07. Dezember 2019 / 08:33 Uhr

Dynamo-Idol Peter Kotte feiert seinen 65. Geburtstag

Dynamo-Idol Peter Kotte feiert seinen 65. Geburtstag

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Kraftvoll, dynamisch, torgefährlich: SGD-Sturmtank Peter Kotte beim 1:0-Auswärtssieg der Dresdner am 29. August 1979 in Zwickau.
Kraftvoll, dynamisch, torgefährlich: SGD-Sturmtank Peter Kotte beim 1:0-Auswärtssieg der Dresdner am 29. August 1979 in Zwickau. © Frank Kruczynski
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Der einstige Stürmerstar der Schwarz-Gelben feiert am Sonntag seinen Ehrentag in Familie. Der Jubilar schaut das Sandhausen-Spiel am Fernseher und wünscht sich einen 3:1-Erfolg. 

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Dresden. Am 24. Januar 1981 sollte Peter Kotte eigentlich mit der DDR-Auswahl von Berlin aus nach Argentinien fliegen, doch in Buenos Aires kam er nie an: Der kernige Mittelstürmer von Dynamo Dresden verschwand urplötzlich von der Bildfläche. Die Stasi unterstellte dem frischgebackenen Familienvater, er plane „Republikflucht“ und beendete die steile Karriere des 21-maligen Nationalspielers von einem Tag auf den anderen.

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20. September 1967 - erstes Europapokalspiel der SG Dynamo Dresden gegen die Glasgow Rangers. Austragungsort war das Steyer-Stadion. (@ Archiv Dresdner Fußball-Museum) Zur Galerie
20. September 1967 - erstes Europapokalspiel der SG Dynamo Dresden gegen die Glasgow Rangers. Austragungsort war das Steyer-Stadion. (@ Archiv Dresdner Fußball-Museum) ©

Dabei wollte Kotte nie weg aus Dresden – und er ist auch bis heute in Elbflorenz geblieben. An diesem Sonntag weilt der einstige Torjäger allerdings mal nicht zu Hause, auch nicht im Stadion, denn er feiert mit der Familie seinen 65. Geburtstag – „auswärts, ganz gemütlich, ganz in Ruhe“, wie der Jubilar verrät.

Das MfS beendet seine hoffnungsvolle Karriere

Mit der Ruhe war es an jenem kalten Wintertag 1981 freilich vorbei, als MfS-Mitarbeiter den Auswahlspieler und dessen Dresdner Kameraden Matthias Müller und Gerd Weber vorm Frühstück im Hotel abfingen und nach Dresden zurückbrachten, um sie tagelang zu verhören. Dass sich bald herausstellte, dass nur Weber wirklich Fluchtgedanken gehegt hatte, wenngleich er sie in Südamerika noch nicht umsetzen wollte, half Kotte und Müller nicht. Beide wurden wie der Olympiasieger von 1976 lebenslang für die DDR-Oberliga gesperrt, weil sie von Webers Gedanken hinsichtlich eines Wechsels zum 1. FC Köln gewusst hatten.

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Kotte durfte nun nur noch in der Bezirksliga kicken, auch nicht in die DDR-Liga aufrücken, als sein neuer Verein Fortschritt Neustadt dank seiner Hilfe den Aufstieg schaffte. Die Stasi retuschierte ihn sogar aus dem Mannschaftsfoto heraus, das im „Sportecho“ abgedruckt wurde. Ein Unschuldiger, einst als dreifacher DDR-Meister, Pokalsieger und Europapokal-Held verehrt, wurde einmal mehr zum „Sportverräter“ abgestempelt. Als sich Kotte im Herbst 1984 schwer verletzte, 18 Monate krank geschrieben war und mit nicht einmal 30 Jahren, aber einem steifen Knöchel den Fußball endgültig aufgeben musste, traf ihn der nächste Schicksalsschlag.

Jubilar wünscht sich 3:1-Erfolg seiner Dynamos

Nach der Wende war Kotte, der aus Lötzschen bei Großenhain stammt und 1973 von Dynamos Meistertrainer Walter Fritzsch aus Riesa nach Dresden geholt worden war, zeitweise arbeitslos. Ex-OB Ingolf Roßberg verhalf dem inzwischen rehabilitierten Stasi-Opfer 2003 zu einem Job als Hallenwart in der DSC-Trainingshalle, den Kotte bis vor zwei Jahren ausübte. „Es war schön, wieder Kontakt mit Sportlern zu haben“, denkt der Ex-Kicker gern an die Jahre im Ostragehege zurück. Gesundheitlich geht es ihm heute nach eigener Aussage gut, „ich habe bloß große Probleme mit dem rechten Knie. Vielleicht geht es operativ noch einmal zu machen oder es muss ein neues Gelenk her“, berichtet er.

Außer etwas Schmerzlinderung beim Laufen wünscht sich der Rentner an seinem 65. aber noch etwas anderes: einen Dynamo-Sieg gegen Sandhausen. Das Spiel will er trotz der Familienfeier am Fernseher verfolgen. Sein Tipp lautet: 3:1. Kottes Hoffnungen ruhen auf Interimscoach Heiko Scholz: „Ich denke, neue Besen kehren immer gut. Die Spieler sind jetzt auch in der Pflicht, Leistung zu zeigen und sich den Arsch aufzureißen.“