28. April 2021 / 08:41 Uhr

Vereinsvorsitz mit 26: "Ohne Ehrenamt kein Amateurfußball"

Vereinsvorsitz mit 26: "Ohne Ehrenamt kein Amateurfußball"

Bastian Aschemann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Kölner Stadtteilklub Viktoria Buchheim wird von Andre (27) und Ivan (26) geleitet.
Der Kölner Stadtteilklub Viktoria Buchheim wird von Andre (27) und Ivan (26) geleitet.
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Die beiden Vorsitzenden von Viktoria Buchheim sind 53 Jahre alt – zusammen addiert. André Peffgen (27) und Ivan Mrkalj (26) berichten, warum sie sich ehrenamtlich engagieren und erzählen im #GABFAF-Video, was ihren Verein so besonders macht.

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#GABFAF on tour ist eine Aktion der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Informationen unter gabfaf.de.

Viktoria Buchheim ist ein ganz normaler Kreisligist. Sportlich gesehen ist der Kölner Stadtteilklub eher unauffällig, spielt seit Jahren in der Kreisliga D. Trotzdem ist Viktoria kein ganz gewöhnlicher Verein. Seit 2020 haben die Kölner einen der jüngsten Vorstände der Republik: "Nach meinen Informationen gibt es keinen jüngeren Vorstand in unserem Verband", sagt Ivan Mrkalj überzeugt. Der passionierte Schiedsrichter hat das Amt des 2. Vorsitzenden übernommen. Der 1. Vorsitzenden ist ein langjähriger Freund, André Peffgen. Dessen Opa war Gründungsmitglied und ist jetzt stolz auf seinen Enkel, der das Vermächtnis weiterführt.

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#GABFAF on tour in Buchheim: Das Video

Motto: Ein Veedel eine Familie!

"Der Verein hat mich als Kind aufgenommen und mir so viel gegeben, dass ich diese tollen Erfahrungen nun auch anderen Kindern ermöglichen möchte", sagt Mrkalj. "Ich habe keine Sekunde gezögert, als ich die Möglichkeit hatte, nun etwas zurückzugeben." Die familiäre Atmosphäre und der Zusammenhalt zeichnen den Klub aus dem Brennpunktviertel aus.

Auch Peffgen ist seit Kindheitstagen Mitglied im Verein. Bis auf ein paar Jahre in der Jugend, in denen er beim 1. FC Köln und Viktoria Köln gespielt hat, stand er immer in Buchheim zwischen den Pfosten: “Als ich damals zum 1. FC Köln gegangen bin, war mir bereits bewusst, dass ich auf jeden Fall irgendwann wieder in Buchheim spielen möchte.”

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

Kapitän Maxi zeigt trotz Krankheit bedingungslosen Einsatz für den Verein. Zur Belohnung schicken GABFAF und Volkswagen ihn und 19 Teamkollegen von der SpVgg Maxkron zum EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn. Zur Galerie
Kapitän Maxi zeigt trotz Krankheit bedingungslosen Einsatz für den Verein. Zur Belohnung schicken GABFAF und Volkswagen ihn und 19 Teamkollegen von der SpVgg Maxkron zum EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn. ©

300 Zuschauer in der Kreisliga D

Das Motto des Klubs aus dem Kölner Osten lautet “Ein Veedel (Viertel) eine Familie!”. Das ist nicht nur eine Floskel, sondern wird wirklich gelebt. An Spieltagen ist es auf der Anlage der Buchheimer Jungs immer voll. Als Schiedsrichter pfeift Mrkalj oft in der Oberliga und ist als Assistent in der Regionalliga aktiv. “So viele Fans wie bei uns in der Kreisliga D kommen, kommen oft nicht zu Oberligaspielen”, sagt der Unparteiische stolz. Bei den letzten Spielen wurde detailliert dokumentiert, wie viele Zuschauer den Weg zum Platz gefunden haben: 300 waren es ziemlich genau.

Die Buchheimer waren auf dem besten Weg Richtung Aufstieg, bevor die Saison abgebrochen und annulliert wurde. “Schade, dass wir nun nicht aufsteigen können. Wir haben uns schon alle auf die Derbys gegen Germania Köln-Mühlheim gefreut, aber dann versuchen wir es halt nächste Saison nochmal.”

400 abgelaufene Wasserflaschen

Die beiden sind seit 2020 im Amt und arbeiten aktuell die Vergangenheit etwas auf. "Wir haben so viele Ideen, aber dann kam Corona und hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht", erzählt Peffgen. "So haben wir aber immerhin Zeit, um uns um ein paar Altlasten aus der Vergangenheit zu kümmern." Und von den Altlasten gibt es einige.

In den letzten Jahren gab es im Verein nicht genügend Ehrenamtliche, sodass viele notwendige Arbeiten nicht gemacht werden konnten. Wozu das führt, zeigt ein Bürocontainer neben der Umkleidekabine: Es tropft durch die Decke, Regale rosten, Müll versperrt den Weg, und einige Tiere haben es sich gemütlich gemacht. "Die Entsorgung ist zu teuer, ein Neubau können wir uns erst recht nicht leisten, also bleibt nur die Renovierung übrig", fasst Peffgen die Situation zusammen.

Einen anderen Container haben die beiden bereits aufgeräumt und dabei eine Erfahrung gemacht, die die Situation bestens beschreibt: "Wir mussten 400 Flaschen Wasser wegschmeißen, weil sie abgelaufen waren. Wir wussten nicht mal, dass Wasser ablaufen kann", berichten die beiden mit einem weinenden und einen lachenden Auge.

"Hier ist genug Arbeit, um theoretisch zwei bis drei Vollzeit-Angestellte zu beschäftigen, aber wir wissen ja alle, wie es ist: Im Amateurbereich ist alles ehrenamtlich", fasst Mrkalj die Situation zusammen. Mit einem guten Vorbild wollen Peffgen und Mrkajl vorangehen und hoffen so, weitere Freiwillige zu gewinnen. Hilfe könnten sie auf jeden Fall gebrauchen.

Mehr von #GABFAF

Das ist #GABFAF on tour

Mit unserem Videoformat #GABFAF on tour waren wir in Köln und haben den Stadtteilklub besucht. Das Video findest Du oben im Artikel ebenso wie auf Instagram und Facebook.

Wenn es bei dir im Verein auch besondere Menschen, spannende Projekte, eine außergewöhnliche Aktion oder eine interessante Geschichte gibt, über die wir berichten sollten, schreibe uns einfach an, und wir kommen mit #GABFAF on tour auch zu deinem Verein. Den Kontakt findest Du auf gabfaf.de.