09. Juli 2020 / 07:27 Uhr

"Keine Liquiditätsengpässe": Indians sind guter Dinge, die Lizenz noch zu bekommen

"Keine Liquiditätsengpässe": Indians sind guter Dinge, die Lizenz noch zu bekommen

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Gibt es hier bald nur noch Regionalliga-Eishockey zu sehen? Geschäftsführer Andy Gysau ist guter Dinge, dass die Indians die Oberliga-Lizenz
 im zweiten Anlauf noch bekommen.
Gibt es hier bald nur noch Regionalliga-Eishockey zu sehen? Geschäftsführer Andy Gysau ist guter Dinge, dass die Indians die Oberliga-Lizenz im zweiten Anlauf noch bekommen. © Florian Petrow/privat
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Der DEB hat den Hannover Indians die Zulassung zur Oberliga verweigert - aus wirtschaftlichen Gründen. Beim Kultklub vom Pferdeturm kann man das nicht verstehen, Geschäftsführer Andy Gysau ist aber optimistisch, dass der bittere Gang in die Regionalliga über den Klageweg noch abgewendet werden kann.

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Schock für die Hannover Indians: Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hat dem Oberligisten die Lizenz für die neue Saison vorerst verweigert. Außer dem ECH erhalten auch die Icefighters Leipzig zunächst nicht die Zulassung für den Spielbetrieb, beide Vereine können aber vorm DEL-Spielgericht klagen. Die elf übrigen Vereine der Oberliga Nord erhalten die Lizenz, die der DEB nach eigenem Sprachgebrauch offiziell als Zulassung bezeichnet, darunter auch die Hannover Scorpions.

Auch vor einem Jahr erhielten die Indians zunächst nicht die Spielgenehmigung. Damals fehlten aber gewissermaßen nur ein paar Kopien. Die Dokumente reichte man nach und bekam die Zulassung. Diesmal wird es schwerer. Denn der DEB hat das Zulassungsverfahren abgeschlossen. Hintertür für die Indians: Sie können innerhalb von zwei Wochen ein Nachprüfverfahren beantragen und beim DEB-Spielgericht ihre Versäumnisse begründen. Ansonsten müssten sie eine Klasse tiefer in der Regionalliga antreten.

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„Wir sind sehr verwundert und können die Entscheidung nicht nachvollziehen“, sagt Andy Gysau. Der Geschäftsführer der Indians sprach Mittwoch mit den Verantwortlichen. „Das hat nur wenige Minuten gedauert, um den DEB zu überzeugen.“ Dennoch müssen und werden die Indians den Klageweg gehen. „Wir sind optimistisch, auf diese Weise noch die Zulassung zu erhalten. Wir haben viele neue Sponsoren, unseren Zuschauerschnitt gesteigert und keine Liquiditätsengpässe“, sagt Gysau.

"An Corona liegt es nicht", heißt es vom Verband

Doch an was liegt es genau? Weil ein Zulassungsverfahren auch eine Wirtschaftlichkeitsprüfung ist: an den Finanzen, auch wenn niemand so recht ins Detail gehen will. „Es hat wirtschaftliche Gründe. Und an Corona liegt es nicht, da haben wir schon viel Nachsicht gezeigt“, sagt Ruben Stark auf Anfrage vom SPORTBUZZER.

Der Leiter der DEB-Kommunikation führt weiter aus, „dass es zwei Nachfristen gab, in denen kein zur Genehmigung ausreichendes Ergebnis vorlegt werden konnte.“ Mit Blick darauf, dass der Klageweg offenstehe, wolle er sich nicht weiter zu Inhalten äußern.

Die Bilder der Derbys zwischen den Indians und Scorpions:

Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. Zur Galerie
Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. ©

Auch in dieser Hinsicht fehlt Andy Gysau das Verständnis. „Wir haben jeweils innerhalb der Fristen Unterlagen nachgereicht.“ Man hätte nur mal zum Telefonhörer greifen müssen, um gemeinsam Unklarheiten ausräumen, sagt der Geschäftsführer. „Dabei haben wir extra dazu geschrieben, dass sich der DEB melden kann, wenn es Rückfragen gibt – die kamen nicht, stattdessen nun diese Überraschung.“

Scorpions sprechen ihre Solidarität aus

Nach Aussage des Geschäftsführers besteht ein Teil der den DEB nicht überzeugten Unterlagen aus dem Anteil, der für die Versicherung der Spieler an die Berufsgenossenschaft abzuführen ist. Nach der Erhöhung der BG-Beiträge, auch rückwirkend zur vorherigen Saison, entstehen Zusatzkosten von 20 000 Euro. „Der DEB denkt, dass wir die Saison nicht überstehen. Wir haben aber das Gefühl, dass sie unsere Unterlagen nicht richtig gelesen haben“, sagt Gysau.

Die Scorpions freuen sich über den Erhalt ihrer Lizenz – jedoch mit gemischten Gefühlen. Bei Ausschluss von Indians und Icefighters „kann es zu weiteren Schäden kommen, deren Ausmaß noch nicht absehbar ist“ sagt Scorpions-Geschäftsführer Eric Haselbacher und fordert, „dass in dieser angespannten Phase alle zusammen nach Lösungen suchen sollten“.

Für alle Oberligisten sind Heimspiele gegen Indians und Icefighers wirtschaftlich bedeutend, bringen sie doch stets viele Fans mit. Zusammen mit den anderen Oberligisten haben die Scorpions ihre Solidarität ausgesprochen und fordern vom DEB die Überprüfung der Lizenzverweigerung.