13. Dezember 2019 / 19:19 Uhr

Ein Derby, eine Watschn – und der VfB Lübeck hatte einen neuen Fan

Ein Derby, eine Watschn – und der VfB Lübeck hatte einen neuen Fan

Jürgen Rönnau
Lübecker Nachrichten
VfB-Torwart-Trainer Walter Franta.
VfB-Torwart-Trainer Walter Franta. © Agentur 54°
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Vor gut einem Jahr begann Walter Franta auf der Lohmühle als Torwarttrainer beim Regionalligisten. Gleich sein zweites Spiel war das Landesderby bei Holstein Kiel II, das vor Gericht endete . . .

Er ist groß wie eine Tür, und wenn er tief einatmet, dann ist er auch so breit. Ein bisschen Furcht einflößend vielleicht. Aber wer Walter Franta ins Gesicht schaut, der bekommt fast immer einen freundlichen Blick zurück vom „gentle Giant“ von der Lohmühle, vom sanften Riesen. Seit gut einem Jahr erst ist der Österreicher in Lübeck, aber als „Tormanntrainer“, wie er selbst es nennt, ist er längst eine Institution beim VfB. „Ein geiler Verein, geile Fans, eine geile Stadt“, sagt der 47-Jährige, dessen Liebe zu Grün-Weiß beim Landesderby vor einem Jahr bei Holstein Kiel II so richtig entfacht worden ist.

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„Das ist wirklich ein geiler Support“

Sein Landsmann und Freund Rolf Landerl hatte ihn zur Lohmühle gelockt, am 5. November 2018 hatte Franta beim VfB unterschrieben – eine Woche später setzte es gleich mal ein 1:5 beim VfB Oldenburg. Zeit, in Zweifel zu fallen, hatte er nicht, es stand nämlich das Landesderby an als nächstes, auswärts bei Holstein Kiel II. Er spürte, dass da ein besonderes Match auf dem Plan stand, es herrschte eine große Unruhe im Umfeld. „Landesderbys kannte ich natürlich“, sagt er. „Admira gegen St. Pölten zum Beispiel. Da kommen auf jeder Seite 100 Fans, das war’s. VfB gegen Holstein, das ist eine andere Nummer.“ Und er benutzt eine seiner Lieblingsvokabeln: „Das ist wirklich ein geiler Support.“ Dass der VfB an jenem 17. November 2018 1:2 in Kiel verlor, war nur die eine Sache. Denn es gab da noch das Nachspiel.

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"Ich machte den Scheibenwischer und fing eine Watschn"

Walter Franta wollte nach dem Schlusspfiff in die Kabine, der schützende Spielertunnel wurde gerade ausgefahren, „ich musste einen Schritt zurücktreten“. Dabei geriet er in die Reichweite eines „durchgeknallten“ Holstein-Fans auf der Tribüne. Franta erinnert sich: „Der Mann pöbelte, ich machte den Scheibenwischer und fing eine Watschn, Daniel Franziskus ging dazwischen, wurde ebenfalls geschlagen.“ Dann kamen Ordner. Es gab eine Strafanzeige. Erst vor zehn Wochen endete die Sache vor Gericht. Franta: „Dani und ich waren als Zeugen geladen, aber wir wurden gar nicht mehr gehört, der Straftäter wurde so verurteilt.“

Torwarttrainerlizenz verlängert

Der Fall sei abgeschlossen, er werde da auch kein Öl mehr ins Feuer gießen – Franta hat anderes zu tun. So musste er gerade für anderthalb Tage nach Wien fliegen, um dort einen Kurs zu absolvieren zur Verlängerung seiner Torwarttrainerlizenz. „Das war Stress und unnötig, ich hätte den Kurs auch im April in Hannover machen können – aber das wollte man in Österreich nicht anerkennen, das sah die Trainerordnung nicht vor“, ärgert sich der 47-Jährige.

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Franta und Landerl aus Lübeck per Video zugeschaltet

Den nächsten Termin, ebenfalls in Wien, nahm er nicht persönlich wahr. Am 11. Dezember wurde das Fachbuch „Spannungsfelder im Fußball – Alternative Wege in der Ausbildung“ vorgestellt (Amazon, 22 Euro), zu dem er und Landerl umfangreich beigetragen haben. Beide waren aus Lübeck per Video zugeschaltet.

"Ich stelle nach Schwanzlänge auf“

Holstein Kiel II - VfB Lübeck

Der VfB bei der Mannschaftsbesprechung, während es auf der rechten Seite funkt und kracht. Zur Galerie
Der VfB bei der Mannschaftsbesprechung, während es auf der rechten Seite funkt und kracht. ©

Tags drauf hatte Franta den nächsten Termin, „lieben Besuch einer Kollegin“. Imke Wübbenhorst war zu Gast auf der Lohmühle. Der Torwartcoach kennt die Ex-DFB-Nationalspielerin aus seiner Zeit als „Torfrautrainer“ beim österreichischen Fußballverband, lud sie ein als er erfuhr, dass sie eine Freundin in Lübeck besucht. Wübbenhorst? Ja, die 30-Jährige erlangte gerade Prominenz als erste Frau als Cheftrainerin im Männerleistungsfußball beim BV Cloppenburg. Und zusätzlich, weil sie auf eine Journalistenfrage, nach welchen Kriterien sie die Elf aufstelle, antwortete: „Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf.“ Dafür wurde sie Ende Oktober sogar mit dem „Deutschen Fußball-Kulturpreis“ ausgezeichnet. In Lübeck hielt sie den Ball flach, kickte auf der Lohmühle eine Runde mit Kollegen. Für Franta und das VfB-Trainerteam eine nette Abwechslung, dann wurde es wieder ernst. Das Landesderby am Sonntag in Kiel liegt voll im Fokus. Franta: „Die Erwartungshaltung ist groß, die Last auch – aber wir werden die drei Punkte holen. Dann geht’s weiter!“

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