29. Oktober 2020 / 07:19 Uhr

Dynamo Dresdens Yannick Stark: "Eine Mannschaft ist ein diffiziles Gebilde"

Dynamo Dresdens Yannick Stark: "Eine Mannschaft ist ein diffiziles Gebilde"

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Yannick Stark traf gleich im ersten Pflichtspiel für Dynamo: Im DFB-Pokal schoss er das 2:0 beim 4:1-Sieg gegen den HSV. Der 30-Jährige zählte auf Anhieb zu den Führungsspielern.
Yannick Stark traf gleich im ersten Pflichtspiel für Dynamo: Im DFB-Pokal schoss er das 2:0 beim 4:1-Sieg gegen den HSV. Der 30-Jährige zählte auf Anhieb zu den Führungsspielern. © imago images/Picture Point L.E.
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Yannick Stark war im vergangenen Sommer aus Darmstadt nach Dresden gewechselt. Am MIttwoch wurde der einsatzstarke Mittelfeldspieler 30 Jahre alt. Ein guter Grund für Jochen Leimert, mit dem gebürtigen Hessen über die aktuelle Lage bei Dynamo, Kulinarisches, seine Familie, seine sportliche Entwicklung und seine Beziehung zum früheren Nationalspieler Torsten Frings zu sprechen.

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Dresden. Am Mittwoch wurde Yannick Stark 30 Jahre alt. Groß gefeiert hat Dynamos Sommer-Neuzugang aus Darmstadt seinen runden Geburtstag aus Termingründen und wegen der Corona-Pandemie nicht. Am Wochenende bekommt er privat immerhin Besuch aus der Heimat, doch auch dienstlich trifft er alte Bekannte wieder, wenn er am Sonnabend (14 Uhr) mit den Schwarz-Gelben gegen den SV Meppen spielt. Im SPORTBUZZER-Interview erinnert sich Stark unter anderem an gemeinsame Zeiten mit Torsten Frings, verrät, welchen Meppener Profi er schon seit Kindertagen kennt und was er für ein Spiel gegen die Emsländer erwartet.

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Glückwunsch zum runden Geburtstag! Hat denn die Mannschaft für Sie gesungen?
Ja, ich habe ein Ständchen vom Team und den Trainern bekommen.

Und auch einen Frankfurter Kranz?
Es stand ein Kuchen auf dem Platz, aber kein Frankfurter Kranz.

Was wünschen Sie sich für das kommende Jahr?
Darüber habe ich mir nicht allzu viele Gedanken gemacht. Das Übliche natürlich: Gesundheit, sportlichen Erfolg, dass es der Familie gutgeht.

Können Sie den „Runden“ überhaupt ein bisschen feiern? Der Zeitpunkt ist nicht gerade ideal...
Ich werde heute nur ein paar Telefonate führen, Nachrichten beantworten. Am Wochenende kommt meine Schwester mit ihrem Mann und meiner Nichte vorbei. Da werden wir vielleicht in kleinem Kreis mal was essen. Was Größeres ist nicht geplant, wäre auch nicht möglich im Moment.

Ihr Wunsch für das nächste Spiel dürfte klar sein. Wie optimistisch sind Sie, dass es mit dem erhofften Heimsieg gegen Meppen klappt?
Ich bin grundsätzlich eigentlich immer optimistisch, gehe nie mit einem schlechten Gefühl in ein Spiel rein. Ich glaube, in Ingolstadt haben wir in Unterzahl schon ein recht ordentliches Spiel gemacht. Wir wollen das nächste gewinnen, bereiten uns gut vor und drehen an den richtigen Stellschrauben.

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Zweite Niederlage in Serie: Die SG Dynamo Dresden verlor beim FC Ingolstadt mit 0:1. Zur Galerie
Zweite Niederlage in Serie: Die SG Dynamo Dresden verlor beim FC Ingolstadt mit 0:1. ©

Wie stark schätzt Stark die Emsländer aktuell ein?
Das ist eine typische Drittliga-Mannschaft, das wird wieder eine unangenehme Aufgabe. Ein guter Freund von mir spielt dort, Trainer Torsten Frings kenne ich. Mit Valdet Rama habe ich bei 1860 München noch zusammengespielt. Das sind Jungs, die kicken können. Das wird ein hartes Stück Arbeit.

Wer ist der gute Kumpel?
Hassan Amin. Wir sind auf eine Schule gegangen, im selben Stadtteil in Darmstadt aufgewachsen, haben zusammengespielt. Den kenne ich schon sehr, sehr lange. Nach wie vor pflegen wir eine sehr gute Freundschaft.

Können Sie schon die Handschrift von Frings, eines Ihrer Coaches in Darmstadt, bei den Meppenern erkennen?
Ich muss gestehen, dass ich bis jetzt nur Zusammenschnitte aus den Meppener Spielen gesehen habe. Die Gegneranalyse steht noch auf dem Programm, deswegen kann ich noch nicht allzu viel darüber sagen. Ich denke aber, Torsten Frings wird seine Philosophie vom Fußball nicht umgestellt haben.

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Können Sie die etwas beschreiben?
So wie ich ihn kennen gelernt habe, wollte er immer aktiven Fußball spielen lassen, auf Ballbesitz ausgerichtet. Wir haben viele Tore geschossen, ab und zu hat dann aber ein bisschen die Balance nach hinten gefehlt, aber grundsätzlich ist sein Ansatz, mit Ball aktiv zu sein. Er sucht das Heil eher in der Offensive.

Meppen hat sogar vier Tore mehr bislang geschossen als Dynamo. Wie kommt das? Das hätte man vor der Saison eher andersherum erwartet, dem Aufstiegsfavoriten zugetraut…
Das war blauäugig, dass einige Medien Dresden zum absoluten Aufstiegsfavoriten erklärt haben. Na klar haben wir teilweise namhafte Neuzugänge mit Erfahrung aus höheren Ligen und sehr ambitionierte junge Spieler, aber das sind Sachen, die sich erst einmal zusammenfinden müssen. Das kann dauern. Ich glaube, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben, aber trotzdem muss vieles passen. Mir war schon klar, dass es nicht so kommen wird, dass wir im März schon aufgestiegen sind, weil wir die Liga so dominieren. Rückschläge wie den gegen Zwickau müssen wir schnell verdauen, es jetzt besser machen.

Wie eine Mannschaft funktioniert, zeigt sich oft erst in schwierigen Situationen. Wie ist Ihr aktueller Eindruck vom Mannschaftsklima und wie nehmen Sie als erfahrener Führungsspieler darauf Einfluss?
Jeder ist kritisch genug, keiner war nach den letzten zwei Spielen happy und hat gesagt: Es läuft alles super. Wir haben schon einen gut zusammengestellten Kader, wo jeder weiß, welche seine Aufgaben sind und jeder zuerst selbst mit sich unzufrieden ist, wenn es nicht läuft. Ich versuche als Spieler, der schon ein bisschen was erlebt hat, Einfluss zu nehmen, mit den jüngeren Spielern zu sprechen und ihnen Tipps zu geben. Dass die gleich im nächsten Spiel greifen, darf man aber auch nicht erwarten, das muss wachsen. Eine Mannschaft ist ein diffiziles Gebilde, da muss vieles passen und da arbeiten wir dran.

Yannick Stark erhält im Herbst 2017 in  Darmstadt Anweisungen von seinem damaligen Trainer Torsten Frings.
Yannick Stark erhält im Herbst 2017 in Darmstadt Anweisungen von seinem damaligen Trainer Torsten Frings. © imago/Jan Huebner

Gegen den HSV hat am Anfang alles gepasst. Hat das 4:1 im Pokal im Nachhinein die Messlatte für Dynamo zu hoch gelegt?
Schwer zu sagen, ob das eine Bürde war. In dem Spiel hat wirklich alles gepasst: Wir waren heiß, das Publikum war da, für viele aus der Mannschaft war es das erste Heimspiel im neuen Stadion. Klar hat da jeder gebrannt, aber Kleinigkeiten, das Spielglück waren damals auch auf unserer Seite. Der HSV hat seine Tore zu kritischen Zeitpunkten nicht gemacht, wir gleich am Anfang zwei und dann eines kurz nach der Halbzeit. Gegen Ingolstadt war das Spielglück leider nicht auf unserer Seite, auch gegen Zwickau nicht, obwohl wir da alle nicht gut waren. Da haben wir ein blödes Gegentor direkt bekommen, nachdem wir in Führung gegangen sind. Die Verletzung von Chris Löwe war auch ungünstig.

Haben Sie überhaupt schon mal gegen Meppen gespielt?
Nein, bis jetzt noch nicht.

Nochmals zurück zu Frings, der wie Sie als Aktiver im defensiven Mittelfeld zu Hause war: Haben Sie ihn als Profi noch in Erinnerung und sich vielleicht auch im Training noch was abschauen können?
Klar habe ich ihn als Spieler noch im Kopf. Er war nicht umsonst eine Stütze in der Nationalmannschaft, hat in der Champions League gespielt, bei Bayern München, Borussia Dortmund und Werder Bremen. Er war ein sehr, sehr guter Fußballer. Als Trainer hat er zu mir und auch allgemein zu seinen Spielern immer einen guten Draht gehabt. Es hat unheimlich Spaß gemacht, unter ihm zu arbeiten. Ich glaube, dass ich auch einiges gelernt habe in der knappen Zeit miteinander, es war ja nur ein halbes Jahr. Man hat im Training noch gesehen, dass er ein sehr guter Kicker war, wenn es ab und zu bei ihm auch gejuckt hat, wir vier gegen vier oder fünf gegen fünf gespielt haben. Obwohl sein Fitnesslevel nicht mehr das beste war, konnte er da mit seiner Technik, seiner Erfahrung mitspielen.

Er ist also ein nahbarer, für seine Spieler berechenbarer Trainer?
Ja, ein ehrlicher Typ. Er lässt in keiner Weise heraushängen, dass er mal ein Weltklassespieler war. Er geht auf die Spieler zu, ist ein Kumpeltyp. Es war ein angenehmes Arbeiten und hat allen wehgetan, dass wir als Mannschaft das Ruder nicht herumreißen konnten, obwohl das jeder wollte, jeder weiter mit ihm zu arbeiten beabsichtigte. Jeder hat sich dafür verantwortlich gefühlt, als er seinen Platz in Darmstadt räumen musste – und es war kein gutes Gefühl.

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Die SG Dynamo Dresden verliert das freundschaftliche Derby gegen den FSV Zwickau mit 1:2. Zur Galerie
Die SG Dynamo Dresden verliert das freundschaftliche Derby gegen den FSV Zwickau mit 1:2. ©

Er hat Sie 2017 wieder in die Mannschaft geholt, als Sie von einer Leihe zurück zu den Lilien kamen, oder?
Genau, mich hat keiner mehr großartig auf der Rechnung gehabt, aber er hat mich schon im Sommerurlaub angerufen und mir gesagt, dass er sich auf mich freut, ich Gas geben soll und das honoriert wird. Und so war es dann tatsächlich auch, das waren keine leeren Worte. Dass er mir den Wiedereinstieg in der 2. Liga ermöglicht hat, dafür bin ich ihm bis heute dankbar. Er hat mir vertraut, ich habe das erste Spiel von Anfang an machen können.

Glauben Sie, dass das fehlende Coaching von ihm an der Seitenlinie am Sonnabend ein großer Nachteil für Meppen sein wird? Im fast leeren Stadion wäre er ohne Innenraumverbot gut zu hören gewesen...
Ich glaube schon. Ich weiß nicht, ob sein Co-Trainer die Rolle ausfüllen kann. Es ist kein tolles Gefühl, wenn der Cheftrainer fehlt. Gerade er hat immer gute Ansprachen gehalten, war sehr motivierend, engagiert an der Seitenlinie. Dass er fehlt, dürfte ein Nachteil sein, aber wir sollten uns nicht damit beschäftigen.

Jetzt sind Sie schon einige Monate in Dresden. Wie kommt ein eingefleischter Hesse in Sachsen klar? Haben Sie schon ein paar landestypische Vokabeln gelernt?
Ich komme immer besser mit dem Dialekt zurecht, aber gelernt habe ich noch nichts groß. Ich habe eine schöne Wohnung gefunden, bin im Verein sehr gut aufgenommen worden. Unmittelbar in der Nachbarschaft wohnen noch ein paar andere Jungs aus der Mannschaft, mit denen ich viel unternehme. Ich fühle mich wohl, nur das Sportliche war leider noch etwas zu schwankend. Wir hatten sehr gute, leider auch schwache Spiele. Da müssen wir mehr Konstanz reinbekommen – in positiver Hinsicht natürlich. Klappt das, dann war das für mich absolut der richtige Schritt.

Und jetzt am Wochenende bringt die Schwester auch noch Äppelwoi und Haddekuche aus der Heimat mit?
So traditionelle Dinge sind nicht so wirklich meins, dass sie mir hier fehlen. Es reicht, wenn meine Lieben kommen und mir ein bisschen Gesellschaft leisten. Wir haben uns lange nicht gesehen. Das kann ein schönes Wochenende werden, ich werde ihnen ein paar Sachen in Dresden näherbringen und zeigen.