28. August 2022 / 16:20 Uhr

Ego oder Henkelpott? Wie Kylian Mbappé bei PSG für Unmut sorgt und Angst verbreitet

Ego oder Henkelpott? Wie Kylian Mbappé bei PSG für Unmut sorgt und Angst verbreitet

Alexis Menuge 
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Für den Champions-League-Sieg muss Kylian Mbappé an seinem Ego arbeiten.
Für den Champions-League-Sieg muss Kylian Mbappé an seinem Ego arbeiten. © Getty, IMAGO/ANP (Montage)
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Nach seiner Vertragsverlängerung will Kylian Mbappé mit Paris Saint-Germain endlich die Königsklasse gewinnen, doch er sorgt schon wieder für Stunk – und nervt damit nicht nur die Fans ...

Es dauerte nicht allzu lange, bis das Theater wieder losging. Gleich im ersten Pflichtspiel der neuen Fußballsaison, in der ja alles besser werden sollte, sorgte Kylian Mbappé für Stunk. Gegen Montpellier (5:2) verschoss er erst einen Elfmeter, und als sein Klub Paris Saint-Germain den zweiten bekam, wollte er Neymar den Ball wegschnappen. Der Brasilianer setzte sich durch, Mbappé reagierte wie ein kleines Kind, würdigte seinen Mitspieler keines Blickes mehr und lehnte bei seiner Auswechslung jede Aufmunterung ab. Der neue Trainer Christophe Galtier stellte danach klar: "Bei Elfmetern ist Kylian die Nummer eins. Grundsätzlich benenne ich immer einen zweiten Schützen, in diesem Fall Neymar. Man kann Situationen wie letzte Woche erleben, in denen man klug sein muss. Man muss sehen, wie es dem anderen geht. Aber die Reihenfolge ist klar definiert."

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Eine Woche später schien alles vergessen zu sein. Mbappé spielte beim 7:1 in Lille wie befreit und verwandelt, mit Lust und prächtiger Laune – und er ging wieder einmal in die Geschichte des französischen Fußballs ein: Mit seinem Treffer zum 1:0 nach genialem Zuspiel von Lionel Messi nach knapp neun Sekunden stellte er den historischen Rekord in der Ligue 1 von Michel Rio aus dem Jahr 1992 ein. Im Spielverlauf machte Mbappé noch zwei weitere Tore. Doch die Geschichte aus der Vorwoche ist nicht die erste, in der der Superstar Mitspieler, aber auch Fans mit seinem arroganten Verhalten gewaltig nervt – dabei sollte nach seiner überraschenden und spektakulär inszenierten Vertragsverlängerung bis 2025 doch alles gut werden.

"Es interessiert keinen Menschen mehr, dass Kylian vor vier Jahren Weltmeister wurde"

"Im Klub gibt es seit ein paar Wochen ein Kernproblem: Als Kylian verlängert hat, hat man ihm vieles versprochen, damit er bleibt und Real Madrid absagt", verrät Ex-Flügelspieler und PSG-Insider Jérôme Rothen. "Das Projekt von PSG besteht darin, dass Mbappé der wichtigste Spieler ist. Man hat ihm mitgeteilt, dass Neymar den Klub in diesem Sommer verlassen würde. Es gibt nicht erst seit gestern etliche Ego-Probleme in diesem Kader. Dementsprechend wird es keine einfache Aufgabe für den neuen Trainerstab sein, diese Stars in den Griff zu bekommen. Wenn nicht alles reibungslos läuft, flippt Kylian gerne aus, weil er der absolute Chef sein will." Und der Chef hat nur ein Ziel: im fünften Anlauf mit seinem Klub endlich die Champions League zu gewinnen.

In seiner Heimat genießt Mbappé ein zwiespältiges Image, zwischen Genie und Wahnsinn. "Er kann überhaupt froh sein, dass sich die Mentalitäten zu den 90er-Jahren völlig verändert haben", meint Frank Leboeuf, der mit der französischen Nationalmannschaft 1998 Weltmeister im eigenen Land wurde. "Hätte ich mich damals genauso wie er verhalten, wären ein paar Mitspieler auf mich gesprungen, und sie hätten mir die Meinung gegeigt, völlig zu Recht. Es interessiert doch keinen Menschen mehr, dass Kylian vor vier Jahren Weltmeister wurde. Er ist bei PSG, er sollte gefälligst bescheidener und bodenständiger auftreten."

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Mbappé und Neymar müssen für den Champions-League-Sieg zusammenarbeiten

Leboeuf hat das Gefühl, dass Mbappé aufgrund seiner Extraklasse und seines Megavertrags (er soll jährlich 50 Millionen Euro netto verdienen und wäre damit bestbezahlter Spieler der Geschichte) viel Angst im Verein verbreitet. "Ein Marquinhos zum Beispiel, der ja immerhin Kapitän ist, hat zu viel Respekt vor Mbappé. Er ist der heimliche Boss, vor dem viele zittern", glaubt Leboeuf. "Nun versteht er, dass all die Versprechungen, die ihm im Frühling gemacht wurden, nicht eingehalten wurden, dass ein namhafter Coach kommt, das Neymar geht. Insofern ist er immer wieder unzufrieden."

Nur wenn Neymar und Mbappé, die einst gut befreundet waren, sich auf dem Platz zusammenreißen und harmonieren werden, kann der große und bislang unerfüllte Traum, den Henkelpott an die Seine zu holen, wahr werden.

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