26. März 2020 / 08:23 Uhr

Ehrentag für Böhlener Fußball-Legende: Jochen Kunath feiert 75. Geburtstag

Ehrentag für Böhlener Fußball-Legende: Jochen Kunath feiert 75. Geburtstag

Wolfgang Riedel
SPORTBUZZER-Nutzer
Böhlens Rechtsverteidiger Jochen Kunath (2.v.li.) stoppt BFC-Stürmer Hartmut Pelka (links) USER-BEITRAG
Böhlens Rechtsverteidiger Jochen Kunath (2.v.li.) stoppt BFC-Stürmer Hartmut Pelka (links). © Wolfgang Riedel
Anzeige

Mit der BSG Chemie Böhlen erlebte Jochen Kunath die Höhen und Tiefen des DDR-Fußballs. Seinem Verein hält der ehemalige Verteidiger seit 53 Jahren die Treue.

Anzeige

Muldental. Vielen Fans aus der Region ist der ehemalige Fußballer Jochen Kunath als Spieler und Abwehrfels in der damaligen DDR-Oberligamannschaft der BSG Chemie Böhlen in guter Erinnerung. Am vergangenen Montag feierte der in Zeitz geborene Fußballer, der ursprünglich bei der BSG Fortschritt West Leipzig spielte, seinen 75. Geburtstag.

In der Saison 1963/64 agierte Kunath bei der BSG Stahl Lippendorf, die in der zweitklassigen DDR-Liga rangierte. Während seiner Wehrdienstzeit in der Nationalen Volksarmee von 1965 bis 1967 spielte er bei der Armeesportgemeinschaft Vorwärts Berlin (ASG) und beim ASK Vorwärts Berlin. Nach seiner Armeezeit wechselte er 1967/68 zum Bezirksligisten BSG Chemie Böhlen. Am Ende der Saison stieg Jochen Kunath mit dem Team in die DDR-Liga auf. Zum Stammspieler etabliert, ballerte er bei den Chemikern neun Jahre lang mit und bestritt von den 218 DDR-Liga-Punktspielen in dieser Zeitspanne 180 Spiele. 1974 erkämpfte der eisern am Gegner bleibende Rechtsverteidiger Kunath mit den Böhlenern zum ersten Mal den Staffelsieg.

In der Aufstiegsrunde zur Oberliga, der höchsten Fußballklasse in der DDR, kam der damals 29-Jährige in allen acht Spielen zum Einsatz. Allerdings erst 1977 gelang der BSG Chemie Böhlen nach einem erneuten Staffelsieg der Aufstieg in die Oberliga. Die Aufstiegsspiele fanden leider ohne den Abwehrrecken statt. Denn nach einer Reise in die BRD musste Kunath wegen der politischen Querelen zwischen Ost- und Westdeutschland eine Zwangspause einlegen. „1977 fuhr ich zur Hochzeit meiner Schwester in den Westen und danach folgte prompt eine Spielsperre“, so der in Neukieritzsch wohnende „Fußballkarrierist“, der insgesamt 420 Spiele bewältigte, davon 44 in der Oberliga.

"Sehr gute Vorlagen"

Die Oberliga-Saison 1977/78 konnte der wieder voll einsatzfähige Kunath jedoch als cleverer Abwehrspieler im Rückraum neben seinen Mannschaftskameraden, dem Libero Gianfranco Zanirato, Innenverteidiger Rainer Wolf und Linksverteidiger Rolf Tröger bestens meistern. „Jochen Kunath wehrte stets energisch ab und trieb dann den Ball oft weit und sehr gute Vorlagen bietend nach vorn“, erinnert sich so heute noch gern der 79-jährige ehemalige Fußballer Lothar Vogel, der beim BSV Einheit Frohburg spielte und zum Torjäger der damaligen Kreisklasse gedieh.

Eine Bravourleistung gelang Chemie Böhlen in der DDR-Oberligasaison 1977/78 am 8. Spieltag vor 4000 Zuschauern im heimischen Stadion an der Jahnbaude gegen den drittplatzierten BFC Dynamo Berlin mit einem 1:0-Sieg durch den Böhlener Eberhard Köditz. „Chemie Böhlen durfte der Zuverlässigkeit seines fast unablässig geprüften Schlussmannes Bott sowie der kämpferischen Haltung von Zanirato, Wolf, Kunath und Tröger vollauf vertrauen!“, hieß es unter anderem nach dem 1:0-Sieg in einem Bericht von Dieter Bauchspieß im „Deutschen Sportecho“ vom 15. Oktober 1977. Auch in der Saison 1978/79 kam er 21-mal als Verteidiger zum Einsatz. Nach einem vorübergehenden Abstieg der Chemiker in die DDR-Liga nahm Kunath in der Saison 1979/80 noch an zehn Spielen teil , ehe er dann mit 35 Jahren seine Laufbahn im höherklassigen Fußballgeschehen beendete.

Jochen Kunath ist seit 53 Jahren Mitglied beim SV Chemie Böhlen und fungierte lange als engagierter Funktionär, der derzeit noch die Vereinsarbeit sehr unterstützt. Jochen Kunath trainierte einige Mannschaften der Region.

Landesliga-Aufstieg mit Lobstädt

1987/88 führte er die BSG Aktivist Borna (heute Bornaer SV) in die DDR-Liga. Nach der Wende gelang sogar dem TSV Lobstädt unter seiner Leitung 1996 der Aufstieg in die Landesliga. Ob VfB Zwenkau, SV Eintracht Sermuth oder HFC Colditz: Allen Mannschaften, die Jochen Kunath trainierte, gelang meist der Aufstieg.

„Nachdem ich im August 2002 mit dem SV Eintracht Sermuth den Aufstieg in die Bezirksliga feierte, überraschte uns ganz gemein das Jahrhunderthochwasser. Am Montag darauf griff die Mannschaft fest mit zu, um das überflutete Stadion wieder in einen bespielbaren Zustand zu bringen“, erzählt Jochen Kunath noch.

Am Montag fiel dessen 75. Geburtstag dagegen nicht ins Wasser. Wir wünschen noch im Nachhinein dem 2015 zum Ehrenbürger von Böhlen gekürten ehemaligen DDR-Oberligaspieler Jochen Kunath Gottes Segen, alles Gute bei bester Gesundheit und noch viel Freude am Fußballsport.