20. September 2017 / 17:20 Uhr

Dynamos Europapokal-Helden von 1967 besichtigen das Heinz-Steyer-Stadion

Dynamos Europapokal-Helden von 1967 besichtigen das Heinz-Steyer-Stadion

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Die Dynamo-Veteranen von 1967 betraten noch einmal den Rasen des Steyer-Stadions. In ihrer Mitte die frühere Mannschaftsärtzin Dr. Gisela Passehr, damals Israel. Meinhard Hemp zeigt eines der Sondertrikots, mit dem die aktuelle Mannschaft am Abend im DDV-Stadion gegen Bielefeld auflaufen wollte.
Die Dynamo-Veteranen von 1967 betraten noch einmal den Rasen des Steyer-Stadions. In ihrer Mitte die frühere Mannschaftsärtzin Dr. Gisela Passehr, damals Israel. © Jochen Leimert
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Ehemalige Spieler besuchen den Schauplatz des ersten Dresdner EC-Spiels im Ostragehege.

Dresden. Exakt 50 Jahre nach dem ersten Europapokal-Spiel in Dresden trafen sich ehemalige Spieler und Betreuer jener Dynamo-Mannschaft wieder, die am 20. September 1967 das Duell gegen die Glasgow Rangers miterlebte. Auf Einladung des Vereinspräsidiums versammelten sich die ehemalige Mannschaftsärztin Dr. Gisela Passehr, damals noch als Dr. Gisela Israel bekannt, sowie Spieler wie Meinhard Hemp, Gerhard Prautzsch, Steffen Engelmohr oder Uwe Ziegler am frühen Nachmittag im Heinz-Steyer-Stadion, das 1967 Schauplatz der ersten Partie im Messepokal (Vorläufer des Uefa-Pokals bzw. der Europa League) gewesen war. Später stand ein Kaffeetrinken im Gewandhaus-Hotel und der Besuch des Punktspiels gegen Arminia Bielefeld auf dem Programm, bei dem sie weitere Mitspieler von 1967 wie Klaus Sammer, Hans-Jürgen Kreische, Dieter Riedel oder Siegmar Wätzlich trafen.

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Die Dynamo-Oldies trafen sich am Nachmittag zuerst im Steyer-Stadion und signierten ein Sondertrikot, das zum Jubiläum von Dynamo-Ausrüster Erima auf den Markt gebracht worden war.
Die Dynamo-Oldies trafen sich am Nachmittag zuerst im Steyer-Stadion und signierten ein Sondertrikot, das zum Jubiläum von Dynamo-Ausrüster Erima auf den Markt gebracht worden war. © Jochen Leimert

"Ich war sehr überrascht, dass ich eingeladen worden bin", freute sich Engelmohr über das "Klassentreffen". Der frühere Torjäger hält zwar seit seinem Ausscheiden bei der SGD Kontakt zu vielen ehemaligen Spielern, "doch zum Verein war er abgebrochen". Das habe auch damit zu tun, dass er nach dem Abstieg in die Liga zum Ortsrivalen FSV Lok Dresden gewechselt war und in der Liga-Saison 1968/69 gegen die erst ab 1968 in Schwarz-Gelb spielenden Dynamos antreten musste: "Da waren wir plötzlich Konkurrenten." An das Dynamo-Heimspiel gegen die Rangers kann sich Engelmohr noch sehr gut erinnern, denn er avancierte dabei zum großen Pechvogel. Eigentlich sollte er für den nicht in Topform spielenden Riedel ins Spiel kommen, doch Riedels Traumtor zum 1:1-Endstand in der 66. Minute veranlasste Trainer Manfred Fuchs zum Umdenken: "Ich stand schon an der Seitenlinie, da hat Fuchs nach Riedels Tor gesagt: ,Du kannst dich wieder hinsetzen.' Ich habe den Trainer zwar verstanden, aber innerlich habe ich mich in den Arsch gebissen." Weil er später seinen Unmut wohl einmal etwas zu deutlich zum Ausdruck brachte, durfte der heute 76-Jährige dann auch nicht mit nach Glasgow zum Rückspiel fliegen und verpasste so eine der begehrten Westreisen. Dabei war er keiner, dem man hätte Fluchtgedanken unterstellen können. Er war damals schon verheiratet und von früheren Reisen ins westliche Ausland - so zum Beispiel nach Stockholm - stets wieder mit der Truppe nach Hause zurückgekehrt.

Im Heinz-Steyer-Stadion fand vor 50 Jahren das erste Mal in Dresden ein Europapokal-Spiel statt. Am Jubiläumstag stieg hier ein Schüler-Sportfest.
Im Heinz-Steyer-Stadion fand vor 50 Jahren das erste Mal in Dresden ein Europapokal-Spiel statt. Am Jubiläumstag stieg hier ein Schüler-Sportfest. © Jochen Leimert

Mittelfeldspieler Uwe Ziegler war hingegen in beiden Duellen mit den Schotten dabei. Im Hinspiel hatte er eine gute Chance, doch Rangers-Keeper Erik Sörensen hielt, bevor ihn Riedel noch überwinden konnte. Dass im Rückspiel nach einem 1:2 schon das Aus kam, das habe er damals ganz gut verkraften können, erinnert sich der 74-Jährige: "Die Rangers hatten mit Sörensen nicht nur einen guten Torhüter, sondern insgesamt eine gute Mannschaft. Das war keine Schande, gegen die auszuscheiden." Gern denkt Ziegler noch an den mit 60 000 Fans gefüllten Ibrox-Park zurück: "Das Stadion war toll, eine unglaubliche Atmosphäre herrschte dort. Als unsere Mannschaftsärztin in einem grünen Kostüm dort einlief, gab es ein riesiges Geschrei. Keiner von uns wusste warum. Am Ende haben sie es uns erklärt: Die Rangers-Fans dachten, sie wäre Fan von Celtic Glasgow, das ja in Grün und Weiß spielt. Das stand am nächsten Tag auch in der Zeitung."

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Die Entwicklung der aktuellen Mannschaft verfolgen die Oldies noch sehr wohl, auch wenn sie nicht mehr bei jedem Spiel im Stadion sind. Gerhard Prautzsch, von 1958 bis 1969 Spieler bei Dynamo und später auch Cheftrainer als Nachfolger von Walter Fritzsch, besitzt eine Jahreskarte und nutzt sie, wenn er in Dresden ist. "Ich bin etwa bei jedem dritten Heimspiel dabei", so der gebürtige Rochlitzer. Über den Aufschwung bei den Schwarz-Gelben in der 2. Bundesliga freut er sich. An eine Rückkehr der SG Dynamo auf die Europapokal-Bühne in naher Zukunft glaubt der frisch am linken Arm operierte Rentner aber nicht: "Ich bin 76 - das werde ich wohl nicht mehr erleben."