08. September 2020 / 15:45 Uhr

Ein Spiel, zwei Meinungen: Partie des 1. FC Wunstorf gegen Barsinghausen hallt nach

Ein Spiel, zwei Meinungen: Partie des 1. FC Wunstorf gegen Barsinghausen hallt nach

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wunstorfs Asad Dlakic kommt nicht an den Ball, Barsinghausens Torwart Tim-Liam Freund klärt mit der Faust.
Wunstorfs Asad Dlakic kommt nicht an den Ball, Barsinghausens Torwart Tim-Liam Freund klärt mit der Faust. © Christian Hanke
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Am vergangenen Sonnabend empfing der 1. FC Wunstorf den TSV Barsinghausen – und zu Beginn der Woche sorgte das Spiel der Landesliga Süd noch immer für Gesprächsstoff, jedoch nicht wegen des deutlichen Heimsiegs der Wunstorfer (5:2)...

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In der ersten Halbzeit soll es, wie berichtet, angeblich einen rassistischen Zwischenfall gegeben haben. Wer was zu wem gesagt hat, darüber gibt es von beiden Vereinen unterschiedliche Ansichten.

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Unbestritten ist, dass sich der dunkelhäutige FC-Ersatztorhüter David N'Diaye und Barsinghausens Refaat Hasso ein längeres Wortgefecht lieferten, in dem auch Schimpfwörter gefallen sind. Ab diesem Zeitpunkt gehen die Meinungen stark auseinander.

Bilder zur Partie 1. FC Wunstorf gegen TSV Barsinghausen

Barsinghausens Refaat Hasso (links) lässt Wunstorfs Valmmir Avdulli stehen. Zur Galerie
Barsinghausens Refaat Hasso (links) lässt Wunstorfs Valmmir Avdulli stehen. ©

"Bin nicht taub und auch nicht blind"

Wunstorfer Spieler berichteten, vonseiten Hassos Affenlaute in Richtung ihres auf der Bank sitzenden Keepers vernommen zu haben. Wie Onur Köse, Trainer des 1. FC Wunstorf, auf Nachfrage bestätigt, sei N'Diaye von Hasso rassistisch beleidigt worden.

„Ich stand fünf Meter daneben, bin nicht taub und auch nicht blind.“ Der Coach kennt seinen Torhüter seit der U15. „Ich habe ihn noch nicht so aufgebracht erlebt.“

Der Darstellung des FC sowie der öffentlichen Berichterstattung widersprechen die Barsinghäusener vehement. „Denn es ist einfach nicht die Wahrheit. Außerdem ist unser Spieler jetzt richtig angeschlagen“, sagt TSV-Trainer Dennis Herrmann und berichtet vom Trainingsabend am Montag, bei dem es natürlich viele Gespräche gab.

„Es macht etwas mit einem Menschen, wenn er öffentlich als Rassist dargestellt wird – auch wenn überall nur von einem angeblichen Vorfall zu lesen war. Aber viele Leute machen daraus ihre eigene Interpretation.“

"Spieler haben sich einen Trash Talk geliefert"

Nach Darstellung von Herrmann, der beim Spiel in der Barne-Arena anwesend war, jedoch seinem Co-Trainer Markus Grajewski den Hut überließ, waren die Vorkommnisse, auch nach Rücksprache mit Hasso, wie folgt: „Die beiden Spieler haben sich einen Trash Talk geliefert. Refaat hat sich dann über den Wunstorfer Spieler lustig gemacht und ihn imitiert, gewissermaßen also nachgeäfft.“

Hasso habe aber keinesfalls Affenlaute von sich gegeben, unterstreicht Herrmann und betont, „dass im Schiedsrichter-Bericht kein entsprechender Vorfall vermerkt ist“.

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Über die sozialen Medien gab es von Köse ein Angebot an den TSV, in Wunstorf beim Training vorbeizuschauen, sodass der Spieler plus Verantwortliche über den Vorfall sprechen und diesen aus der Welt räumen könnten.

"Niemand ist aufgesprungen"

Für die Barsinghäuser ist dies aber keine Alternative. „Das trifft das Problem nicht im Kern“, sagt Herrmann. Zumal der TSV weiterhin betont, dass es keine rassistischen Äußerungen gab. „Für uns ist das Verhalten der Wunstorfer dafür ein Beleg. Niemand ist aufgesprungen, auch N'Diaye nicht, und hat den Mitspieler verteidigt. Wenn Rassismus vorliegen würde, hätten sich alle ganz anders verhalten.“