24. August 2020 / 13:18 Uhr

Ein Ex-Leipziger auf der Überholspur: Der märchenhafte Aufstieg des Joshua Kimmich

Ein Ex-Leipziger auf der Überholspur: Der märchenhafte Aufstieg des Joshua Kimmich

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Triple geholt, Traum erfüllt: Joshua Kimmich jubelt inmitten seiner Teamkollegen Kingsley Coman, Niklas Süle, Serge Gnabry, Leon Goretzka, David Alaba und Robert Lewandowski mit dem begehrten Champions-League-Pokal.
Triple geholt, Traum erfüllt: Joshua Kimmich jubelt inmitten seiner Teamkollegen Kingsley Coman, Niklas Süle, Serge Gnabry, Leon Goretzka, David Alaba und Robert Lewandowski mit dem begehrten Champions-League-Pokal. © Getty Images
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Mit dem 1:0 des FC Bayern München gegen Paris Saint-Germain holten sich gleich drei Ex-Leipziger den Champions-League-Titel. Einer von ihnen: Joshua Kimmich, der bei den Roten Bullen zum Profi reifte und in einem Zweitligaspiel das Interesse von Pep Guardiola weckte.

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Leipzig/München/Lissabon. 1:0 gegen Paris, die Bayern holen das Triple, die Fußball-Welt verneigt sich vor Matchwinner Kingsley Coman, Cheftrainer Hansi Flick und Co. Drei ehemalige Leipziger und eine in der Heldenstadt geborene Spiel-Idee sind mittendrin statt nur dabei.

Danny Röhl, 31, war Videoanalyst bei RB, ist bei den Bayern aufgestiegen, rechte Hand von Flick, angesehen, wichtig. Die Bayern-Spieler sind unter Chef Flick und Assistent Röhl zu Pressing-Maschinen geworden, haben die von Ralf Rangnick 2012 in Leipzig ausgerufene Balljagd perfektioniert. Röhl kann und weiß viel, will irgendwann irgendwo Cheftrainer werden. Nächster Halt des erdverbundenen Zwickauers: die Fußball-Lehrer-Lizenz.

Danny Röhl auf dem Trainingsplatz und nach dem Sieg in Lissabon mit dem begehrten Henkelpott.
Danny Röhl auf dem Trainingsplatz und nach dem Sieg in Lissabon mit dem begehrten Henkelpott. © imago images / Sven Simon / Privat

Auch ein Champions-League-Sieger: Keeper Ron-Thorben Hofmann, 21, spielte von 2013 bis 2015 im RB-Nachwuchs, stand in Lissabon im Bayern-Kader, darf lernen von Supermann Manuel Neuer. Es gibt schlechtere Perspektiven.

Der große Guardiola verliebt sich

Joshua Walter Kimmich liegt rücklings auf dem Rasen des Estadio da Luz in Lissabon. Genießt den Sieg über Paris, den Moment, die vorübergehende Krönung seines eigenen Fußball-Märchens. Vielleicht denkt der 25-Jährige auch an den 10. August 2014 in der Allianz-Arena zu München.

Der große Pep Guardiola ist an jenem Tag da, guckt zweite Liga. 1860 München verliert 0:3 gegen RB Leipzig. Pep verliebt sich. In Joshua Kimmich. Der 19-jährige Schwabe spielt seit einem Jahr für RB, hat viel vom früheren Fußballspieler Guardiola. Er ist ähnlich schmächtig, gleicht überschaubare Physis mit Übersicht, Passsicherheit, Handlungsschnelligkeit, Schläue und Mut mehr als aus. Pep und Jo treffen sich wenige Wochen später, sprechen drei Stunden, sind voneinander begeistert. 2015 wechselt Kimmich zu Bayern München. Von der zweiten Liga in die Beletage.

Josep Pep Guardiola holte Joshua Kimmich nach München, förderte und forderte ihn nach Kräften - und sparte nicht mit überschwänglichem Lob.
Josep "Pep" Guardiola holte Joshua Kimmich nach München, förderte und forderte ihn nach Kräften - und sparte nicht mit überschwänglichem Lob. © Getty Images

Böse Zungen melden sich. Kimmich könne froh sein, wenn er ab und an neben Hermann Gerland sitzen darf. Gerland ist die männliche Zugehfrau von Pep Guardiola.

Es kommt anders. Kimmich wird zum „Supersuperspieler" und „Wahnsinnstransfer“ (Guardiola), übernimmt eine tragende Rolle in der Nationalmannschaft, überholt, ohne zu blinken. Kimmich in einem SPORTBUZZER-Gespräch: „Wenn man bedenkt, dass man mir 2013 beim VfB Stuttgart nicht die Möglichkeit gegeben hat, dritte Liga zu spielen, ist es schon außergewöhnlich, was danach passiert ist." VfB-Sportvorstand Fredi Bobic senkte damals den Daumen, wollte den immer mal wieder verletzten Mittelfeldspieler statt in der U23 bei den A-Junioren weiterkicken lassen.

Schmerzhafter Start in Leipzig

Kimmich will mehr, wechselt im Sommer 2013 zum Drittligisten RB. Zu Sportdirektor Ralf Rangnick und Cheftrainer Alexander Zorniger. Der Neue kommt mit einer Schambeinentzündung ins österreichische Trainingslager am Walchsee. Eine hundsgemeine Verletzung, die das Karriereende bedeuten kann. RB-Ex-Physiotherapeut Alexander Sekora, 48 erinnert sich: „Ralf Rangnick und Alexander Zorniger wollten von mir wissen, wie lange das dauern kann. Ich sagte zwischen drei und fünf Monaten."

Mehr zum Triple-Gewinn

Im Oktober 2013 steht Jo nach schmerzhaften Audienzen auf Sekoras Pritsche erstmals in der Anfangsformation, ist beim 2:0 in Heidenheim Ballmagnet, Raumdeuter und bester Mann auf dem Platz. Nach dem Sieg bedankt er sich beim Mann mit den heilenden Händen, sagt später: „Ich hatte das Glück, dass Ralf Rangnick und Alexander Zorniger an mich geglaubt haben. Und dass Ase so ein Ass ist.“ Ase ist Alex Sekora.

Der ist Kimmich-Fan und - Freund, gönnt ihm den märchenhaften Aufstieg von Herzen. „Jo ist extrem ehrgeizig, ein geiler Kicker und kommt aus einem guten Elternhaus. Danke und bitte sind für ihn selbstverständlich." Die beiden kommen nicht voneinander los, haben sich noch in der Nacht nach dem 1:0 gegen Paris geschrieben. Kimmich hat Leipzig nicht vergessen.

Aufstieg mit RB Leipzig: Nach einem 5:1 (4:0) gegen den 1. FC Saarbrücken dürfen die Messestädter den Gang in Liga zwei antreten. Yussuf Poulsen, Joshua Kimmich, Tobias Willers und Matthias Morys (v.l.) lassen ihren Coach Alexander Zorniger hochleben.
Aufstieg mit RB Leipzig: Nach einem 5:1 (4:0) gegen den 1. FC Saarbrücken dürfen die Messestädter den Gang in Liga zwei antreten. Yussuf Poulsen, Joshua Kimmich, Tobias Willers und Matthias Morys (v.l.) lassen ihren Coach Alexander Zorniger hochleben. © Picture Point

In einem Interview mit dem SPORTBUZZER erklärt er das Bayern-Gen. „Akzeptanz hat mit Leistung zu tun. Sie müssen sich nur mal ein Training anschauen. Da sind Weltmeister und Champions-League-Sieger, die jeden Tag an ihre Grenzen gehen. Die heiß sind, jedes Trainingsspiel zu gewinnen und Titel zu holen. Wegen des Geldes spielt hier keiner. Wer schon alles erreicht hat und trotzdem immer Gas gibt, ist ein wahrer Champion. Und von all diesen Spielern will ich jeden Tag lernen.“ Hat er. Von Größen wie Philipp Lahm, Xabi Alonso oder auch Thomas Müller.

Jetzt lernen andere von ihm. Dem Superstar des FC Bayern München.