22. Juli 2021 / 18:46 Uhr

Ehemaliger Handballer des MTV Rosdorf erlebt als Volunteer die Spiele in Tokio

Ehemaliger Handballer des MTV Rosdorf erlebt als Volunteer die Spiele in Tokio

Filip Donth
Göttinger Tageblatt
Marius Knorr ist bereit für die Rugby-Wettbewerbe in Tokio.
Marius Knorr ist bereit für die Rugby-Wettbewerbe in Tokio. © r/Privat
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Zuschauer sind bei den Olympischen Spielen in Tokio nicht zugelassen. Doch Marius Knorr wird trotzdem hautnah dabei sein, als freiwilliger Helfer. Der Göttinger wird als Scout beim 7er-Rugby zum Einsatz kommen und ist damit einer von tausenden freiwilligen Helfern bei den Spielen in Japan.

Besondere Chancen eröffnen sich manchmal, wenn man gar nicht damit rechnet. Ein Mitspieler aus seiner Handballmannschaft wäre eigentlich als freiwilliger Helfer zu den Olympischen Spielen geflogen, berichtet Marius Knorr. Doch er entschied sich aufgrund der strengen Quarantäne-Regeln vor Ort dagegen und benachrichtigte seine Mitspieler, dass sein Platz nun zur Verfügung stehe. Das Organisationskomitee der Spiele hatte Medienberichten zufolge in den vergangenen Wochen mit zahlreichen solcher Absagen freiwilliger Helfer zu kämpfen, die aufgrund der Corona-Situation in Japan nicht mehr nach Tokio reisen wollten.

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Knorr zögerte nicht lange, als er von dem freien Platz erfuhr, bewarb sich und wurde kurz darauf kontaktiert. „Tokio ist eine einmalige Chance, da bin ich meinetwegen auch in Quarantäne“, sagt der 22-Jährige, der lange für den MTV Rosdorf spielte, ehe vor zwei Jahren zum Studium nach Leipzig zog.

Helfer sind weitgehend abgeschirmt

Stichwort Quarantäne: In der japanischen Hauptstadt lebt Knorr, der am Montag mit dem Flugzeug in Richtung Tokio abgehoben ist, weitgehend abgeschottet von der einheimischen Bevölkerung. So sehen es die Corona-Bestimmungen vor. Vom Hotel werden er und die anderen Helfer mit dem Shuttle zum Austragungsort gefahren, den sie nicht verlassen dürfen. Der Austragungsort, an dem sich der Göttinger die kommenden zwei Wochen aufhalten wird, ist das Ajinomoto-Stadion, das unter anderem auch Spielstätte des olympischen Fußballturniers ist.

Knorr ist aber nicht beim Fußball als Helfer eingeteilt, sondern beim 7er-Rugby. Am liebsten, sagt er, wäre er natürlich bei seiner Sportart, dem Handball, gelandet. „Ich hatte dann aber die Wahl zwischen Hockey und Rugby“, so der 22-Jährige. „Die Deutschen sind zwar im Hockey besser, aber beim Rugby geht es ein bisschen mehr zur Sache, da sieht man ein bisschen mehr Action.“ Seine Aufgabe bei den Partien: Knorr pflegt die erzielten Punkte ins Computer-System ein, sagt Auswechslungen und die Namen der Spieler, die Punkte erzielt haben, im Stadion an. Neben ihm werden ein weiterer Helfer für die Zeit und einer für die Anzeigetafel sitzen.

Wie wird die Stimmung?

Er freue sich bereits auf den Startschuss und sei gespannt auf die Atmosphäre. Vor allem, da die Ränge des Ajinomoto-Stadions, das ein Fassungsvermögen von rund 50.000 Plätzen hat, leer bleiben müssen – wie bei allen anderen Austragungsstätten auch. „Ich bin gespannt, was das für ein Feeling sein wird“, sagt Knorr, der sich die Erfahrung trotz aller Widrigkeiten nicht kaputt machen lassen möchte.

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Denn für den Handballer sind die Olympischen Spiele, die er bislang nur aus dem Fernsehen kennt, schon immer etwas Besonderes gewesen. „Ich habe die Olympischen Spiele immer verfolgt. Die menschliche Leistung beeindruckt mich dabei am meisten. Da sind Athleten, die alles geben und aus sich rausholen, die besten Sportlerinnen und Sportler des Planeten.“


Auch bei Paralympics dabei

Nach zwei Wochen als Scout beim 7er-Rugby wird Knorr am 1. August nach Deutschland zurückkehren, um nur drei Wochen später erneut nach Tokio zu fliegen. Denn auch bei den Paralympischen Spielen ist er als Helfer dabei, als Scout beim Rollstuhlrugby. Ohne die Pandemie hätte er die Zeit zwischen den Wettkämpfen in Japan überbrücken können, doch bei diesen Spielen ist eben alles anders. Der Göttinger nimmt es gelassen. Für ihn ist und bleibt diese Erfahrung „eine einmalige Chance“.