06. August 2020 / 10:52 Uhr

Ein Jahr Schiri-Chef: Laeseke über Corona, grüne Karten und Rot für Husten

Ein Jahr Schiri-Chef: Laeseke über Corona, grüne Karten und Rot für Husten

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Seit Jahren Schiedsrichter mit Leib und Seele: Mittlerweile ist Dennis Laeseke seit einem Jahr Schiri-Chef, übernahm das Amt im Juli 2019 offiziell von Herbert Schacht (r.).
Seit Jahren Schiedsrichter mit Leib und Seele: Mittlerweile ist Dennis Laeseke seit einem Jahr Schiri-Chef, übernahm das Amt im Juli 2019 offiziell von Herbert Schacht (r.). © NFV-Kreis Gifhorn/Sebastian Preuß
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Seit dem 5. Juli 2019 ist er offiziell Schiedsrichter-Obmann des Fußball-Kreises Gifhorn: Dennis Laeseke vom VfL Knesebeck. Mit dem 39-jährigen Polizisten sprach AZ/WAZ-Sportredakteur Maik Schulze über ein bewegtes erstes Jahr als Gifhorns Schiri-Chef, das plötzlich ganz im Zeichen von Corona stand und immer noch steht.

Seit einem Jahr sind Sie Schiri-Chef im Kreis Gifhorn. Eine ganze Saison hat’s aber nicht gegeben – wie haben Sie diese außergewöhnliche Spielzeit erlebt?
Wir steckten in der Vorbereitung auf die Rückrunde. Dann kam ja nicht mehr viel. Die Verwaltung lief natürlich weiter, auch Sitzungen fanden unter Corona-Bedingungen statt. Immerhin gab es für unsere Spiel-Ansetzer eine kleine Verschnaufpause. Die tat ihnen auch gut.

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Jetzt nimmt das Testspielgeschehen wieder Fahrt auf. Wie erleben die Schiedsrichter diese Partien, was hat sich für die Unparteiischen aufgrund von Corona verändert?
Wir verzichten auf die Passkontrollen, nehmen stattdessen den Online-Spielbericht, setzen darauf, dass die Eintragungen stimmen. Es ist auch nicht einfach Pass-Gesichts-Kontrollen zu machen. Wenn man dann dabei Masken tragen muss, kann man sowieso nichts erkennen. Den Handshake vorm Spiel wird es vorerst weiterhin nicht geben. Auch auf das gemeinsame Einlaufen in der Kreisliga und den 1. Kreisklassen verzichten wir. Die Seitenwahl macht der Schiri ohne seine Assistenten mit den Kapitänen.

Seit Samstag dürfen pro Team 24 Personen – inklusive Schiris an einem Spiel teilnehmen. Haben Sie Sorge, dass der Personenkreis zu groß ist?
Nein. Im Gegenteil. Ich begrüße es, dass die Mannschaften in der Vorbereitung wieder vernünftig durchwechseln dürfen. Wenn die Teams sich nicht einigen können, sind bis zu sechs Auswechslungen pro Mannschaft erlaubt. Aber wenn sich die Teams einig sind, ist natürlich noch mehr möglich.


Wenn dann die Punktspiel-Saison startet, gibt es im Bezirk und im Kreis Gifhorn bis runter in die 2. Kreisklasse getrennte Staffeln...

...und das bedeutet weniger Spiele. Wir prüfen jetzt, ob wir dadurch vielleicht mehr Unparteiische auf Kante haben, mehr Spiele besetzen können. Zuletzt wurden ja schon in der 2. Kreisklasse nicht mehr alle Spiele besetzt. Vielleicht können wir das wieder ändern.

Weniger Spiele bedeutet aber auch, dass jede einzelne Partie wichtiger wird. Wie bereiten Sie die Schiedsrichter darauf vor?
Wir werden unsere Unparteiischen dafür sensibilisieren. Die Bedeutung der Spiele steigt, es gibt zudem jede Menge Derbys. Darauf sollten wir vorbereitet sein. Bisher hat es auch viele Begegnungen gegeben, in denen es nicht mehr um viel ging, das wird jetzt anders werden. Natürlich weiß man nicht, ob die Duelle dadurch ruppiger werden, aber man muss als Unparteiischer die Rahmenbedingungen immer im Kopf haben.

Sie haben mit ihrem Team den Halbtagsschiri ins Leben gerufen, bei dem sich zwei Personen ab diesem Sommer die Spielanzahl eines Referees teilen können. Wie sieht es mit der aktuellen Entwicklung aus?
Wir hoffen, mit dieser Möglichkeit einen neuen Anreiz zur Ausbildung als Fußball-Schiedsrichter geschaffen zu haben. Für unseren nächsten Anwärterkurs im September halten sich die Anmeldezahlen noch in Grenzen. Das darf sich gern ändern. Wie genau der Lehrgang stattfinden wird, steht noch nicht fest. Vielleicht wird es ein Online-Lehrgang werden. Ausbilden werden wir auf jeden Fall, denn es gibt ja auch immer Schwund.

Der SV Eischott (1. Kreisklasse Gifhorn) gewann beim VfR Eintracht Nord (1. Kreisklasse Wolfsburg) mit 5:0.

Der SV Eischott (1. Kreisklasse Gifhorn) gewann beim VfR Eintracht Nord (1. Kreisklasse Wolfsburg) mit 5:0. Zur Galerie
Der SV Eischott (1. Kreisklasse Gifhorn) gewann beim VfR Eintracht Nord (1. Kreisklasse Wolfsburg) mit 5:0. © Britta Schulze

Was waren denn die schönsten Momente im ersten Jahr als Schiri-Chef für Sie?
Die Ehrungstermine. So gab es einen Ehrungs-Abend für Vereine, die über ihrem Schiedsrichter-Soll lagen und natürlich die Auszeichnung von Schiedsrichtern auf dem Kreisehrungstag. Zudem ergab sich die Begleitung eines Kameraden zu seiner Ehrung der Aktion “Danke Schiri” durch den Verband in Hannover. Es ist einfach schön, wenn man die Jungs mal auszeichnen kann. Und ich freue mich, dass wir in der kommenden Saison wieder einen Schiri-Austausch mit dem Kreis Wolfsburg betreiben werden. Vielleicht kann man das in der Folge dann auch mit anderen Nachbarkreisen in Angriff nehmen.

Bis zur Corona-bedingten Pause gab es bundesweit immer wieder Schlagzeilen, in denen es um Tätlichkeiten gegen Schiris ging. Gibt es auch im Kreis Gifhorn solche Probleme?
Von Tätlichkeiten sind wir verschont worden. Ich hoffe auch, dass diese Ausmaße uns nicht erreichen werden. Auch deshalb schwebt mir für die Zukunft ein Projekt vor. Vielleicht bekommt der Schiri eine grüne Karte, die er zieht, wenn die Emotionen zu sehr hochkochen. Dann unterbricht er das Match für fünf Minuten, damit alle mal wieder runterkommen und überdenken, was angebracht ist und was zu weit geht.

Fußballer können zukünftig auch wegen absichtlichen Hustens in Richtung Schiedsrichter oder anderen Spielern des Feldes verwiesen worden. Das beschlossen die Regelhüter des International Football Association Board. Die neue Richtlinie wurde zum Schutz vor dem Coronavirus in das Regelwerk aufgenommen. Jede Bestrafung liegt aber im Ermessen des Schiedsrichters. Was sagen Sie dazu?
Ich tue mich schwer mit dem „absichtlich“. Als ich ausgebildet wurde, gab es das Wort nur im Zusammenhang mit Handspiel. Du kannst ja nicht die Gedanken des Spielers lesen, deshalb gibt es für mich auch kein absichtliches Treten, oder eben Husten. Da eine Grenze zu ziehen, kann schwer sein. Wenn der Spieler sagt, es ist ein Versehen, dann ist es schwer, das zu beurteilen. Aber: Warten wir ab, etwas Offizielles hat uns bisher nicht erreicht.

Kommen Sie eigentlich selbst noch zum Pfeifen?
Als Schiedsrichter, beziehungsweise Beobachter hatte ich letzte Saison leider nur zehn Einsätze. Gut, dass ich in der Vorbereitung schon für fünf Partien eingeteilt bin. Und als Spieler der Altherren der SG Wahrenholz/Schönewörde/Vorhop/Knesebeck kann ich diese Saison hoffentlich auch mehr Begegnungen mitmachen als letzte Serie.