06. April 2021 / 15:47 Uhr

E-Mail aus Luckenwalde an den Landesverband

E-Mail aus Luckenwalde an den Landesverband

Sport Lucki
Märkische Allgemeine Zeitung
Für Rainer Stock (r., mit Wasserflasche), den Trainer des FSV Luckenwalde II, sollte die Saison 2020/21 nicht für null und nichtig erklärt werden.
Für Rainer Stock (mit Wasserflasche), den Trainer des FSV Luckenwalde II, sollte die Saison 2020/21 nicht für null und nichtig erklärt werden. © Frank Neßler
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Landesklasse Ost: Rainer Stock, Coach der Luckenwalder Landesklassenfußballer, plädiert dafür, die Saison nicht zu annullieren. Weitere Vereine aus Brandenburg wollen seine Initiative unterstützen.

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Rainer Stock übt persönlich nicht nur verbal Kritik an der Entscheidung des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB), die Punktspielsaison 2020/21 für beendet und ihre Ergebnisse für null und nichtig zu erklären. Der Trainer der Luckenwalder Landesklassenfußballer hat eine E-Mail mit seiner Sicht der Dinge nachgelegt. Adressiert ist sie an FLB-Präsident Jens Kaden und Geschäftsführerin Anne Engel.

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Stock spricht sich in seinem Schreiben dafür aus, dass der am vergangenen Montag gefasste Beschluss zur Annullierung der Saison 2020/21 noch einmal überdacht wird. „Es liegt doch auf der Hand, dass es für die Vereine und Mannschaften, die insbesondere auch sportlich gerechtere und organisatorisch am einfachsten zu bewerkstelligende Lösung gewesen wäre, die aktuelle Saison nicht abzubrechen, sondern in der ursprünglichen Spielserie 2021/22 fortzusetzen“, formuliert er. Gleich mehrere gute Gründe sprechen aus seiner Sicht dafür: Genügend Meisterschaftsbegegnungen wären noch zu absolvieren, der bisher eng getaktete Spielplan für die Saison 2021/22 könnte entzerrt werden und die schon geleistete Arbeit sämtlicher Vereine in der nun abgebrochenen Meisterschaft würde unabhängig vom Tabellenstand gewürdigt werden.

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Vor allem der letztgenannte Punkt ist nach Stocks Auffassung beim aktuell gefassten Beschluss viel zu kurz gekommen. „Nach dem Abbruch der vergangenen Saison werden die Anstrengungen der Vereine in Vorbereitung und Durchführung dieser Spielserie erneut nicht anerkannt“, schreibt er. „Dabei wird der Sport gerade vom Wettbewerb um die besten Ergebnisse getragen. Auch im Amateurfußball geht es um Sieg und Niederlage. Dass die bisher erbrachten Leistungen keinerlei Bedeutung haben sollen, widerspricht dem Grundgedanken des Sports nach der besten Leistung. Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Vereine, die sich bemüht haben, diese Saison organisatorisch und sportlich zum Erfolg zu führen.“



Dass es auch anders gehen kann, zeigt der Trainer der Luckenwalder Landesklassenfußballer am Beispiel des Bayerischen Fußball-Landesverbandes (BFV) auf. Dort wurde laut Stock bereits im vergangenen Jahr Weitsicht bewiesen, indem der BFV die Saison 2019/20 nicht abgebrochen, sondern in dieses Jahr hinein verlängert hat. „In Bayern hat man gezeigt, dass es geht, eine Saison zu verlängern“, erklärt der 35-Jährige, für den auch der freiwillige Rückzug des FC Strausberg von der Ober- in die Landesliga nicht als Begründung herhalten kann, dass die hiesige Saison nicht verlängert wird. „Ein Verein kann nicht die übrigen Fußballvereine in Brandenburg durch seine Einzelentscheidung in Geiselhaft nehmen“, so Stock in seiner E-Mail.

Eine Antwort auf sein Schreiben hat der Trainer der Luckenwalder Landesklassenfußballer noch nicht erhalten, dafür aber Unterstützung von anderen Vereinen. Zu den Clubs, die den Saisonabbruch in seiner beschlossenen Form ähnlich kritisch sehen, gehören der Teltower FV (Landesklasse West), die TSG Rot-Weiß Fredersdorf/Vogelsdorf (Kreisliga Ostbrandenburg) und Rot-Weiß Schönow (Kreisoberliga Oberhavel/Barnim). „Ich bin mit ihnen im Austausch und hoffe, weitere Vereine für die Initiative gewinnen zu können“, erklärt Stock. Ihm sei bewusst, dass die genannten Vereine zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs alle an der Tabellenspitze ihrer Ligen stehen. Er beteuert jedoch, dass es ihnen nicht um den Aufstieg geht. „Das ist bei acht, neun oder vielleicht zehn absolvierten Punktspielen illusorisch“, sagt er. „Es geht um die Anerkennung der geleisteten Arbeit. Deshalb sind sie dafür, dass die bisher erreichten sportlichen Leistungen durchaus honoriert werden sollten.“

Rainer Stock hofft jetzt, dass sich der Landesverband zumindest fair und vorbehaltlos mit seinen vorgetragenen Argumenten beschäftigt. „Das erwarte ich und wünsche es mir, denn wenn der FLB dies tut, dann würde er zu einer anderen Einschätzung als der jetzigen kommen“, ist er sich sicher.