22. Oktober 2018 / 11:03 Uhr

Dynamo Dresdens Trainer Walpurgis ist unzufrieden

Dynamo Dresdens Trainer Walpurgis ist unzufrieden

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamo-Trainer Maik Walpurgis war mit der Leistung seiner Mannschaft unzufrieden.
Dynamo-Trainer Maik Walpurgis war mit der Leistung seiner Mannschaft unzufrieden. © Mike Worbs
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Dynamo-Trainer Maik Walpurgis hadert nach dem 1:1 gegen den FC Erzgebirge Aue mit Heimschwäche und Überzahlspiel.

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Dresden. Groß war die Euphorie nach der Neuverpflichtung von Maik Walpurgis als Dynamo-Trainer im September. Drei der ersten vier Pflichtspiele unter seiner Ägide gewannen die Schwarz-Gelben, selbst bei der Niederlage gegen den Hamburger SV machten sie eine gute Figur. Die jüngeren Ergebnisse in der 2. Bundesliga sind aber weniger befriedigend: erst die Heimpleite gegen Greuther Fürth durch ein spätes Gegentor, dann das 2:2-Remis beim 1. FC Magdeburg mit dem Ausgleich der Hausherren kurz vor Schluss. Und am Freitagabend folgte dann ein mageres 1:1 beim Sachsenderby an der Lennéstraße gegen Erzgebirge Aue – trotz fast einer kompletten zweiten Halbzeit in Überzahl.

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Dynamo Dresden - Erzgebirge Aue (1:1) Zur Galerie
Dynamo Dresden - Erzgebirge Aue (1:1) ©

Dabei müsste Dynamo Dresden daheim eigentlich eine Macht sein, begrüßt im Rudolf-Harbig-Stadion durchschnittlich mehr als 28 500 Fans – nach dem HSV, Köln und St. Pauli aktuell Platz vier in der Zuschauertabelle im deutschen Fußball-Unterhaus. Selbst in der Bundesliga wäre das nicht mal ein „Abstiegsplatz“. Und die Fans geben auch alles, machten auch gegen die „Veilchen“ wieder eine prima Stimmung. Dennoch kann Dynamo seinen Standortvorteil nicht in Tore ummünzen. Die Sache ist nicht neu, beschäftigte in der Vorsaison schon den im August beurlaubten Walpurgis-Vorgänger Uwe Neuhaus, der in dieser Spielzeit wenigstens „sein“ einziges Heimspiel zum Auftakt gegen den MSV Duisburg mit 1:0 gewann.

Nun will der neue Trainer das Problem aber endlich lösen: „Für mich ist es unverständlich, dass die Mannschaft im letzten Jahr in der Heimtabelle auf dem letzten Platz steht. Wir müssen da irgendwo unsere unterbewussten Prozesse aus der Vergangenheit ablegen. Wir spielen hier in einem fantastischen Stadion mit fantastischen Fans, die uns alle großartig unterstützen, und wir schaffen es noch nicht, unsere Leistung auf den Platz zu bringen“, ärgert sich Maik Walpurgis, der bei Heimspielen „viel, viel mehr Potenzial“ sehe. Auch unter dem 45-Jährigen hat die SGD gegen Aue nurmehr den vierten von zwölf möglichen Heimpunkten ergattert. Einzig gegen Darmstadt gab es einen Sieg vorm eigenen Publikum – und der liegt schon wieder einen Monat zurück.

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Sören Gonther (SG Dynamo Dresden): In der ersten halben Stunde ist ein bisschen zu viel schiefgelaufen. Da haben wir ein bisschen zu viel von dem, was wir uns eigentlich vorgenommen haben, nicht gemacht. Wir waren immer einen Schritt zu langsam im Kopf, waren bei eigenem Ballbesitz ein bisschen zu ängstlich. Aber ich glaube, dafür war es umso wichtiger, dass wir nach dem Gegentor direkt den Ausgleich machen. Von da an waren wir auch bis zur Halbzeit besser im Spiel. Zur Galerie
Sören Gonther (SG Dynamo Dresden): "In der ersten halben Stunde ist ein bisschen zu viel schiefgelaufen. Da haben wir ein bisschen zu viel von dem, was wir uns eigentlich vorgenommen haben, nicht gemacht. Wir waren immer einen Schritt zu langsam im Kopf, waren bei eigenem Ballbesitz ein bisschen zu ängstlich. Aber ich glaube, dafür war es umso wichtiger, dass wir nach dem Gegentor direkt den Ausgleich machen. Von da an waren wir auch bis zur Halbzeit besser im Spiel." ©

Motiviert seien seine Spieler vorm Sachsenderby natürlich gewesen. Umso weniger kann er sich aber den uninspirierten Auftritt gegen die Auer in den ersten 25 Spielminuten erklären. „Das hat sich nicht mit dem gedeckt, was ich im Training gesehen habe. Die Jungs sind heiß, aber wir kanalisieren es noch nicht richtig“, schätzte Walpurgis nach der Partie ein und kündigte eine Aufarbeitung an. „Wir haben dumm und naiv gespielt. Ohne Ball kann man keine Tore schießen. Was Aue mit uns in unserem eigenen Stadion gemacht hat, ist nicht in Ordnung gewesen“, war auch Philip Heise alles andere als angetan von der Leistung.

Auch nach der zweiten Halbzeit – Aues Nicolai Rapp war in der 53. Minute nach wiederholtem Foulspiel vom Platz geflogen und Dynamo damit ein Mann mehr – gibt es für Walpurgis Gesprächsbedarf. „Wenn wir 35 Minuten in Überzahl sind, erwarte ich einen Tick mehr von uns.“ Das gelte besonders fürs Positionsspiel und die Dreiecksbewegung, durch die man den Gegner mehr unter Druck setzen und sich mehr Torchancen herausspielen müsse. Zwar hatte die SGD ein Chancenplus, Zählbares sprang unter anderem bei den Möglichkeiten von Rico Benatelli und Aias Aosman sowie Freistößen von Philip Heise und Brian Hamalainen nicht heraus. Aue verteidigte massiv, Dynamo fehlte dagegen allerdings die notwendige Ruhe.

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(1) Markus Schubert: Kann einen Distanzschuss von Hochscheidt in der 12. Minute gut parieren. Bei Standards, Hereingaben und Abschlüssen, welche die Auer im ersten Abschnitt vor allem aus der Distanz suchen, souverän. Bei der Führung für die Gäste in der 24. Spielminute durch Philipp Riese (glücklich an den Innenpfosten) chancenlos. Steht in der 37. Minute gefährlich weit vorm eigenen Tor, kann den Ball jedoch sicher an der Strafraumgrenze klären. Zeigt in der 44. Minute bei Hochscheidts Schuss nach Vorlage von Testroet eine gute Fußabwehr. Note 2 Zur Galerie
(1) Markus Schubert: Kann einen Distanzschuss von Hochscheidt in der 12. Minute gut parieren. Bei Standards, Hereingaben und Abschlüssen, welche die Auer im ersten Abschnitt vor allem aus der Distanz suchen, souverän. Bei der Führung für die Gäste in der 24. Spielminute durch Philipp Riese (glücklich an den Innenpfosten) chancenlos. Steht in der 37. Minute gefährlich weit vorm eigenen Tor, kann den Ball jedoch sicher an der Strafraumgrenze klären. Zeigt in der 44. Minute bei Hochscheidts Schuss nach Vorlage von Testroet eine gute Fußabwehr. Note 2 ©

Einen Rückschritt in der Entwicklung der Dynamo-Mannschaft sieht Maik Walpurgis aber nicht, auch wenn er mit der Leistung gegen die „Veilchen“ gar nicht zufrieden war. Allerdings hätten mit dem verletzten Marco Hartmann, den Sören Gonther als Kapitän und Abwehrchef gut vertrat, und dem gelbgesperrten Patrick Ebert zwei Führungsspieler gefehlt.

Trotzdem hatte sich der Trainer eine größere Ausbeute bei den Ostduellen erwartet: „Wir hätten sicherlich aus den beiden Derbys mehr Punkte mitnehmen müssen, als wir jetzt mit den zwei Punkten haben. Gerade das Magdeburgspiel wirkt natürlich dann schon noch nach, wenn man dann in der Nachspielzeit den Elfmeter bekommt und dann verschießt“, so Maik Walpurgis. Dadurch fehlten nun Punkte, die man sich „irgendwie zurückholen“ müsse. Am Sonntag gastiert die SGD beim 1. FC Union. „Das ist eine Mannschaft, die sicherlich zu den absoluten Topteams der Liga gehört, das ist auch ein gefühltes Derby. Da werden wir und sehr konzentriert darauf vorbereiten“, kündigt Walpurgis an. „Und warum sollen wir nicht auch in Berlin gewinnen können?“