02. Dezember 2021 / 11:46 Uhr

Ein Derby mit Wehmut: Knochenmarködem bremst FC Eilenburgs Tim Bunge aus

Ein Derby mit Wehmut: Knochenmarködem bremst FC Eilenburgs Tim Bunge aus

Susan Stephan
Leipziger Volkszeitung
Tim Bunge dribbelt am gegnerischen Hüter vorbei (hier in einem früheren Spiel gegen Wacker Nordhausen).
Tim Bunge dribbelt am gegnerischen Hüter vorbei (hier in einem früheren Spiel gegen Wacker Nordhausen). © Thomas Jentzsch
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Am Samstag gastiert der FC Eilenburg zum Derby bei der BSG Chemie Leipzig. Nicht mit dabei ist Ex-Leutzscher Tim Bunge, der an einer sehr seltenen Verletzung laboriert, welche sogar seine Karriere bedroht.

Eilenburg. Auf die Frage nach dem Lieblingsgegner in der Regionalliga haben vor der Saison 75 Prozent aller Eilenburger Spieler mit „Chemie Leipzig“ geantwortet. Die Grün-Weißen aus Leutzsch sind schon ein Stück weit freundschaftlich mit dem FCE verbunden. Man versteht und kennt sich. Auf Präsidentenebene, Trainerebene und Spielerebene. Am Samstag (ab 13 Uhr Livestream im MDR) wird die Freundschaft zumindest für 90 Minuten ruhen, denn zum Rückrundenstart werden aus Freunden wieder Gegner. Beide haben ein Ziel: einen guten Auftakt in den Dezember und die letzte Phase vor der Winterpause. Fußballatmosphäre wird nicht aufkommen. Das Spiel findet vor leeren Rängen statt.

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Bunge-Rückkehr ungewiss

Einer, der Chemie und Eilenburg so gut kennt, wie kaum ein Zweiter ist Tim Bunge. „Chemie ist mein Verein, die beiden Spiele gegen unsere Mannschaft, sind die einzigen in der Saison, in denen ich nicht auf Chemie halte“, sagt der 25-Jährige, der seit 2019 für den FC Eilenburg spielt und gerade seine „schlimmste Zeit als Fußballer“ durchlebt.

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Ein entzündeter Knochen im Knie – ein sogenanntes Knochenmarködem – bremst den 25-Jährigen seit Mai aus. Rückkehr ungewiss. „Es ist die schlimmste Verletzung, die einem Fußballer passieren kann, weil keiner wirklich helfen kann“, sagt Bunge, dem nur eins bleibt: Geduldig abwarten. „Außer Tabletten und Ruhe hilft nichts. Leider.“ Zwischendurch keimte schon mal Hoffnung, gingen die Entzündungswerte herunter, doch nach zwei Wochen Lauftraining schmerzte das Knie erneut. Kurz vor Weihnachten wird via MRT noch einmal geschaut. Bunge hofft, dass er dann endlich grünes Licht bekommt, eine Sicherheit dafür gibt es nicht.


„Wenn du dir den Arm brichst oder das Kreuzband reißt, weißt du, was du machen musst, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Ich kann leider nichts machen. Das ist extrem hart und übelst belastend“, sagt der Top-Stürmer, der schmerzlich vermisst wird. Sein Ziel ist jetzt die Rückrunde. Bunge zweifelte zwischendurch, hat diese Talsohle aber gemeistert und versucht optimistisch nach vorn zu blicken. „Ich möchte der Mannschaft in dieser Saison noch helfen.“

Der "verlorene Sohn"

Der Fußball-Fanatiker ist trotz der langen Pause dicht dran am Team, verpasst kein Spiel und ist zwei Mal pro Woche während der Trainingszeit zur Physio im Stadion. „Die Mannschaft bestärkt mich. Wir haben ein super Verhältnis, viele sind Freunde und Kumpels. Sie sagen, dass ich endlich fit werden soll. Der Zuspruch hilft ungemein."

Mit Blick auf das Spiel am Samstag glaubt Bunge an eine enge Kiste. „Es ist schwer in Leutzsch zu gewinnen, aber ich traue uns alles zu und hoffe, wir fahren mit Zählbarem zurück“, so der Stürmer, der fest an den Klassenerhalt glaubt. „Wir haben ein bisschen gebraucht, um uns an die Liga zu gewöhnen, jetzt sind wir angekommen. Wenn endlich alle fit sind, schaffen wir den Klassenerhalt locker“, ist Bunge überzeugt.

Nicht nur Bunge hat eine Chemie-Vergangenheit. Auch Adam Fiedler, Branden Stelmak und Philipp Sauer spielten einst für Grün-Weiß. Jener Sauer wird am Samstag fehlen. Er ist Gelb-Rot gesperrt. Ansonsten kann Trainer Nico Knaubel mit Ausnahme der Langzeitverletzten auf alle Spieler zurückgreifen. Einen würden die Eilenburger neben drei Punkten am Samstag direkt gleich mit nach „Hause“ nehmen: Benjamin Luis. Der „verlorene Sohn“ ist angesichts der Offensiv-Qualität bei der BSG nur hinten dran, zuletzt oft nicht mal im Kader. „Uns würde Benni extrem helfen. Wir nehmen ihn am besten gleich mit“, flachste Knaubel.