17. August 2020 / 13:42 Uhr

"Ein Verein für Alle": Leipziger Initiative gegen Diskriminierung im Fußball

"Ein Verein für Alle": Leipziger Initiative gegen Diskriminierung im Fußball

Marc Bohländer
Leipziger Volkszeitung
roterstern
Kapitän des Roten Stern Leipzig Florian Firley (l.) und Stephan Schneider sind Teil des zehnköpfigen Teams der IVF. © Christian Modla
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Die IVF Leipzig ist seit 10 Jahren in der Antidiskriminierungsarbeit im Fußball aktiv. Im Mittelpunkt des neuen Projekts "Ein Verein für Alle" steht die Sensibilisierung der Vereinsmitglieder gegenüber diskriminierendem Verhalten und Vorurteilen im Fußball.

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Leipzig. Fußball als Spiegel der Gesellschaft hat mitunter auch mit unschönen Nebenerscheinungen zu kämpfen. Das Spiel selbst kann Diskriminierung befeuern, schließlich basiert der Sport auf Abgrenzung und Rivalität. Letzteres ist per se nicht Schlechtes, schließlich ist es der Wettkampf zwischen Teams, das den Fußball interessant und lebendig macht.

Mitunter werden jedoch Grenzen überschritten – und genau an dieser Stelle grätscht das Projekt „Ein Verein für alle“ rein. „Einen diskriminierungsfreien Raum gibt es selten“, erklärt Mitarbeiter Florian Firley, der ehrenamtlich bei der Initiative tätig ist.

Notwendigkeit, das Thema anzugehen

Auf dem Platz ist er als Kapitän des Landesklasse-Teams von Roter Stern Leipzig aus erster Hand mit der Materie vertraut. „Es handelt sich um strukturelle Problematiken, die zu Diskriminierungen zum Beispiel wegen der Hautfarbe führen. Da Fußball von vielen auch immer noch als Männersport gesehen wird, erleben zum Beispiel auch Fußballerinnen oft Diskriminierung.“

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Auch Stephan Schneider sieht im Freistaat Sachsen die Notwendigkeit, das Thema anzugehen. Er bildet mit Firley und acht weiteren Aktiven das Team der IVF – der „Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball“. Dabei treten alle aktiv gegen den Ball oder haben einen anderen fußballerischen Hintergrund.

Gegründet hatte sich die Initiative als Projekt des Vereins Roter Stern Leipzig vor fast genau zehn Jahren als Reaktion auf einen Vorfall in Brandis. Damals stürmten Dutzende Neonazis den Platz und überfielen Spieler und Fans des Roten Sterns – es kam zu zahlreichen Verletzten.

Workshops sind komplett kostenlos

Mit dem aktuellen Projekt wendet sich die Initiative mit ihrer Anti-Diskriminierungsarbeit an Fußballvereine in ganz Sachsen. „Es gibt in Sachsen weniger präventive Angebote, als in anderen Bundesländern“, so Schneider. Mit dem aktuellen neuen Projekt soll sich das ändern. Dieses entstand aus der Konsequenz der Workshops, die bereits seit rund vier Jahren angeboten werden.

Im Fokus steht vor allem eine langfristige Zusammenarbeit mit sächsischen Fußballvereinen. Neuste Kooperationspartner sind die Kickers aus Markkleeberg sowie Blau-Weiß Leipzig. Im Mittelpunkt des Projekts steht die Sensibilisierung der Vereinsmitglieder gegenüber diskriminierendem Verhalten und Vorurteilen im Fußball, sowie ein Austausch über Gegenstrategien – und auch der Entwicklungsprozess eben dieser.

„Mit dem zusätzlichen Angebot möchten wir unsere Mitglieder weiter für diese wichtigen Themen sensibilisieren, was gerade in Zeiten von Fake-News und Hass-Posts auf Kosten von sogenannten Minderheiten und Andersdenkenden wichtig ist“, erklärte Philipp Bludovsky vom Vorstand bei Blau-Weiß. Die Workshops sind komplett kostenlos, werden durch das Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ und die DFB-Kulturstiftung gefördert.