jetzt nur das Spiel und alles andere ist scheißegal“, macht er vorm Heimspiel gegen den Jahn am Sonnabend klar.

Denn natürlich hat Kevin Broll die Tabelle im Blick und weiß um die schwierige Situation, in der sich die SGD befindet. Denn wenn überhaupt, wird sie den Relegationsplatz wohl nur am letzten Spieltag verlassen können. „Man rechnet immer. Aber wie man weiß bin ich ja der große Mathematiker. Von daher zähle ich nur die Tore, die zu-Null-Spiele, wenn wir sie machen, und die drei Punkte. Das ist das, was man jetzt braucht“, sagt der gebürtige Mannheimer. „Wir wissen alle, was auf uns noch zukommen wird. Wir versuchen, jetzt von Spiel zu Spiel zu denken bzw. auf die nächsten drei Spiele, einfach den Fokus so darauf zu legen, dass wir alles oder nichts spielen!“

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Nach 14 sieglosen Spielen ist Dynamo nämlich nicht mehr einfach nur in Zugzwang, sondern längst in akuter Abstiegsgefahr. Und dass sich diese Gedanken zu sehr in den Köpfen der Spieler verfangen haben, war zuletzt in einigen Partien offensichtlich. Kevin Broll, dessen erst im Januar bis 2024 verlängerter Vertrag nur für die 2. Bundesliga gilt und im Abstiegsfall folglich auslaufen würde, hat festgestellt: „So eine Scheißegal-Mentalität wie in den letzten 20 Minuten gegen Düsseldorf hat uns gutgetan. Natürlich muss man aufpassen, dass wir hinten nicht Harakiri laufen, aber mit dieser Einstellung und diesem Mut nach vorne kann man eigentlich leben. Und so sollte es dann auch jedes Spiel aussehen.“ Wenn das das Ergebnis der dicken Luft vom Freitag ist, dann hat sie sich gelohnt