18. November 2020 / 13:49 Uhr

Ehemalige OPR-Trainer sind zufrieden in der Zuschauerrolle - Teil 1

Ehemalige OPR-Trainer sind zufrieden in der Zuschauerrolle - Teil 1

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Das sagen Frank Neumann (r.), Torsten Grusa (oben) und Sebastian Ruthert (unten).
Das sagen Frank Neumann (r.), Torsten Grusa (oben) und Sebastian Ruthert (unten). © Böttcher, Becker, Möller
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Sebastian Ruthert, Torsten Grusa und Frank Neumann feierten viele Erfolge, sind nun aber glücklich, nicht mehr an der Seitenlinie aktiv zu sein.

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Wegen der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Saisonunterbrechung ruht momentan erneut das runde Leder. Nicht nur die Fußballer der hiesigen Region befinden sich gegenwärtig im „Homeoffice“, auch die Übungsleiter warten darauf, dass der Trainings- und Spielbetrieb früher oder später wieder aufgenommen werden kann.

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Viele andere, die früher selbst oft unter Strom standen, wenn auf dem grünen Rasen der Anpfiff erfolgte, verfolgen das Geschehen inzwischen mit Gelassenheit. Mit dieser Trainerriege, welche nicht nur „arbeitslos“, sondern auch zufrieden in der Zuschauerrolle ist, sprach der SPORTBUZZER.

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Sebastian Ruthert: Der 41-Jährige leitete einst die Geschicke beim Lindower SV und dem RSV Maulwürfe. Mittlerweile hat er den regionalen Fußball aber völlig aus den Augen verloren: „Ich verirre mich nur noch selten auf einen Sportplatz, am ehesten noch nach Gildenhall zu Union Neuruppin.“ Das hängt aber vielmehr mit seiner neuen Leidenschaft als mit dem eigentlichen Interesse zusammen. Ruthert, der selbst ein technisch versierter Kicker war, jagt seit ein paar Jahren dem gelben Filzball beim Neuruppiner Tennisclub Grün-Weiß nach – dessen Vereinsgelände befindet sich direkt neben dem Union-Sportplatz.

„Ich verspüre keinen Drang mehr danach, als Trainer waren die Erfahrungen eh nicht die schönsten, weil wenige Spieler so mitgezogen haben, wie ich es kenne“, betont Ruthert, für den auch eine Rückkehr auf den grünen Rasen keine Option ist: „Mir ist das Verletzungsrisiko zu hoch, in Diensten von Oberhavel Velten hab’ ich mir zweimal das Kreuzband gerissen. Das muss ich nicht mehr haben.“


Torsten Grusa: „Zwei Jahrzehnte kommen bestimmt zusammen“, sagt der 49-Jährige, wenn er an sein Trainer-Dasein denkt. Unzählige Jahre war Torsten Grusa das Gesicht des SV 69 Schönberg und führte den Dorfverein als spielender Coach sogar bis in die Landesklasse. Anfang 2019 trennten sich die Wege aber, Andreas Heidrich übernahm beim Kreisliga-Ost-Vertreter. „Ich hatte viele schöne Jahre, genieße jetzt aber die private Freizeit und stehe nur noch selten hinter der Barriere, um ein Spiel zu gucken. Ab und zu will ich meinem Junior aber noch zugucken“, verrät Grusa, dessen Sohn Maurizio bei den 69ern kickt.

Der Fußballsport habe sich in den letzten Jahren gewandelt – laut Grusa nicht zum Guten: „Das Niveau hat abgenommen, was auch an der Gesellschaft liegt. Es gibt auch positive Beispiele wie den TSV Wustrau, der mit Teamgeist in der Kreisoberliga eine tolle Rolle spielt. Wenn ich dann aber sehe, dass bei einem Verein wie Hansa Wittstock die Spieler, die im besten Alter sind, flüchten und sich nicht mehr aufreiben wollen, dann ist das nicht mehr mein Fußball.“ Mit der Arbeit als Trainer hat Torsten Grusa abgeschlossen, dafür lobt er die neu gegründete Altherren-Truppe des SV 69: „Da erkläre ich mich gerne ab und an bereit, mitzuspielen. Dort hat man sich einen Kopf gemacht und das macht mir großen Spaß. Jetzt muss ich nur den Kontakt zu meinem alten Kumpel Mario Langner wieder herstellen.“

Frank Neumann: Das Thema Trainerjob ist für Frank Neumann „schon lange abgeschlossen“. 2012 war der SV Zehdenick seine letzte Station, zuvor war der 59-Jährige mehr als drei Dekaden an der Seitenlinie aktiv. „In Dabergotz habe ich angefangen“, erinnert sich Neumann der den TuS sogar bis in die Landesklasse führte. Es folgten Engagements beim TuS Sachsenhausen inklusive Landesliga-Aufstieg, dem Lindower SV und Eintracht Alt Ruppin, ehe es ihn zum Abschluss nochmal nach Oberhavel zog.

„Ich möchte keinen Moment missen, vor allem die Aufgaben bei ambitionierten Vereinen waren aber immer mit einem gewissen Aufwand verbunden“, betont Frank Neumann, der als Verkaufsberater für Autoteile im Außendienst viel unterwegs ist. Seit 2008 lebt er in Alt Ruppin, das Waldstadion ist mittlerweile das zweite Zuhause. Als Sportlicher Leiter und Stadionsprecher ist Neumann bei der Eintracht nicht mehr wegzudenken. „Gerade jetzt auf Landesebene, wo man neue Leute und neue Vereine kennenlernt, macht der Posten im Vorstand noch mehr Spaß“, erklärt der einstige Erfolgstrainer, für den eine Rückkehr an die Seitenlinie keine Option ist.

Während die vielen Kicker im Fußballkreis Ostprignitz-Ruppin auf eine baldige Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs und eine Fortsetzung der Saison hoffen, um im wöchentlichen Rhythmus um Tore, Punkte und Platzierungen zu kämpfen, genießen etliche ehemalige Übungsleiter der Region den neutralen Blick von außen. Wann und wo man einen von ihnen eventuell doch auf einer Trainerbank wiedersieht, das ist derzeit völlig offen.