20. August 2020 / 10:37 Uhr

Eilenburg vor dem Pokalfinale: Knaubel wünscht sich, dass "Jungs auf den Punkt Einen raushauen"

Eilenburg vor dem Pokalfinale: Knaubel wünscht sich, dass "Jungs auf den Punkt Einen raushauen"

Susan Stephan
Leipziger Volkszeitung
Nach dem Siegtor im Halbfinale gegen den 1. FC Lok brachen alle Jubel-Dämme. Rechts freut sich Trainer Nico Knaubel.
Nach dem Siegtor im Halbfinale gegen den 1. FC Lok brachen alle Jubel-Dämme. Rechts freut sich Trainer Nico Knaubel. © Picture Point
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Mit der BSG Chemie und dem 1. FC Lok Leipzig hat der FC Eilenburg auf dem Weg ins Finale des Sachsenpokals zwei Favoriten aus dem Weg geräumt. Nun wartet der Chemnitzer FC. Im SPORTBUZZER-Interview gibt FCE-Coach Nico Knaubel einen Einblick in sein Seelenleben vor dem großen Showdown am Samstag.

Eilenburg. Der FC Eilenburg steht vor dem größten Spiel seiner Vereinsgeschichte. Zum ersten Mal hat die Mannschaft von Trainer Nico Knaubel das Endspiel um den Sachsenpokal erreicht, zuvor im Achtelfinale die BSG Chemie Leipzig und im Halbfinale den 1. FC Lok Leipzig jeweils mit 1:0 bezwungen. Auf eigenem Platz ist der FCE eine Macht. Vor dem Duell des Fußball-Oberligisten am Sonnabend (14.45 Uhr, Ilburg-Stadion, live im SPORTBUZZER-Radio) mit dem Drittligaabsteiger Chemnitzer FC spricht der Eilenburger Coach über Siegprämien, Wünsche und die Spielidee.

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Der FC Eilenburg steht erstmals im Finale des Cupwettbewerbs und so vor einer historischen Premiere. Wie oft schwirrt Ihnen dieses Spiel am Tag durch den Kopf?

Ständig (lacht). Ich denke viel öfter als die Spieler daran und mache mir Gedanken um die Aufstellung. Als Mitarbeiter beim Sächsischen Fußballverband werde ich auch immerzu auf dieses Spiel angesprochen. Als ich erfolgreich den Tacker gefüllt habe, meinte mein Kollege, dass so am Samstag ja nichts schief gehen kann. Das Finale ist allgegenwärtig. In der Stadt, im Verein, in der Mannschaft.

In der Geschäftsstelle des Verbandes fand am Mittwoch die obligatorische Pressekonferenz statt. Sie hatten einen kurzen „Anfahrtsweg“, quasi von einem Büro in das andere. Wie groß war die Aufregung?

Ich war eigentlich ganz entspannt. Pressekonferenzen gibt es in der Oberliga auch öfter nach den Partien, aber vor dem Spiel ist es dann auch für mich eine Premiere gewesen.

Was bedeutet dieses Finale für den Verein?


Damit geht für alle Beteiligten ein Traum in Erfüllung. Jeder Fußballer und Mitarbeiter in einem Amateurklub träumt doch davon, irgendwann einmal die große Bühne zu betreten. Der Finaleinzug ist auch ein Ausdruck für die hervorragende Entwicklung bei uns im Verein. 2017 haben wir den Aufstieg aus der Landesliga in die Oberliga geschafft. Dort gehörten wir nun dreimal in Folge zu den besten fünf Mannschaften. Wir sind sehr stolz auf unsere Leistungen in den vergangenen Jahren. Der Dank dafür gilt aber nicht nur der ersten Mannschaft, sondern auch jedem einzelnen der vielen ehrenamtlichen Helfer, die tagtäglich mit Herzblut dabei sind. Es ist schön, wenn man merkt, dass sich die harte Arbeit lohnt.

Der Chemnitzer FC ist aus der 3. Liga abgestiegen, gehört mit seinem neuformierten Team zu den Aufstiegskandidaten in der Regionalliga. Haben Sie schon eine Spielidee, wie Ihre Mannschaft diesen Favoriten knacken kann?

Eine Spielidee wächst im Kopf, ist aber abhängig von den Spielern. Momentan haben wir noch einige Fragezeichen. Der Schlüssel zum Erfolg wird in der Einstellung der Mannschaft liegen. Wir müssen giftig und griffig sein. Wir haben Respekt, aber keine Angst vor dem Gegner und werden uns nicht nur hinten rein stellen und die Bälle nach vorn schlagen. Wir wollen diese schwierige Aufgabe fußballerisch lösen.

Chemnitz steckt in argen finanziellen Nöten, hat den Saisonauftakt gegen Viktoria Berlin vermasselt und braucht dringend jeden Euro. Der Druck liegt beim CFC. Ist das der große Vorteil für Sie und Ihre Mannschaft?

Es kommt darauf an, inwieweit der Chemnitzer FC das Finanzproblem vom Team weghalten kann. Natürlich haben sie mächtig Druck auf dem Kessel, aber sie werden auch von Woche zu Woche besser und eingespielter.

DURCHKLICKEN: Der Weg des FCE ins Sachsenpokalfinale

Als Oberligist stieg der FC Eilenburg in der zweiten Pokalrunde ein und gewann 4:0 bei der SpVgg Reinsdorf-Vielau - nach Treffern von Fabian Döbelt, Tim Bunge, Toni Majetschak und einem Eigentor. Zur Galerie
Als Oberligist stieg der FC Eilenburg in der zweiten Pokalrunde ein und gewann 4:0 bei der SpVgg Reinsdorf-Vielau - nach Treffern von Fabian Döbelt, Tim Bunge, Toni Majetschak und einem Eigentor. ©

Haben Sie den Chemnitzer FC beobachtet?

Wir haben uns die zweite Halbzeit bei der 1:2-Heimniederlage gegen Viktoria Berlin auf der Rückfahrt von unserem Auswärtsspiel im Bus angeschaut.

Und haben Sie Schwachstellen gefunden?

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Nein (lacht). Vielleicht beim zweiten Mal hingucken. Der CFC befindet sich im Umbruch, hat einen neuen Trainer und viele neue Spieler. Klar ist, dass Chemnitz über einen hochkarätig besetzten Kader verfügt und wir in Sachen individuelle Klasse nicht mithalten können. Das heißt aber nicht, dass wir chancenlos sein müssen. Ich bin davon überzeugt, dass eine funktionierende Gemeinschaft immer gegen starke Individualisten bestehen und gewinnen kann.

Gibt es irgendwelche Verbindungen zwischen dem Chemnitzer FC und dem FC Eilenburg?

Nicht wirklich. Unser Torhüter Andreas Naumann stammt aus dem Leistungszentrum des Chemnitzer FC. Das ist aber auch schon einige Jahre her.

Mehr zum Finale

Das Spiel findet immense mediale Präsenz, die Akteure stehen auf der ganz großen Bühne. Welche Rolle spielt das und wie stellen Sie Ihr Team darauf ein?

Es wird wichtig sein, die große mediale Aufmerksamkeit auszublenden und den Fokus nur auf das Spiel zu legen. Es geht um das Erlebnis, auf großer Bühne bestmöglichen Fußball zu spielen und nicht nur im Fernsehen zu sehen zu sein. Alles andere lenkt dich nur ab. Kurz gesagt: Es muss für meine Jungs egal sein, ob die Mutti mit dem Handy filmt oder die TV-Kameras laufen.

Hat die Mannschaft eine Siegprämie ausgehandelt?

Am Freitag sind die scharfen Verhandlungen, habe ich zumindest läuten gehört.

Bei einem Sieg über Chemnitz wäre auch die erste DFB-Pokal-Qualifikation der Vereinsgeschichte perfekt. Gibt es schon Planungen für die Party danach?

Das machen wir alles spontan. Ich habe mir den Samstagabend jedenfalls freigehalten. Wir werden das letzte Kapitel unserer Pokalgeschichte schreiben und das soll ein Happy End werden.

DURCHKLICKEN: Halbfinale zwischen Eilenburg und Lok Leipzig

Überraschung in Eilenburg: Der Oberligist setzt sich im Halbfinale des Sachsenpokals mit 1:0 gegen Favorit 1. FC Lok Leipzig durch. Zur Galerie
Überraschung in Eilenburg: Der Oberligist setzt sich im Halbfinale des Sachsenpokals mit 1:0 gegen Favorit 1. FC Lok Leipzig durch. ©

Es wurde bereits gemunkelt, dass im Falle eines Sieges ein Waldweg nach Ihnen benannt wird. Welchen Stellenwert hat das Finale für Sie persönlich?

Es hat einen enorm großen Stellenwert. Wir sind Landesmeister geworden und wollen nun mit etwas Verzögerung das Double perfekt machen.

Bei einem Erfolg im Sachsen-Cup würde Ihre Mannschaft in der ersten Runde des DFB-Pokals den Bundesligisten TSG Hoffenheim empfangen. Neuer Cheftrainer dort ist Sebastian Hoeneß, Ihr Nachfolger als U15-Trainer bei RB Leipzig. Wie gut kennen Sie sich?

Wir sind uns nur kurz über den Weg gelaufen und haben einige Worte ausgetauscht. Ein Wiedersehen hätte schon etwas.

Was wünschen Sie sich am Sonnabend?

Dass die Jungs auf den Punkt Einen raushauen und zeigen, was in ihnen steckt.