16. November 2020 / 11:24 Uhr

Ein „sehr wertvoller Spieler“, der Sascha Kirschstein tunnelte

Ein „sehr wertvoller Spieler“, der Sascha Kirschstein tunnelte

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Oliver Hilger war unter anderem beim SV Lengede ein Stabilitätsfaktor im defensiven Mittelfeld – heute coacht er den SV Teutonia Groß Lafferde in der Bezirksliga.
Oliver Hilger war unter anderem beim SV Lengede ein Stabilitätsfaktor im defensiven Mittelfeld – heute coacht er den SV Teutonia Groß Lafferde in der Bezirksliga. © Isabell Massel
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Tore hat Teutonia Groß Lafferdes Trainer Oliver Hilger nicht viele geschossen. Deshalb kann er sich noch gut daran erinnern, dass er dem späteren Torwart-Profi Sascha Kirschstein mal den Ball durch die Beine schob. Hilgers Stärken war dafür Ausdauer und technisches Können.

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Sascha Kirschstein stand 2006 beim Hamburger SV im Tor, als der noch in der 1. Liga spielte. Er hütete das Tor auch bei mehreren Zweitligisten. Als Kirschstein noch im Jugendalter war, schaffte Oliver Hilger etwas, was vielen Bundesliga-Profis später nicht gelang: Er traf zweimal gegen Kirschstein. „Dabei war ich als Fußballer beileibe kein Torjäger“, sagt der heutige Trainer des Bezirksligisten Teutonia Groß Lafferde schmunzelnd.

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Hilger zählt die Tore gegen Kirschstein nicht unbedingt zu den Höhepunkten seiner fußballerischen Laufbahn, da gab es bedeutendere Erlebnisse. Obwohl er damals in der C-Jugend des SV Lengede das „vielleicht beste Spiel“ gemacht hatte. „Ich hatte zwei Gegner des BSC Acosta damals ausgespielt und Sascha dann ausgeguckt. 2:1 haben wir damals gewonnen“, weiß der 41-jährige Hilger heute noch.

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Sein zweites Tor gegen den späteren Profi erzielte er als Herrenspieler des SVL bei einem Hallenturnier. Kirschstein hütete das Tor der Zweiten Mannschaft von Eintracht Braunschweig. „Ich habe ihn getunnelt, und wir haben 2:0 gewonnen. Dabei waren wir die absoluten Underdogs.“

Diese Zielstrebigkeit vor dem Kasten blitzte nach Hilgers Ansicht bei ihm später aber zu selten auf. „Der Torschuss gehörte nicht unbedingt zu meinen Stärken als Spieler“, sagt er lachend. Hin und wieder traf er aber doch, einmal sogar per Kopf: „Das war im Spiel bei Bosporus Peine. Andre Grosser hatte einen Freistoß an die Latte geschossen, und ich stand goldrichtig, um den Abpraller einzuköpfen.“

Dass der bei VW arbeitende Industriemeister als Fußballer seine Qualitäten hatte, zeigen seine Stationen: Eintracht Braunschweig A-Jugend, SV Lengede, GW Vallstedt, Arminia Vechelde und TSV Sonnenberg. Seine Karriere lässt er inzwischen bei der Ü40 des SV Lengede ausklingen. Er selbst charakterisiert sich als Fußballer so: „Ich hatte eine ganz gute Ausdauer und auch eine ganz gute Technik.“

Sein langjähriger Trainer Thomas Mühl kann das nur bestätigen: „Olli war willensstark, hat immer hundert Prozent gegeben und war sehr ballsicher“, lobt er. „Er wollte auch immer den Ball haben und hat nie aufgegeben.“ Mühl hatte ihn meistens auf der Sechser-Position eingesetzt. „Er war ein sehr angenehmer und sehr wertvoller Spieler, auf den immer Verlass war.“

Wenn Hilger seine und die heutige Fußballergeneration vergleicht, sieht er gerade beim Thema Verlässlichkeit Unterschiede. „Ich habe nie das Training ausfallen lassen, auch nicht am fünften Geburtstag der Katze“, flachst er. „Ich hätte sonst das Gefühl gehabt, ich lasse meine Kumpels im Stich.“

Früher sei der Fußball mehr auf Einzelspieler zugeschnitten gewesen. „Wenn man einen Top-Stürmer hatte, wurde der vorn geparkt. Heute geht es mehr um das Kollektiv. Alle sind durchtrainiert und technisch gut ausgebildet.“ Mit seinen Fähigkeiten von damals hätte er selbst nicht unbedingt einen Stammplatz in der heutigen Teutonia-Mannschaft, meint Hilger. „Ich müsste auf jeden Fall Vollgas geben.“

Vollgas gegeben hatte auch die Lengeder Mannschaft im letzten Saisonspiel im Juni 2002. Das Spiel gegen den VfL Salder ist Hilger besonders in der Erinnerung geblieben, noch prägender als seine Tore gegen Kirschstein. „Wir hatten in der Bezirksklasse eigentlich einen beruhigenden Vorsprung, haben ihn aber verspielt. Im letzten Saisonspiel gegen Salder mussten wir die Punkte holen, um aufzusteigen. Vor 400 Zuschauern haben wir mit 9:1 gewonnen – und sind danach nach Mallorca geflogen.“

Was der bescheidene Hilger nicht erzählte: Das 8:1 hatte er geschossen!