04. Mai 2022 / 18:46 Uhr

Plötzlich Edeljoker: Warum Ilkay Gündogan um seinen Stammplatz bei ManCity fürchten muss

Plötzlich Edeljoker: Warum Ilkay Gündogan um seinen Stammplatz bei ManCity fürchten muss

Heiko Ostendorp und Hendrik Buchheister
ManCity-Trainer Pep Guardiola (links) setzt aktuell nicht auf Ilkay Gündogan.
ManCity-Trainer Pep Guardiola (links) setzt aktuell nicht auf Ilkay Gündogan. © IMAGO/PA Images
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Ilkay Gündogan muss ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase um seinen Stammplatz bei Manchester City bangen. Auch im Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid am Mittwoch droht dem DFB-Star wieder ein Bankplatz, falls Trainer Pep Guardiola weiterhin mit Bernardo Silva plant. Das ging bei großen Spielen meistens nicht gut ...

Den bislang größten persönlichen Erfolg feierte Ilkay Gündogan bereits, bevor die Saison angepfiffen wurde. Seine Mitspieler bei Manchester City wählten ihn zum Vizekapitän hinter Vereinsikone Fer­nan­din­ho und beispielsweise noch vor Kevin de Bruyne – ein starkes Bekenntnis der enormen Wertschätzung, die der Deutsche in dem englischen Starensemble genießt.

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Da Fernandinho nur noch selten zum Einsatz kommt, trug Gündogan bereits 15-mal die Binde und führte die aktuell wohl beste Mannschaft des Planeten aufs Feld. Doch ausgerechnet im Halbfinalhinspiel der Champions League gegen Real Ma­drid (4:3) saß er überraschend 90 Minuten auf der Bank und fiel der Rotation von Pep Guardiola zum Opfer, bei dem neben Mittelfeldabräumer Rodri und Spielmacher de Bruyne aktuell nur Bernardo Silva gesetzt scheint. Der Portugiese spielt eine bärenstarke Saison, ausgerechnet auf der Position als hängende Spitze, auf der Gündogan 2020/2021 mit insgesamt 17 Pflichtspieltreffern glänzte.

So droht dem DFB-Star auch beim Rückspiel am Mittwochabend (21 Uhr, live bei DAZN sehen [Anzeige]) nur die unliebsame Rolle als "Number 12", als Edeljoker, der er eigentlich nicht ist und schon gar nicht sein möchte. "Es ist gut möglich, dass die gleiche Elf wie im Hinspiel spielt", sagte Guardiola am Dienstag, um dann in seiner typischen Art nachzulegen. "Aber es kann auch sein, dass ich wechsle – alle sind wichtig." Natürlich auch Gündogan, den der Erfolgscoach über alle Maßen schätzt: "Ilkay ist so ein intelligenter Spieler, aber auch ein toller Mensch. Ich bin froh, ihn zu haben mit seinem unglaublichen Gefühl für die Räume in den entscheidenden Momenten."

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Guardiola verzocket sich immer mal wieder in entscheidenden Momenten

Guardiola lag ausgerechnet in diesen Situationen in der Vergangenheit häufiger daneben. Er verzockte sich, weil er wieder mal etwas Spezielles ausprobieren wollte. Wie im vergangenen Endspiel der Königsklasse, als er in der Startelf auf einen echten Stürmer verzichtete und Gabriel Jesus sowie Sergio Kun Agüero zunächst draußen ließ und sich Manchester City dem FC Chelsea am Ende mit 0:1 geschlagen geben musste. Für Gündogan war es bereits die zweite Niederlage in einem Champions-League-Finale nach dem 1:2 mit Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München 2013, in dem er per Elfmeter zum Ausgleich traf.

"Jeder, der mich kennt, weiß, wie sehr ich das Ding in meiner Karriere gewinnen möchte", sagte der Nationalspieler zuletzt im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), schielte aber gleichzeitig auch auf die anderen beiden Trophäen, um die es für ihn in diesem Jahr noch geht: die Premier League und den WM-Pokal. "Alle drei Titel zu gewinnen wäre fast zu schön, um wahr zu sein. Ehrlich gesagt wären auch schon zwei von drei absolut überragend. Wahrscheinlich sind das die drei am schwierigsten zu gewinnenden Titel im Weltfußball überhaupt", so Gündogan.

Um im dritten Anlauf die erneute Chance auf den Henkelpott zu haben, muss City aber erst einmal Real Ma­drid rauskegeln – mit oder ohne seinen deutschen Anführer, dem es natürlich nicht gefallen hat, im Hinspiel nur Zuschauer gewesen zu sein. Ein böses Wort würde der Musterprofi darüber allerdings nie verlieren, geschweige denn Stunk machen. Auch das ist ein Grund, warum er auf der Insel so sehr geschätzt wird, warum er so beliebt ist. In der Stadt engagiert sich Gündogan immer wieder für Charity-Projekte, besuchte während der Pandemie Fans, gibt sich extrem volksnah – und ist seit einigen Wochen auch noch der erfolgreichste deutsche Torschütze in der Premier League. Im Kampf um einen Platz in der Startelf wird ihm all das allerdings überhaupt nicht helfen.