19. Januar 2022 / 18:52 Uhr

Verbundenheit nach Afrika-Reise: Amateurfußballer sammelt „Fußballklamotten“ für  Kinder in Tansania

Verbundenheit nach Afrika-Reise: Amateurfußballer sammelt „Fußballklamotten“ für  Kinder in Tansania

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Steffen Witte trainierte auf seiner Afrika-Reise spontan mit jungen Fußballern in Arusha (Tansania). Jetzt schickt er ihnen bessere Fußball-Utensilien aus Deutschland zu.
Steffen Witte trainierte auf seiner Afrika-Reise spontan mit jungen Fußballern in Arusha (Tansania). Jetzt schickt er ihnen bessere Fußball-Utensilien aus Deutschland zu. © Steffen Witte
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Steffen Witte, ehemaliger Trainer des Landesligisten I. SC Göttingen 05, sammelt „Fußballklamotten“ für junge Fußballer in der tansanischen Stadt Arusha. Jetzt möchte er vor Ort sogar eine Trainerausbildung finanzieren. Dabei wollte er ursprünglich nur den Kilimandscharo besteigen. Wie kam es dazu?

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Alles hat angefangen mit einer Besteigung des Kilimandscharo, mittlerweile hat Steffen Witte bereits sieben Umzugskartons mit Fußball-Zubehör nach Tansania geschickt – und weitere sollen folgen. „Ich bin mal gespannt, wo das hinführt“, sagt der ehemalige Trainer des Landesligisten I. SC Göttingen 05.

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Mit seiner Freundin Paulina hatte der 24-Jährige im vergangenen Sommer den Gipfel des knapp 5900 Meter hohen höchsten Bergs Afrikas bezwungen, als einer der tansanischen Begleiter auf das 96-Logo auf Wittes Pullover aufmerksam wurde und sich als großer Fußballfan offenbarte. Er habe ein Team gegründet, ob Witte sich das mal ansehen wolle.

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Wollte er, und wieder unten angekommen, ging es kurzentschlossen per Autorikscha in einen Stadtteil von Arusha. „Sie hatten ein großes Feld mit vier Stangen, das war ihr Fußballplatz“, berichtet Witte. Die meisten Kinder waren zwischen zehn und 17 Jahre alt, schätzt er. „Es waren wohl so 50, aber insgesamt spielen dort bis zu 100 Kinder, würde ich sagen.“

Witte nimmt spontan am Training teil

Witte entschloss sich spontan am Training teilzunehmen – was er im Anschluss etwas bereute. „Ich Idiot habe mitgemacht und war danach stehend K.o.“, erzählt er. Nicht nur die Hitze und die Müdigkeit nach dem Kilimandscharo-Abenteuer hatten ihm zugesetzt, „außerdem konnten die auch verdammt schnell laufen“.

Auf dem Programm standen Hütchensprints, wobei es statt Hütchen zwei große Steine gab. „Die hatten noch nie einen weißen Menschen gesehen, der mit ihnen Fußball spielt“, blickt Witte auf eine prägende Erfahrung zurück. „Es war sehr inspirierend, ein unglaubliches Erlebnis, fast wie ein Traum.“ Was ihm auffiel: Die Kinder spielten ohne Schuhe, und der einzige Ball, den sie hatten, war selbst zusammengenäht. „Meine Freundin hat ihre Schuhe verschenkt, und der Junge war total glücklich. Ich selbst habe ein Trikot geschenkt bekommen, was ich erst nicht annehmen wollte.“

Steffen Witte sammelt "Fußballklamotten" für Kinder in Tansania

Steffen Witte sammelt Fußballklamotten für Kinder in Tansania Zur Galerie
Steffen Witte sammelt "Fußballklamotten" für Kinder in Tansania © Steffen Witte

Im Anschluss beschloss er zusammen mit Paulina, „ein, zwei Sachen“ nach Afrika zu schicken. „Daraus ist ein bisschen mehr geworden“ – und das kam so: Witte bat zunächst ehemalige Mitspieler, ihm für das Projekt „Fußballklamotten“, also Trikots, Bälle oder Torwarthandschuhe, zu spenden. Daraufhin beteiligten sich auch aktuelle Mitspieler der zweiten Mannschaft der 05er, für die er nach wie vor in der 1. Kreisklasse auf Torejagd geht, und 05-Juniorenteams. Spätestens als die Spenden vereinsübergreifend bei ihm eintrudelten, war er von der Hilfsbereitschaft überwältigt.


„Das wurde ein Riesenberg. Paulina jammerte schon, dass kein Platz mehr in der Wohnung ist“, berichtet der gebürtige Hannoveraner, der in Göttingen kurz vor dem Abschluss seines Medizinstudiums steht, weshalb er im vergangenen Sommer aus Zeitgründen das Traineramt bei 05 niederlegte. „Es war ein Riesenakt, ich hatte ja keine Ahnung. In der Postfiliale hat man mich komisch angeguckt, als ich gefragt habe, wie ich sieben Umzugskartons nach Tansania schicke.“

Was er herausfand: Das Porto für einen Karton nach Tansania beläuft sich auf 135 Euro, dazu kommen noch Versicherung und Zollgebühren. Auch dafür wurde gespendet, zum Beispiel seitens der 05-Fans, aber auch über die Vereinsgrenzen hinweg. Unterstützung erhielt er von Ralf Fritz und Markus Metzger aus der 05-Familie, am Ende blieb sogar noch was übrig.

Traumziel ist die Finanzierung einer Trainerausbildung

Deshalb will er weitermachen – „etwas strukturierter“, beispielsweise mit Schuhen in Größen, bei denen der Bedarf besonders groß ist, aber auch darüber hinaus: „Mein Traumziel wäre, einen Trainer oder eine Trainerausbildung zu finanzieren“, sagt Witte. In Tansania, aber auch bei der Spendenaktion in Göttingen hat der 24-Jährige wieder einmal erfahren, „was für eine verbindende, soziale und damit positive Kraft der Fußball für die Gesellschaft ist“. Und ihm ist in Afrika vor Augen geführt worden, was wichtig ist: „die Wertschätzung der ganz kleinen Dinge“.

Die zweite Lieferung nach Arusha ist für das Frühjahr geplant. Wer sich beteiligen möchte, kann sich per E-Mail bei Steffen Witte unter der Adresse steffen.witte@stud.uni-goettingen.de melden.