02. Juni 2017 / 10:07 Uhr

Dynamo nach Karlsruhe: „Über das Thema wird weder heute noch morgen entschieden“

Dynamo nach Karlsruhe: „Über das Thema wird weder heute noch morgen entschieden“

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Michael Born (Dynamo Dresden)
Michael Born ist seit Juni 2016 Kaufmännischer Geschäftsführer von Dynamo Dresden. © Imago
Anzeige

Der Geschäftsführer der Schwarz-Gelben, Michael Born,  rechnet nicht mit einem baldigen Urteil zum von Dresdner Fans verursachten Skandal von Karlsruhe .

Dresden. Urlaub hat er bisher keinen geplant, an Arbeit mangelt es Michael Born (49) auch nicht. Der Kaufmännische Geschäftsführer von Dynamo Dresden ist noch voll damit beschäftigt, den Schaden abzumildern, den aggressive Teile der Fanszene in Karlsruhe mit ihrer Kriegserklärung an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) angerichtet haben. Im Interview äußert er sich zu den laufenden Gesprächen mit dem DFB, betont die Notwendigkeit des Dialogs zwischen Verbänden, Vereinen, Politik und Fans und gibt Auskunft über die Besetzung von zwei hauptamtlichen Stellen in der Fanbetreuung und im Bereich Organisation.

Anzeige

Frage: Wann haben Sie das letzte Mal Kontakt mit dem DFB gehabt?

Born: Wir haben regelmäßig Kontakt. Wir haben jetzt auch noch einmal eine Fristverlängerung bekommen, was unsere Stellungnahme zu den Geschehnissen in Karlsruhe betrifft. Über das Thema wird also weder heute noch morgen entschieden.

Anzeige

Bis wann haben Sie jetzt Zeit bekommen und wie umfangreich wird diese Stellungnahme sein?

Die neue Frist wird noch gesetzt. Die Stellungnahme wird umfassend sein und alle relevanten Gesichtspunkte enthalten. Entscheidend ist der Inhalt, nicht die Länge.

Welchen Eindruck hat, Ihrer Meinung nach, Dynamos Maßnahmenkatalog beim DFB gemacht?

Wir haben ihn ja bereits vorm DFB-Präsidium weitgehend vorgestellt. Dort wurden die Maßnahmen durchaus positiv aufgenommen, zumindest war das unser Gefühl. Man hat aber auch gemerkt, dass es natürlich weiterer Gespräche bedarf. Unsere Vorschläge, die die Lizenzierung betreffen (u.a. von Dynamo angeregte einheitliche Sicherheitsstandards/d. Red.) können nicht so schnell geklärt werden, da sie auch einer rechtlichen Betrachtung bedürfen.

DFB-Vize Rainer Koch hatte sich vor dem letzten Spiel ein klares Zeichen des Dresdner Publikums gewünscht, mit dem es sich von Vorfällen wie in Karlsruhe distanziert. Dann wurde Präsident Andreas Ritter, der sie verurteilte, ausgepfiffen. Haben Sie seither mit Koch noch einmal zu tun gehabt? Wie kam das bei ihm an?

Diese Reaktionen haben uns auch nicht erfreut, aber es war wichtig, dass wir als Verein in diesem Rahmen ein deutliches Zeichen setzen. Das haben wir getan, Andreas Ritter hat unsere Botschaft auch noch einmal auf der Pressekonferenz am Montag nach dem Spiel wiederholt. Alle Beteiligten sollten sich darum bemühen, dass trotz aller Emotionen Sachlichkeit und Vernunft einziehen. Es bringt nichts, wenn – wie diese Woche geschehen – der Münchner Polizeipräsident Blocksperren und Geisterspiele fordert. Das hatten wir alles schon. Wir dürfen uns nicht gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben, sondern müssen in den Dialog kommen.


Dynamo-Fans in Karlsruhe Ausschreitungen
Die Dynamo-Fans in Karlsruhe. © Archiv

Welche Reaktionen sind denn aus der Dresdner Ultra-Szene an Sie herangetragen worden?

Man darf das nicht verallgemeinern: D i e Dresdner Ultras gibt es nicht. Die aktive Fanszene hat keinen Vorsitzenden, der für alle spricht. Es gibt nicht wenige Ultras, die das Geschehen von Karlsruhe verurteilen, die bedauern, was dort passiert ist, und sich Gedanken machen, was künftig anders laufen muss, damit es keine verletzten Menschen gibt. Den Dialog mit den Fans abzubrechen, wäre der größte Fehler, den wir machen könnten. Wir wollen die vernünftigen Kräfte stärken.

Welche Hoffnungen knüpfen Sie noch an den Dialog mit Stefan Lehmann, einen der exponierten Köpfe der Szene?

Wir führen einen Dialog mit der aktiven Fanszene, nicht mit Einzelpersonen. Der Dialog ist wichtig, auch die Gespräche zwischen dem DFB und den Fanszenen sollten aus unserer Sicht zwingend wieder aufgenommen werden. Dazu hat Dr. Rainer Koch auch Bereitschaft signalisiert. Es gibt ja nicht nur ein Problem in Dresden, wie man auch in den letzten Tagen und Wochen wieder gesehen hat. Die Problematik existiert an vielen Standorten, deshalb ist ein Dialog auf breiter Basis enorm wichtig.

Für wann und in welcher Form hat Koch das angekündigt?

Uns gegenüber wurden noch keine konkreten Termine genannt, aber ich gehe davon aus, dass man sich beim DFB intensiv damit auseinandersetzt, wie die Gespräche zielführend aufgenommen werden können.

Zurück nach Dresden: Wie viele Stadionverbote sind in den letzten fünf Jahren hier verhängt, wie viele Mitglieder sind von Dynamo wegen vereinsschädigenden Verhaltens ausgeschlossen worden?

Wir haben auf der Pressekonferenz am 22. Mai klargemacht, dass Vereinsausschlüsse nur dann in Betracht kommen, wenn Vereinsmitglieder wegen Fehlverhaltens bei Dynamo-Spielen rechtskräftig verurteilt wurden und uns darüber eine Information vorliegt. Dieser Fall ist, seit ich die Geschäfte führe, noch nicht eingetreten. Bei Stadionverboten muss man differenzieren: Wir können diese nur dann aussprechen, wenn wir über Vorfälle bei einem Heimspiel sprechen – sowohl für unsere eigenen Fans als auch für Gästefans. Was unsere eigenen Fans angeht, bewegen wir uns im zweistelligen Bereich.

Am Mittwoch ist eine neue Stelle für die Fanbetreuung ausgeschrieben worden. Gab es schon Blitzbewerbungen?

Ja, da haben wir schon einige vorliegen. Die werden wir in Ruhe sichten. Die Ausschreibung hat aber nichts mit der Stelle zu tun, die wir jüngst neu angekündigt haben. Eine unserer beiden bestehenden hauptamtlichen Stellen muss aus persönlichen Gründen zeitweise neu besetzt werden, außerdem wollen wir uns unabhängig von den Vorfällen in Karlsruhe in dem Bereich künftig noch breiter aufstellen.

Wann wird dann die neue Stelle ausgeschrieben, die allein für die Absicherung der Auswärtsspiele geschaffen werden soll?

Wir wollen die Stelle bis zur neuen Saison adäquat besetzen. Daran arbeiten wir.

Sie haben also schon jemanden im Auge?

Wir sind in Gesprächen, haben auch schon Initiativbewerbungen erhalten.

Noch ein anderes Thema: Wie stehen Sie zu den jüngsten Ausbauplänen von Stadion-Bauherr BAM, der die Tribünen im DDV-Stadion gern aufstocken würde?

Dazu habe ich mich schon klar geäußert. Es ist legitim, dass man sich bei unserer Auslastung damit beschäftigt, aber wir werden uns seriös und intensiv Gedanken machen, wenn wir wissen, was das kostet. Wir haben uns auch dank der Fans und Mitglieder aus einer schlechten finanziellen Situation befreit, die für den Verein sehr negativ war, und wollen kein neues Risiko eingehen. Es ist ja bekannt, dass wir schon die höchste Stadionmiete zahlen, die immer noch eine riesengroße Belastung für den Verein ist. Der Stadionausbau kann für uns nur ein Thema sein, wenn er nicht zu weiteren Belastungen führt.

Also erst in der 1. Bundesliga?

Nein, es muss eine Finanzierung da sein, die in allen Ligen funktioniert, auch in der 3. Liga. Der Verein wird sich nicht wieder in eine Situation begeben und sagen, mit viel Hoffnung wird das schon gut gehen. Das wird mit Sicherheit nicht passieren.