03. Dezember 2019 / 07:52 Uhr

Dynamo Dresdens Trennung von Cristian Fiel: Das Ende eines Experiments 

Dynamo Dresdens Trennung von Cristian Fiel: Das Ende eines Experiments 

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Cristian Fiel wirkte zuletzt immer ratloser.
Cristian Fiel wirkte zuletzt immer ratloser. © dpa
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Cristian Fiel war der Hoffnungsträger bei Dynamo Dresden. Nun mussten sich die Verantwortlichen um Ralf Minge ein Scheitern eingestehen. Auch der Sportdirektor selbst rückt nun einmal mehr in den Fokus der Kritik.

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Dresden. Die Vorzeichen verhießen nichts Gutes, allenfalls eine Ruhe vor dem Sturm. Schweigen im Walde herrschte am Montag bei Dynamo Dresden, bis der Verein um 18 Uhr die Bombe platzen ließ: Cristian Fiel ist nicht mehr der Cheftrainer der Schwarz-Gelben. Zwei Tage lang hatten Geschäftsführung, Gremien und Fiel selbst nach dem schwachen Auftritt bei der 1:2-Heimniederlage gegen Holstein Kiel und dem damit verbundenen Absturz des Fußball-Zweitligisten ans Tabellenende intensive Gespräche geführt. Man rang um eine Entscheidung, die sich sicher keiner zu leicht gemacht hat.

Trainertalent verbrannt?

Letztlich mussten sich die Verantwortlichen dabei das Scheitern eines Experiments eingestehen. Sie zogen die Konsequenzen aus einer wochenlangen Misere mit zuletzt sieben Niederlagen aus acht Punktspielen. Auch Co-Trainer Patrick Mölzl wurde von seinen Aufgaben entbunden. Der 39-jährige Fiel hatte seinen nur einige Monate jüngeren Assistenten vor einem Jahr beim Lehrgang zum Fußball-Lehrer kennengelernt. Fiel, der seit 2015 von Sport-Geschäftsführer Ralf Minge aufgebaut worden war und Dynamos U17 in der Junioren-Bundesliga trainiert hatte, brachte Mölzl schließlich mit zur SGD, als beide ihre Lizenz in der Tasche hatten – und nach der Entlassung von Maik Walpurgis im Februar direkt ins kalte Wasser geworfen wurden.

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1. Juli 1986 bis 3. April 1990: Eduard Geyer Zur Galerie
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Nun sieht sich Minge Vorwürfen ausgesetzt, das hoffungsvolle Trainertalent Fiel – immerhin eines der wenigen Vereinsidole der Nachwendezeit – verbrannt zu haben. In dem Haifischbecken 2. Bundesliga schwamm das Trainernovizenduo zwar zunächst gut mit und schaffte mit seinen Schützlingen den Klassenerhalt; im vergangenen Sommer leitete es erstmals eigenverantwortlich die Saisonvorbereitung einer Profi-Mannschaft. Doch die kam bislang einfach nicht richtig in Tritt. Magere zwölf Punkte stehen neun Niederlagen aus bislang 15 Punktspielen gegenüber – für den Klassenerhalt, der mittlerweile als einziges verbliebenes Saisonziel angestrebt wird, ist das viel zu wenig. Insgesamt gab es in 28 Partien während der Ära Fiel nur 1,1 Zähler pro Spiel.

Kader zu dünn besetzt

Erst auf der Mitgliederversammlung vor reichlich zwei Wochen hatte Ralf Minge eingeräumt, für die sportliche Talfahrt mitverantwortlich zu sein. Denn als im Sommer das Transferfenster geöffnet war, habe er sich mit Neuverpflichtungen zu sehr zurückgehalten. In der Winterpause stehen Dynamo dann mindestens 1,7 Millionen Euro für neue Spieler zur Verfügung. Für Cristian Fiel, der die Schwarz-Gelben im Januar eigentlich im Trainingslager in seiner zweiten Heimat Spanien betreuen sollte, kommt das zu spät.

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Er musste mit einem qualitativ und quantitativ zu dünn besetzten Kader operieren, der seine Idee vom Fußball nicht umsetzen konnte. Dies äußerte sich zum Beispiel dadurch, dass im von ihm geforderten riskanten Spielaufbau immer wieder folgenschwere Fehler unterliefen. Auch das Fehlen eines vierten Angreifers machte sich bemerkbar, als Fiel während des mehrwöchigen verletzungsbedingten Ausfalls von Alexander Jeremejeff auf Ein-Mann-Sturm umstellen musste, um mit dem jungen Luka Stor wenigstens eine Alternative zu Moussa Koné auf der Wechselbank zu haben. Und Chris Löwe und René Klingenburg als wichtige Neuverpflichtungen überzeugten insgesamt nicht.

Was wird aus Minge?

Das ist Publikumsliebling Fiel kaum allein anzukreiden. Um einen Impuls zu setzen, musste der einstige Dynamo-Kapitän jedoch seinen Hut nehmen. Zum Abschied wurde er noch einmal emotional: „Ich wünsche der Mannschaft, den Fans und dem gesamten Verein von Herzen, dass der Klassenhalt in dieser Saison erreicht wird. Ich bin als Spieler und Trainer fast zehn Jahre in diesem besonderen Verein und hatte eine wundervolle Zeit, die mir viel bedeutet. Ich bin vielen Menschen unheimlich dankbar, die mich in all der Zeit unterstützt und mir viel Zuneigung entgegengebracht haben.“

In Kürze will der Verein einen Interimstrainer präsentieren. Am Dienstag beginnt die Vorbereitung aufs Spiel gegen Sandhausen am Sonntag. Parallel dazu läuft die Suche nach Fiels Nachfolger, auf den eine Mammutaufgabe wartet. Denn im Unternehmen Klassenerhalt muss Dynamo ab jetzt mehr als jedes zweite Spiel gewinnen, sonst droht der Sturz in die 3. Liga. Das ist auch Minge bewusst, der die Spieler nun richtig an die Kandare nimmt: „Unsere Mannschaft steht mehr denn je in der Verantwortung, die sportliche Trendwende zu erreichen. Wir haben im Jahr 2019 noch drei Endspiele, in denen wir alles investieren müssen, um Punkte zu holen“, sagte Minge. Wie sich der Sport-Geschäftsführer aus der Affäre ziehen kann, muss sich aber noch zeigen. Denn schließlich hatte er Fiel protegiert und seine eigene Zukunft an den Hoffnungsträger geknüpft. Möglicherweise ist der Sturm also noch nicht vorbei.

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