04. Februar 2021 / 09:33 Uhr

Eilenburgs Nachwuchsleiter Trybusch: "Gefahr, dass viele Kinder dem Sport verloren gehen"

Eilenburgs Nachwuchsleiter Trybusch: "Gefahr, dass viele Kinder dem Sport verloren gehen"

Susan Stephan
Leipziger Volkszeitung
Mike Trybusch inmitten einer Nachwuchs-Mannschaft des FC Eilenburg.
Mike Trybusch inmitten einer Nachwuchs-Mannschaft des FC Eilenburg. © Susan Stephan
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Der FC Eilenburg tut viel in Sachen Nachwuchsarbeit. Alle Aktivitäten rund um das Thema koordiniert Mike Trybusch, ehrenamtlich versteht sich. Wir haben uns mit dem 50-Jährigen über den Stand der Dinge, Training im Lockdown und die Probleme des erzwungenen Stillstands unterhalten.

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Eilenburg. Mike Trybusch ist Gründungsmitglied des FC Eilenburg und seit mehr als zwölf Jahren beim größten Fußballklub Nordsachsens im Nachwuchs engagiert. Erst als Trainer und seit einigen Jahren als Nachwuchskoordinator. Der ehrenamtliche „Job“ raubt viel Zeit, kostet manchmal Nerven, macht dem selbstständigen Fernseh-Experten aber enorm viel Spaß. Durch Corona hat sich auch für Mike Trybusch einiges verändert. Stillstand kennt der 50-Jährige aber nicht – und so geht er mit Ideen voran. Der SPORTBUZZER hat den Familienvater zum Interview getroffen.

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SPORTBUZZER: Sie sind dicht dran am Nachwuchs. Spüren Sie schon Auswirkungen der Pandemie?

Mike Trybusch: Personell, also was die Mitgliederzahlen betrifft, ist zum Glück beim FC Eilenburg nichts passiert. Es gab nur zwei Abmeldungen in der U15 – und die waren mit dem Wechsel zweier Spieler zu Erzgebirge Aue eher positiv. Trotzdem haben wir den Lockdown natürlich auch voll zu spüren bekommen. Wir bieten in sechs von sieben Eilenburger Kindergärten Fußballtraining an, das liegt seit Monaten auf Eis, genauso wie die GTA-Angebote in den Grundschulen. Gerade in diesen Altersklassen sichten wir darüber Spieler und fördern das Interesse am Sport. Der Zugang zum Verein ist dadurch viel leichter. Das haben wir in den vergangenen Jahren deutlich gespürt. Was mich besonders geärgert hat, war, dass der beliebte Kindergartencup gleich zweimal abgesagt werden musste. Erst im April und dann später leider auch im Dezember.



Die Kinder dürfen seit Monaten nicht gemeinsam trainieren. Wie gelingt es, sie trotzdem bei der Stange halten?

Wir haben in unserem Verein sehr engagierte Nachwuchstrainer, die Kontakt zu den Spielern halten. Natürlich ist auch das immer abhängig vom individuellen Einsatz der Trainer. In der D-Jugend besteht seit November ein enger Austausch mit regelmäßigen Aufgaben. Im November ist das Team beispielsweise zusammen 1000 Kilometer gelaufen – natürlich jeder für sich. In der C-Jugend gibt es einen Trainingsplan, dessen Einhaltung von den Trainern via App überprüft wird. Momentan sind aber auch die Eltern gefordert. Es muss auch in ihrem Interesse sein, dass sich die Kinder bewegen. Wer heiß auf Fußball ist, findet eine Möglichkeit an der frischen Luft zu üben. Viel braucht es für unseren Sport ja zum Glück nicht.

Mike Trybusch greift zum Mikro.
Mike Trybusch greift zum Mikro. © Susan Stephan

Die Kinder sind das eine, das Ehrenamt das andere. Experten befürchten, dass viele Ehrenamtliche nach Corona nicht zurückkommen. Gibt es solche Anzeichen beim FC Eilenburg?

Zum Glück noch nicht, ich erlebe eher das Gegenteil. Viele holen sich Rat, was sie mit den Kindern machen können und fiebern dem Tag entgegen, wenn es endlich wieder losgeht. Fruchtbar war auch eine Video-Konferenz, an der alle Übungsleiter und die Trainer der Ersten teilgenommen haben. Der Austausch war intensiv und hat viele Ideen gebracht.

Gibt es Signale, ob und wann es weitergeht?

Wir hoffen, dass wir mit dem Training beginnen dürfen, sobald der strenge Lockdown vorbei ist. Bis Ende Februar wird sich kein Ball drehen dürfen. Das hat der Nordsächsische Fußballverband offiziell so festgelegt. Wenn alles gut läuft, spielen wir ab Ostern zumindest die Hinrunde zu Ende.

Was ist das größte Problem dieses langen Stillstandes?

Natürlich besteht die Gefahr, dass viele Kinder dem Sport verloren gehen. Der Lockdown kann für den Amateursport und die Kinder kein Dauerzustand sein. Dazu kommen die finanziellen Verluste. Viele Sponsoren haben derzeit selber Probleme und werden die Vereine möglicherweise nicht mehr in dem Umfang unterstützen können wie bisher. Ich bin froh, sagen zu können, dass alle Übungsleiter und Trainer beim FC Eilenburg auf ihre Aufwandsentschädigung verzichtet haben. Ich habe zu Beginn des Lockdown an die Solidarität appelliert und alle haben mitgezogen. Das war eine großartige Geste.

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Haben Sie Tipps für Eltern, die Ihre Kinder motivieren wollen, am Ball zu bleiben?

Eltern sollten der motivierende Faktor sein. Sport muss Spaß machen, darf keine Qual sein. Eine Runde im Park zum Sporttreiben entlastet von dem Stress und den angespannten Situationen, in denen sich viele Familien befinden. Unsere Trainer sind angehalten, regelmäßig Kontakt zu den Spielern zu halten. Manche machen das mehr, andere weniger. Uns muss allen bewusst sein, dass Sport für Kinder auf dem Weg zu einem gesunden Leben extrem wichtig ist. Sport muss gefördert werden.

Apropos gefördert: Bei den Kleinen kommt von oben selten etwas an…

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Das ist ein riesiger Kritikpunkt. Bei der Verteilung der Gelder in der Politik und beim Deutschen Fußball-Bund kommt an der Basis selten etwas an. Kein Wunder, dass es immer weniger Vereine und Mannschaften gibt. Während die Profis – übertrieben gesagt – im Geld schwimmen, sind wir glücklich, dass uns die Stadt Eilenburg und unsere Sponsoren, die teilweise eigene Probleme haben, weiter unterstützen.

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