31. Dezember 2018 / 15:51 Uhr

Edgar Prib lechzt nach erster Einwechslung bei 96: "Dann weiß ich wieder, dass ich leb'"

Edgar Prib lechzt nach erster Einwechslung bei 96: "Dann weiß ich wieder, dass ich leb'"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Das Gefühl, wieder im Mannschaftstraining zu sein, war für Edgar Prib erfüllend. Was ebenfalls sein Herz höher lassen schlagen würde, wäre, wenn sein Trikot für eine Einwechslung hochgehalten würde. 
Das Gefühl, wieder im Mannschaftstraining zu sein, war für Edgar Prib erfüllend. Was ebenfalls sein Herz höher lassen schlagen würde, wäre, wenn sein Trikot für eine Einwechslung hochgehalten würde.  © imago/Petrow/Montage
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Im zweiten Teil des großen SPORTBUZZER-Interviews mit Edgar Prib spricht der Profi über seine Rückkehr ins Training bei Hannover 96, die Reaktion seines Körpers und darüber, wie er gelernt hat, aufzuhören, wenn es wehtut. Der Zeitpunkt, an dem sein Trikot hochgehalten wird, werde ein besonders emotionaler.

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Wie war die Rückkehr, der Trainingsstart?

Toll. Der Korbi (Julian Korb) hat wie immer seine leeren Flaschen auf meinen Platz gelegt. Die Menschen zu treffen, die Gesichter zu sehen, den Trainer – man ist einfach verbunden. Der erste Schuss mit rechts, also mit dem kaputten Knie, hat auch nicht wehgetan. Mit den Jungs täglich ein bisschen Kindergarten erleben und Mist erzählen. Und dann ist der Tunnel nicht mehr ganz dunkel.

Und Ihr Körper?

Es kamen Sprints und Sprünge, und ich dachte, ich bin nah dran. Dann kam der Test, der Return-to-Play-Test. Der war ein großes Ziel von mir.

Was wird getestet?

Alles, bis ins Detail. Es ist extrem anstrengend. Sprünge, Kraft, Sprints, Laufanalyse, Knietests – das ist schon eine gute Batterie, sehr aufschlussreich. Ich war nach dem Test so erledigt, dass ich dem Arzt kaum zuhören konnte. Dennis Fischer war dabei, und ich habe ihn fragen müssen: Dennis? Hab ich jetzt bestanden?

96-Leader Edgar Prib in der Endphase der Reha: So macht er sich wieder fit

im Februar 2018 war es wieder soweit: Edgar Prib holte sich zum zweiten Mal einen Kreuzbandriss. Kurz danach befand er sich wie in Trance, erzählte er dem SPORTBUZZER. Jetzt ist er fast wieder fit - und fühlt sich besser als beim letzten Mal. Zur Galerie
im Februar 2018 war es wieder soweit: Edgar Prib holte sich zum zweiten Mal einen Kreuzbandriss. Kurz danach befand er sich wie in Trance, erzählte er dem SPORTBUZZER. Jetzt ist er fast wieder fit - und fühlt sich besser als beim letzten Mal. ©
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Und?

Ja. Dann gab den Hinweis, Sicherheit in Sprünge reinzukriegen. Das habe ich gemacht in den letzten drei Wochen.

Wie fit sind Sie jetzt?

Ich bin gerade sehr gut gelaunt, weil ich teilaktiv mit der Mannschaft trainieren kann. Alles noch ohne Körperkontakt, eine neue Belastungsstufe.

Was ist anders als vor der zweiten Verletzung?

Ich passe anders auf. Das war kein falscher Ehrgeiz damals, ich war vielleicht nur zu hart zu mir selbst. Man muss über Widerstände gehen – und wenn was zwickt, muss man da drüber. Aber nachdem ich einmal auf die Fresse geflogen bin, bin ich sensibler geworden.

Was bedeutet das?

Mit fällt es schwer, aufzuhören, obwohl es wehtut … Aber das kann man lernen. Mir hat man das eingetrichtert: Immer marschieren, wirst du umgehauen, dann steh auf. Dann zu lernen, auf die Bremse zu treten, das ist schwer. Natürlich zwickt mein Knie noch. Aber es ist alles gut da drin. Was wollte ich vorhin noch erzählen, als wir erst mal der Reihe nach weitergemacht haben?

Wie Sie die sportliche Entwicklung bei 96 sehen?

Ich leide. Ich leide mit. Ich versuche, Einfluss zu nehmen, so gut es mir möglich ist. Aber ich möchte dazu nicht viel sagen. Im Fußball musst du es auf dem Platz regeln. Und ich stehe nicht auf dem Platz. Ich da bin ich ein bisschen sauer auf mich selbst, dass ich mein eigenes Schicksal nicht selbst in der Hand habe.

Teil 1 des emotionalen Interviews

Ist das nicht ein wenig hart?

Es macht mich einfach wütend, dass ich sportlich nicht mit anpacken kann.

Wie sieht die nächste Etappe aus?

Ich möchte im Trainingslager so viel wie möglich mitmachen. Als neutraler Spieler, mit hoher Belastung, aber nicht zu 100 Prozent.

Ist das in Ihnen drin? Gehört das zum Fußball? Dieser ständige Druck nach Rückschlägen?

Im Fußball herrscht immer Druck. Es gab natürlich Gedankenspiele nach der zweiten Verletzung: Was ist mit meinem Vertrag, bekomme ich einen neuen Vertrag, kann ich noch ein Spiel machen in dieser Saison?

Den neuen Vertrag haben Sie bekommen.

Ja. Aber was ich nicht beeinflussen kann, habe ich aus meinem Kopf rausgeschmissen. Nur den inneren Schweinehund, den muss ich immer wieder selbst besiegen.

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Élson war für ein halbes Jahr vom VfB Stuttgart ausgeliehen. Nach Ende der Leihe und dem vollbrachten Klassenerhalt 2010 wäre der Brasilianer gerne für länger geblieben. Doch aufgrund seiner Knieprobleme zerschlug sich ein weiteres Engagement, obwohl man auf dem Weg zur Einigung schon recht weit fortgeschritten war. Zur Galerie
Élson war für ein halbes Jahr vom VfB Stuttgart ausgeliehen. Nach Ende der Leihe und dem vollbrachten Klassenerhalt 2010 wäre der Brasilianer gerne für länger geblieben. Doch aufgrund seiner Knieprobleme zerschlug sich ein weiteres Engagement, obwohl man auf dem Weg zur Einigung schon recht weit fortgeschritten war. ©

Über 2018 haben wir geredet. Was wünschen Sie sich fürs Jahr 2019?

Das haben viele mich zum Geburtstag oder vor Weihnachten auch gefragt.

Und was haben Sie gesagt?

Ich wünsche mir gar nix. Ich will nix. Ich will einfach gesund sein. Und das kann nur ich selbst mir geben. Ich bin jetzt schon gesund und glücklich, aber ich will fit sein und noch glücklicher.

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Welche Situation vermissen Sie am meisten?

Das ganze Spiel. Einmal abgrätschen, mit dem Schiedsrichter diskutieren, meine Jungs anfeuern. Dreh dich, Hintermann! Solche Kommandos wieder geben. ’Ne schöne Flanke, ’ne schöne Ecke reinschießen wie für Fülle gegen Braunschweig, mal wieder ein Tor zu schießen, einen Heimsieg zu feiern, einen Auswärtssieg ... dann heule ich, ich könnte heulen, jetzt schon.

Bei welchem Gedanken?

Wenn ich beim Warmmachen bin, dann sehe ich mein Trikot mit der Nummer 7. Das Signal: Du kommst gleich rein. Nur dieser Moment, wie ich da reinkomme, mein Comeback gebe, hat mich bei den Operationen begleitet. Nur dieser Gedanke, nichts anderes. Irgendwann kommt dieser Moment, egal wann. Und dann weiß ich wieder, dass ich leb’.

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