13. März 2019 / 14:50 Uhr

Ein Mutmacher für die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst

Ein Mutmacher für die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst

Thorin Mentrup
RedaktionsNetzwerk Deutschland
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Seckenhausen-Trainer Andre Schmidt ist von seinem neuen Team überzeugt. © Thorin Mentrup
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Als Heilsbringer sieht sich Andre Schmitz nicht, doch der neue Coach will den Bezirksligisten unbedingt vor dem Abstieg bewahren

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Vor ein paar Wochen hat André Schmitz eine ihm nahezu unbekannte Welt betreten: Die Bezirksliga Hannover kannte er nur von einigen Besuchen auf dem Sportplatz der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst. Jetzt ist er Trainer des Klubs und will ihn vor dem Abstieg in die Kreisliga bewahren. Für ihn ist die Rettungsmission auch eine Abkehr vom bezahlten Fußball.

Wer den Namen André Schmitz hört, denkt in den hiesigen Gefilden ganz sicher zuerst an den TB Uphusen, den Klub, den der 47-Jährige mit damals noch bescheidenen Mitteln in die Oberliga und beinahe in den DFB-Pokal führte. Zuletzt war er bis Sommer als Sportlicher Leiter am Arenkamp aktiv. Danach kehrte Ruhe ein um den Fußballfachmann, dessen Höhenflüge mit dem TBU vor wenigen Jahren sogar die Westfälischen Nachrichten zu einer größeren Geschichte veranlassten. Kein Wunder, schließlich ist Schmitz im nordrhein-westfälischen Gronau, ganz nah an der Grenze zu den Niederlanden, aufgewachsen.

Dort begann er auch seine Laufbahn, in der er aber vor allem in Norddeutschland hoch hinaus kam: Er spielte in der Grafschaft Bentheim für Eintracht Nordhorn und den FC Schüttorf, feierte mit beiden Teams den Aufstieg in die Oberliga und schaffte es gar bis in die dritte Liga, die damalige Regionalliga Nord, in der er für den VfL Herzlake aus dem Emsland auflief. „Ich habe auf viele Dinge verzichtet, aber ich würde es jederzeit wieder so machen“, sagt Schmitz, der dem Fußball viel unterordnete und dafür etliche besondere Momente auf den Sportplätzen erlebte.

Das durfte er auch geografisch deutlich näher an seiner jetzigen Heimat Seckenhausen, wo er seit mehr als zehn Jahren lebt, aber stets abseits des Landkreises Diepholz. Dann bereits meist an der Seitenlinie: Er war Trainer in Fischerhude, Uesen, Rotenburg und Uphusen, bei den beiden letztgenannten Teams darüber hinaus Sportlicher Leiter. Seit dem vergangenen Sommer aber wurde es ruhig um Schmitz. „Ich habe nichts vermisst“, sagt er ehrlich. Einfach wieder spielen, ob in der Altherrenmannschaft oder der dritten Herren der Seckenhauser in der 2. Kreisklasse – das war sein Fußballerleben, mit dem er voll und ganz zufrieden war. Seine B-Lizenz verlängerte er nicht, er habe auch keine Intention in diese Richtung gehabt. Schmitz kehrte zurück zum Fußball, in dem Geld keine Rolle spielt. „Es zählen auch andere Werte wie Leidenschaft. Das ist einfach schön.“ Mit der TSG identifiziere er sich komplett.

Das Leben abseits des – zumindest halbwegs – höherklassigen Sports aber endete, als Schmitz’ Nachbar auf den Plan trat. Dieser Nachbar ist Hauke Janssen, der neue Leiter der Seckenhauser Fußballabteilung. Ihm hatte Schmitz einmal seine Hilfe angeboten – und Janssen hatte das nicht vergessen. Also wurde Schmitz neuer Trainer der TSG-Bezirksligamannschaft. Wie die Jungfrau zum Kinde sei er zu diesem Job gekommen, findet der 47-Jährige und grinst.

Mittlerweile hat sich Schmitz eingearbeitet. Eine Trainingsbeteiligungsliste, wie er sie bei anderen Teams, die ihre Spieler bezahlen, nutzte, führt er nicht. Das ist Teil seiner Herausforderung: Spieler sagen auch mal aus Gründen das Training ab, die er zunächst und aus dem Blickwinkel seiner jahrzehntelangen Laufbahn als Spieler, Trainer und Sportlicher Leiter auf höherem Niveau nur schwer nachvollziehen kann. „Das muss ich jetzt akzeptieren“, sagt Schmitz, ohne dabei zu jammern. Das liege ihm fern, denn „die Jungs könnten besser nicht sein.“

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In Windeseile hat er sich ein Bild von seiner neuen Mannschaft gemacht. „Wir alle merken, dass eine Entwicklung stattfindet. Die Jungs sind willig“, stimmt sein erster Eindruck: 16, 17 Spieler seien im Schnitt beim Training – Zahlen, auf denen sich aufbauen lässt. Das Team habe ihn überzeugt. „Das ist eine sehr intelligente Mannschaft. Es macht Spaß. Die Jungs ziehen mit und sind wissbegierig. Alle haben den Anspruch, Bezirksliga zu spielen“, erkennt Schmitz den Willen, den Klassenerhalt trotz vier Punkten Rückstand auf den Relegationsrang und acht auf das rettende Ufer noch zu schaffen.

Warum die TSG diesem Anspruch in den ersten 19 Spielen der Saison hinterhergelaufen ist, das vermag er nicht zu beurteilen: „Dafür war ich zu weit weg.“ Für ihn steht allerdings fest, dass die sportliche Misere nicht nur an seinem Vorgänger Dirk Hofmann festzumachen ist. „Der Trainer ist nicht allein verantwortlich. Das wäre doch viel zu einfach. Die Spieler spielen doch auch für sich.“ Ganz eindeutig und klar ordnet Schmitz auch seine eigene Rolle ein. „Ich bin nicht hier als Heilsbringer, weil ich schon mal irgendwo gespielt habe oder Trainer war. Die Jungs sind wichtig.“ Deshalb sei er komplett unbefangen an die Aufgabe herangegangen und habe sich viel Feedback von der Mannschaft geholt. Team und Trainer begegnen sich auf Augenhöhe.

Trotzdem: Von Schmitz’ Erfahrungen wollen die Seckenhauser natürlich profitieren. Der neue Coach ist ein Mutmacher. Schließlich sagt er nicht ohne Stolz: „Ich bin noch nie abgestiegen – und das soll nach Möglichkeit auch am Saisonende noch so sein.“ Um den Nimbus des Unabsteigbaren zu wahren, liegt noch viel Arbeit vor ihm und der Mannschaft. „Wir haben Spieler, die Qualität mitbringen. Aber wir dürfen auch keine Wunder erwarten.“ Er wolle sich darauf besinnen, die Stärken zu stärken und an den Schwächen nebenbei zu arbeiten. Dafür ist der 47-Jährige, der im Außendienst tätig ist, genau der richtige Mann: Er kann mit Worten begeistern, Emotionen wecken.

Genau darauf kommt es an im Bezirksliga-Abstiegskampf und vor allem bei der TSG, einer Mannschaft, die für den Trainer manchmal noch ein bisschen zu lieb ist. Das will er nicht als Aufforderung an seine Spieler verstehen, in Zukunft unfair zu spielen, „aber man muss auch mal seinen Mann stehen.“ Dazu gehöre auch, den Mut zu haben, Fehler zu machen. „Ein Spieler, der keinen Fehler gemacht hat, hat schlecht gespielt. Ich brauche Spieler, die Bock haben und mutig sind, die auch mal Dinge machen, die unkonventionell sind. Das ist doch das, was Fußball ausmacht.“ Diesen Mut will Schmitz seinen Spielern einimpfen. Dafür erhalten sie von ihm volle Rückendeckung: „Das sind alles meine Jungs, die ich unterstütze mit allem, was ich habe.“

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