05. Oktober 2019 / 08:03 Uhr

Ein Derby zum Geburtstag: Rainer Lisiewicz feiert 70. Geburtstag

Ein Derby zum Geburtstag: Rainer Lisiewicz feiert 70. Geburtstag

LVZ-Sportbuzzer
Leipziger Volkszeitung
Lok Leipzigs Trainer Rainer Lisiewicz

 beim Abschiedsspiel von Markus Krug. Am Sonntag feiert er - passend zum Derby gegen die BSG Chemie Leipzig - seinen 70. Geburtstag
Lok Leipzigs Trainer Rainer Lisiewicz beim Abschiedsspiel von Markus Krug. Am Sonntag feiert er - passend zum Derby gegen die BSG Chemie Leipzig - seinen 70. Geburtstag © Christian Modla
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Der ehemalige Lok-Flügelflitzer und Kulttrainer Rainer Lisiewicz begeht am Sonntag beim Derby in Leutzsch runden Geburtstag

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Leipzig. „Ich denke, dass Chemie mir einen großen Blumenstrauß schenkt – und drei Punkte.“ Rainer Lisiewicz sagt diesen Satz mit einem herzhaften Lachen. Der Derby-Sonntag in Leutzsch (Anpfiff 13 Uhr, live im MDR) fällt genau auf den 70. Geburtstag des Lok-Cheftrainers, der diesen Posten zuallererst auf dem Papier innehat, weil Teamchef Björn Joppe die Lizenz (noch) fehlt. Die Familie wird also in den Sonntag reinfeiern – der Ehrentag gehört dem Fußball. „Lise“ macht das seit neun Monaten laufende Comeback in Probstheida Spaß: „Ich habe keine Verantwortung, aber einen tollen Draht zur Mannschaft. Und ich werde von Björn Joppe und Wolfgang Wolf gefragt, bringe meine Sichtweise ein.“

Der gebürtige Dahlener hat etliche Derbys gegen Chemie als Spieler erlebt. Eine besonders originelle Konstellation ist ihm in Erinnerung, als sein Onkel Klaus in den gegnerischen Chemie-Reihen kickte. „Wir sind uns im Spiel aber kein einziges Mal begegnet. Und wenn ich mich richtig erinnere, war es ein ziemlich schlechtes 0:0.“ Sein Onkel erinnert sich besser – er hat ja auch 2:0 gewonnen ...

DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von Rainer Lisiewicz

Mai 1979: Chemie Böhlen besiegt den 1. FC Lok. Bernd Hubert schießt das zweite Tor für Böhlen. Udo Rietzschel (8) kann nicht mehr eingreifen. In der Mitte Havenstein, Liebers, rechts vor Stötzner Rainer Lisiewicz. Zur Galerie
Mai 1979: Chemie Böhlen besiegt den 1. FC Lok. Bernd Hubert schießt das zweite Tor für Böhlen. Udo Rietzschel (8) kann nicht mehr eingreifen. In der Mitte Havenstein, Liebers, rechts vor Stötzner Rainer Lisiewicz. ©
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Rainer spielte zwischen 1969 und 1978 143 Mal für Lok in der Oberliga, erzielte 22 Treffer und holte den FDGB-Pokal. Seine fußballerischen Sternstunden erlebte der wieselflinke Stürmer und Mittelfeldspieler 1973/74, als die Blau-Gelben bis ins Halbfinale des Uefa-Cups vordrangen. Dieser Erfolg steht zwar etwas im Schatten des EC-Finales, das die nächste Lok-Generation 1987 erreichte. „Aber wir hatten durchweg europäische Spitzenteams als Gegner – meist waren es die Vizemeister.“ Der morgige Jubilar war damals Stammspieler und traf vor 80 000 Fans im Zentralstadion beim 2:1 gegen den AC Turin sowie beim 3:0 gegen Fortuna Düsseldorf. „Wir hatten eine Bombentruppe und nur einen 15-Mann-Kader – verletzt war damals niemand.“ Trainer Horst Scherbaum habe das Team an der langen Leine laufen lassen.

DURCHKLICKEN: Stadtderby zwischen Lok und Chemie bleibt nicht friedlich

Das Leipziger Stadtderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie im November 2017 beschäftigte Hundertschaften von Polizisten und bliebt trotz aller Bemühungen im Vorfeld und am Spieltag nicht friedlich. Zur Galerie
Das Leipziger Stadtderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie im November 2017 beschäftigte Hundertschaften von Polizisten und bliebt trotz aller Bemühungen im Vorfeld und am Spieltag nicht friedlich. ©

„Lise“ kann etliche Anekdoten aus dieser Zeit erzählen. „Bei der Auslosung haben wir ständig zitternd am Radio gehangen und gedacht: ,Bitte nicht nach Polen oder in die CSSR.’“ Es ging nach Italien, die Bundesrepublik und dreimal nach England. Einer der dortigen Stadtführer steckte jedem Lok-Spieler 30 Pfund in die Hand – das Shopping für die Lieben daheim hatte den Namen nun wirklich verdient. In Düsseldorf war es der „Bild“ eine Meldung auf Seite 1 wert, wie Leipziger Spieler aus einem Erotik-Kino kamen. Da Lok gewann, blieb die Stasi entspannt. Auf dem Weg nach Turin traf Lok die Elf vom AC Mailand – die Italiener glänzten in ihren blauen Anzügen wie aus dem Ei gepellt. „Wenig später erhielten wir erstmals einheitliche Anzüge.“ Als sich zwei junge Damen in einem Berliner Hotel darüber lustig machten, wussten die Lok-Spieler: Ihr Schnitt und das „fesche“ Braun-Beige konnten mit den Maßanfertigungen aus der italienischen Modestadt nicht ganz mithalten. Das EC-Aus kam dann nach dem 1:2 und 0:2 im Halbfinale gegen Tottenham. „Schade, dass wir erst zu Hause und nicht unter Flutlicht gespielt haben. Die ganz große Atmosphäre kam da leider nicht auf.“

Mehr zum Spiel BSG Chemie Leipzig - 1. FC Lok Leipzig

Nach seiner Zeit bei Lok spielte der studierte Sportlehrer für Chemie Böhlen und war Trainer in Geithain, Grimma sowie Schkopau/Merseburg. Als 2004 der 1. FC Lok neu gegründet worden war, führte er den Verein von der 3. Kreisklasse bis in die Oberliga. In der Zeit gab es auch (siegreiche) Derbys gegen Chemie II. Später betreute er Sandersdorf. „Ich bin als Trainer mit jeder Mannschaft aufgestiegen“, betont er voller Stolz. Er steht noch gern auf dem Trainingsplatz und möchte auch seinen Sportlehrer-Job am Forum Thomanum nicht missen. „Ich fühle mich nach einer Hüft-OP wieder richtig fit, das macht mir alles viel Spaß.“

Aktuell findet er die Chemie-Truppe nicht schlecht aufgestellt. „Sie werden sich in der Liga halten“, glaubt Lisiewicz. Die Konstellation vor dem Spiel sei für beide Teams aus seiner Sicht nicht die schlechteste. „Schwieriger wäre die Situation, wenn wir annähernd punktgleich wären oder wenn Chemie noch gar nichts geholt hätte.“ Vor seiner Zeit in Probstheida spielte er auch gut ein Jahr bei den Grün-Weißen in Leutzsch. „Fast wäre ich ein richtiger Chemiker geworden.“ Doch weil er während des Studiums in der Naunhofer Straße im Südosten der Stadt wohnte, entschied er sich für die kurzen Wege, ging zum Training ins Plache-Stadion. Dort kämpfte er sich von der 3. Mannschaft ganz nach oben – und ist heute Kult.

Frank Schober/Frank Müller

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