29. Oktober 2019 / 10:00 Uhr

Effenberg über Kritik an BVB-Trainer Favre und Bayern-Coach Kovac: "Spieler sind in der Verantwortung"

Effenberg über Kritik an BVB-Trainer Favre und Bayern-Coach Kovac: "Spieler sind in der Verantwortung"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kritisiert die Kritik an BVB-Trainer Lucien Favre und Bayern-Coach Niko Kovac: Stefan Effenberg.
Kritisiert die Kritik an BVB-Trainer Lucien Favre und Bayern-Coach Niko Kovac: Stefan Effenberg. © Getty/imago images/Montage
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Im SPORTBUZZER-Interview spricht SPORT1-Experte Stefan Effenberg über die zweite Runde im DFB-Pokal, die Kritik an BVB-Trainer Lucien Favre und Bayern-Coach Niko Kovac. Zudem mahnt er bei beiden Personalien zur Ruhe.

Sport1-Experte Stefan Effenberg wird am Dienstag selbst im Stadion sein, wenn der kleine VfL Bochum den großen FC Bayern zum Showdown (20 Uhr, Sport1 und Sky) im DFB-Pokal erwartet. Ob der deutsche Rekordmeister dann strauchelt - wie einst mit Effenberg 2000 beim 1. FC Magdeburg? Das vermag der Manager des KFC Uerdingen noch vorherzusagen. Doch eins ist klar: "Für den FC Bayern wäre ein Aus ein Schlag für den weiteren Verlauf der Saison." Im SPORTBUZZER-Interview spricht Effenberg über die Kritik an Bayern-Trainer Niko Kovac, das Ansehen von BVB-Coach Lucien Favre und blickt auf die zweite Runde im DFB-Pokal.

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SPORTBUZZER: Herr Effenberg, die Top-Partie der zweiten Runde im DFB-Pokal findet zwischen Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach statt. Das Duell gab es erst vor gut eineinhalb Wochen in der Bundesliga. Was erwarten Sie?

Stefan Effenberg: Ein anderes Spiel als in der Liga, das ist klar. Es ist ein heißes Duell und situationsbedingt wird eine Mannschaft die Taktik über den Haufen werfen müssen. Dadurch würde sich ein anderes Spiel mit hoher Brisanz entwickeln. Deshalb sehe ich auch nicht den klaren Favoriten. Klar, der BVB spielt zu Hause, hat einen minimalen Vorteil. Rein spielerisch gibt es aber keine großen Unterschiede. Der Weg zum Titel ist für Gladbach im Pokal aber der einfachste. Es ist eine gute Möglichkeit, einen großen Gegner direkt auszuschalten. Natürlich warten danach noch einige Brocken, aber die Möglichkeit für den Finaleinzug würde größer. Gleiches gilt aber auch für den BVB. Ich freue mich auf das Duell.

BVB-Trainer Lucien Favre steht allerdings in der Kritik.

Er ist ein herausragender Trainer und ihm werden Dinge wie fehlende Emotionen vorgeworfen – das kann ich nicht nachvollziehen. Wir kennen Lucien Favre alle über ein Jahrzehnt, jeder weiß, wie er arbeitet oder tickt. Natürlich kann der BVB besser spielen. Aber das Kind ist noch nicht in den Brunnen gefallen. Der BVB steht in der Liga nur drei Punkt hinter dem Tabellenführer

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Dennoch ist es im Umfeld des BVB inzwischen sehr unruhig – gerade in den sozialen Medien.


Ich bin mir sicher, dass das Team drum herum sich von so etwas nicht blenden lässt. Die Aussagen in den sozialen Netzwerken haben für einen Verein doch keinen Wert. Die Verantwortlichen eines jeden Vereins analysieren zusammen und treffen dann entsprechend ihre Entscheidungen.

Wird es für Favre bei einem Ausscheiden im Pokal dann trotzdem eng mit dem Job?

Ich bin kein Freund davon, in die Glaskugel zu gucken. Gegen einen Gegner wie Borussia Mönchengladbach kann es ganz schnell gehen, die haben in der Europa League gegen Wolfsberg 0:4 verloren, danach waren sie in der Liga aber wieder in der Spur. Die Verantwortlichen fallen nicht in die Extreme, wie es viele Fans und Medien tun. Der BVB hat die Ziele im Vorfeld der Saison hoch gesteckt, das hat aber auch mit dem Kader zu tun, der große Qualität besitzt. Das war kein unseriöses Ziel.

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Mats Hummels, Erling Haaland und Jude Bellingham (v.l.) gehören zu den teuersten Transfers in der BVB-Geschichte. Wie viel Geld die Dortmunder für sie ausgaben, erfahrt ihr in unserer Galerie.  ©

Wo sehen Sie aktuell denn die Probleme beim BVB?

Es sind minimale Faktoren, die eine Rolle spielen. Die Spieler, die in der Verantwortung stehen, brauchst du bei 100 Prozent. Das haben sie Stand jetzt noch nicht. Sie brauchen hier und da auch mal das Spielglück. In Dortmund machen sie sich aktuell ein paar Gedanken – aber vielleicht sieht das zu Weihnachten wieder ganz anders aus.

Gedanken gemacht wird sich aktuell auch rund um den FC Bayern, die ebenfalls bisher nicht recht zufrieden sind mit dem bisherigen Saisonverlauf. Kommt das Spiel gegen den kleinen VfL Bochum dann genau recht?

Das sagt sich so leicht, diese Spiele sind aber unfassbar schwierig – auch für den FC Bayern. Wenn man diese Spiele nicht konzentriert angeht, kann man schnell in eine unangenehme Situation kommen. Ich bin für Sport1 vor Ort im Ruhrstadion und gespannt auf den Abend. Natürlich ist der FC Bayern Favorit und natürlich wird er das Spiel gewinnen, wenn er alles abruft. Die wichtigste Phase für Bayern beginnt im Februar und März. Dann, wenn es in allen Wettbewerben so richtig drauf ankommt, müssen sie da sein.

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Es wurde in der Vergangenheit immer mal wieder darüber gesprochen, dass die großen Teams in den ersten Runden des DFB-Pokals nicht antreten müssen. Wie leicht ist es denn, sich dann auf Spiele wie jetzt beim VfL Bochum vorzubereiten, der in der 2. Liga auch nicht auf Touren kommt?

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Für die Bundesligisten ist die erste Runde die Schwierigste, weil alle anderen Ligen schon richtig im Spielbetrieb sind. Da sind die Bundesligisten einfach im Nachteil. Jetzt sind die Bundesligisten aber richtig drin, da darf es keine Ausreden geben, wenn es zu einer Sensation kommen sollte. Der Verein, der von oben kommt, sollte sich in der zweiten Runde durchsetzen. Es geht ja auch um Einnahmen, gerade für kleinere Klubs. Für den FC Bayern wäre ein Aus ein Schlag für den weiteren Verlauf der Saison. Wir sind aber mal im Pokal im Elfmeterschießen gegen Magdeburg ausgeschieden und haben ein paar Monate später die Champions League gewonnen. Deswegen gilt, dass am Ende abgerechnet wird – und zwar in allen drei Wettbewerben.

Auch Niko Kovac steht nach zuletzt schwankenden Auftritten erneut in der Kritik.

Er wurde vor dem Spiel gegen Tottenham für seine Aufstellung kritisiert und am Ende gewann der FC Bayern mit 7:2. Man kann es niemanden recht machen. Wichtig ist aber, dass er seinen Weg geht, diesen konsequent verfolgt und die Spieler auch mit ins Boot holt. Die Spieler stehen nämlich auf dem Platz und müssen es richten – am Ende haben sie die Verantwortung.

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Wird Kovac vor allem deswegen kritisiert, weil er keinen großen Namen hat?

Die Garantie, Erfolge zu feiern, gibt dir doch kein großer Trainer-Name. Ich bin der Meinung, dass Kovac herausragende Arbeit leistet. Er musste sich gegen viele Widerstände durchsetzen und das hat er geschafft. Ich glaube, Niko sieht das inzwischen auch etwas anders, als noch im vergangenen Jahr. Aber noch mal: Große Namen gewinnen nicht automatisch Titel. Pep Guardiola hat mit Manchester City auch noch nicht die Champions League gewonnen.

Es ging zuletzt auch um den Umgang mit Thomas Müller.

Niko ist in einem Alter, in dem man dazulernt. Er ist auch bei der einen oder anderen Sache zurück gerudert und hat gesagt, dass es nicht richtig von ihm gewesen sei. Das macht ihn aus meiner Sicht noch sympathischer und stärker, weil er offen Fehler einräumt. Bayern ist ein Weltklub und damit muss man erst einmal zurechtkommen. Das haben schon ganz andere nicht geschafft.

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Wird im Fußball zu schnell und zu viel kritisiert?

Das werden wir nicht ändern können, das war schon zu meiner Zeit so. Davon darf sich aber niemand blenden lassen. Wichtig ist, was der Trainer dir sagt. Die Spieler sind in der Pflicht, das besprochene umzusetzen. Es ist nämlich nicht richtig, immer alles nur auf den Trainer abzuwälzen.