18. Januar 2021 / 09:40 Uhr

Ein Leben für den Fußball: Lok-Legende Lisiewicz geht bei Naunhof als gutes Vorbild voran

Ein Leben für den Fußball: Lok-Legende Lisiewicz geht bei Naunhof als gutes Vorbild voran

Roger Dietze
Leipziger Volkszeitung
Buchpräsentation in kleiner Runde: Autor Hubert Zeising (l.) und Rainer Lisiewicz stehen Naunhofs Bürgermeisterin Anna-Luise Conrad bei deren erster Lektüre mit ihrer Expertise zur Seite.
Rainer Lisiewicz (r.) und Autor Hubert Zeising (l.) stehen Naunhofs Bürgermeisterin Anna-Luise Conrad bei deren erster Lektüre des Buchs „Geschichten über 100 Jahre Fußball in Naunhof“ mit ihrer Expertise zur Seite. © Roger Dietze
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Als Spieler und Trainer feierte Rainer Lisiewicz mit Lok Leipzig zahlreiche Siege. Mittlerweile hat der gebürtige Dahlener als Präsident beim SV Naunhof den Hut auf. Die Unterbrechung durch Corona hatte zumindest zein Gutes: Die Installation der Beschallungsanlage und des neuen Brunnens kam voran. Um den Naunhofer Übungsleitern ein gutes Vorbild zu sein, erneuert der 71-Jährige seinen Trainerschein.

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Leipzig/Naunhof. Rainer Lisiewicz hat so ziemlich alles erlebt, was man im DDR-Fußball und darüber hinaus erleben konnte. Der aktuelle Präsident des SV 1920 Naunhof gehörte jener legendären Lok-Mannschaft an, die in der UEFA-Pokal-Saison 73/74 nach Siegen unter anderem gegen den AC Turin und Fortuna Düsseldorf ins Halbfinale gegen die Tottenham Hotspurs einzog. Am 1. Mai 1976 stand der Rechtsaußenstürmer mit seiner „Leipziger Loksche“ im Pokalendspiel und erreichte nach einem 3:0-Sieg über Vorwärts Frankfurt den größten Erfolg seiner Fußballkarriere.

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Als Trainer führte „Lise“ Motor Grimma Anfang der Achtzigerjahre ins Fußball-Unterhaus DDR-Liga und musste nach dem Mauerfall erleben, wie ihm quasi über Nacht gut die Hälfte seiner damaligen Spieler beim Zweitligisten BSG Chemie Buna Schkopau abhanden kam.

DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von Rainer Lisiewicz

Mai 1979: Chemie Böhlen besiegt den 1. FC Lok. Bernd Hubert schießt das zweite Tor für Böhlen. Udo Rietzschel (8) kann nicht mehr eingreifen. In der Mitte Havenstein, Liebers, rechts vor Stötzner Rainer Lisiewicz. Zur Galerie
Mai 1979: Chemie Böhlen besiegt den 1. FC Lok. Bernd Hubert schießt das zweite Tor für Böhlen. Udo Rietzschel (8) kann nicht mehr eingreifen. In der Mitte Havenstein, Liebers, rechts vor Stötzner Rainer Lisiewicz. ©

Und schließlich kehrte der gebürtige Dahlener Anfang der Nullerjahre zu seiner alten Liebe Lok Leipzig zurück und führte den Traditionsverein von der 11. Liga in die viertklassige Amateur-Oberliga.

In Naunhof wird gebaut

Und jetzt Corona. „Eine solch lange Unterbrechung des Spielbetriebes habe ich noch nicht erlebt, und ich hätte gern auf diese Erfahrung verzichtet“, so der Leipziger. Doch „Lise“ ist keiner, der so schnell den Kopf in den Sand steckt. Vielmehr hat er in den vergangenen Monaten die Ärmel hochgestreift und ist mit Unterstützung seiner Naunhofer Vorstands-Kollegen Thomas Künzel und Hubert Zeising sowie einiger Sponsoren wie dem Unternehmer Klaus-Dieter Hilla und dem Apotheker Sylvio Mahla im Vereinsdomizil in der Naunhofer Clade aktiv geworden.

„Wir haben eine neue Beschallungsanlage installiert, einen neuen Brunnen angelegt und die Heizung generalüberholt“, resümiert Lisiewicz, der in diesem Zusammenhang auch den Beistand der Stadt hervorhebt. „Unsere neue Bürgermeisterin Anna-Luise Conrad macht einen super Job“, lobt der 71-Jährige, der dem Stillstand der vergangenen Monate im Amateurfußball auch etwas Positives abgewinnen kann. „Wir haben die Zeit in jedem Fall gut genutzt.“

Nichtsdestotrotz könnte es nun endlich aber auch sportlich wieder losgehen. Auf welche Weise, diese Entscheidung überlässt der SV Naunhof-Präsident gern den Verantwortlichen beim DFB und beim Nordostdeutschen Fußballverband. Aber Ideen, wie es gehen könnte, hat der Fußball-Fachmann durchaus. „Alles steht und fällt natürlich damit, wann der Ball wieder rollen kann, aber ich könnte mir nach dem Abschluss der Hinrunde eine Art Play-off zum einen um die Meisterschaft und zum anderen um den Abstieg vorstellen“, so Lisiewicz.

Lob für den Trainer

Dass seine Kreisoberliga-Mannschaft dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit Teil der ersten Gruppe wäre, hat dem SV-Naunhof-Präsidenten nach auch mit Trainer Benjamin Fraunholz zu tun. „Er ist ja als sehr emotionaler Spieler bekannt, und insofern hat es mich durchaus überrascht, dass er sich so gut in die Rolle des Trainers hineingearbeitet hat.“ Er habe das Spiel der jüngeren Spieler, die nach Ausfällen vieler etablierter Mannschaftskollegen hätten in die Bresche springen müssen, auf ein höheres Niveau gehoben, und er habe der Mannschaft eine gute Moral eingepflanzt. „Sie lässt sich nicht so schnell von Rückschlägen aus der Bahn werfen“, lässt Lisiewicz den bisherigen Saisonverlauf in der Kreisoberliga Revue passieren. Doch nicht nur die Spieler der ersten Mannschaft würden mit den Hufen scharren, auch für den Nachwuchs werde es höchste Zeit, wieder auf den Rasen zu kommen.

„Die erwachsenen Spieler können mit der Situation, soweit ich das einschätzen kann, ganz gut umgehen und finden Mittel und Wege, sich einigermaßen fit zu halten. Beim Nachwuchs ist das mit dem Bewegen aber so eine Sache, ganz abgesehen davon, dass es zur sportlichen Aktivität in der Gruppe gerade bei Kindern und Jugendlichen keine Alternative gibt.“ Nur wenige Alternativen gibt es für Rainer Lisiewicz auch zu seinem Ehrenamt beim SV Naunhof, bei dem im neuen Jahr Vorstandswahlen anstehen.

Lizenz wird verlängert

„Ich denke, dass der Vorstand und meine Wenigkeit in den vergangenen vier Jahren einen ganz guten Job gemacht haben“, so der ehemalige Rechtsaußenstürmer, der aber auch das Traineramt noch nicht ganz zu den Akten gelegt hat. „Als ich jetzt von den vakanten Posten in Dortmund und auf Schalke erfuhr, da habe ich kurz überlegt“, so augenzwinkernd der 71-jährige.

Doch das Thema sei ganz im Ernst noch nicht durch. „Ich werde im nächsten Jahr meine Lizenz verlängern“, kündigt der Diplomsportlehrer an. Zum einen, weil man in diesen Schulungen auf dem Laufenden bleiben würde, zum anderen, um den ehrenamtlichen Übungsleitern in seinem Verein mit gutem Vorbild voranzugehen. Und zum Dritten, um gerüstet zu sein, falls seine große Liebe Lok Leipzig doch noch einmal bei ihm anrufen sollte...