20. Mai 2020 / 12:25 Uhr

Ein VfL-Luftloch mit Folgen: Spontaner Schweißausbruch und Lacher bei Raab

Ein VfL-Luftloch mit Folgen: Spontaner Schweißausbruch und Lacher bei Raab

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
JTET Reitmaier
Da war's passiert: VfL-Keeper Claus Reitmaier lag nach dem Luftloch schweißgebadet am Boden.
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75 Jahre wird der VfL Wolfsburg alt: Grund genug, um an besondere Fußball-Momente zu erinnern – und an wichtige, kuriose und spezielle Tore. In unserer Serie „Jeden Tag ein Tor“ stellen wir jeweils einen dieser Treffer vor und erzählen die Geschichte dahinter. Heute geht’s um das kurioseste Eigentor des VfL in der Bundesliga.

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Es ist die Art von Tor, die man gern mal wieder rauskramt, wenn es um Pleiten, Pech und Fußball-Pannen geht. Der Mann, dem die Panne passiert ist, kann auch knapp 20 Jahre danach noch herzlich darüber lachen. „Doch, doch“, sagt Claus Reitmaier, „ich weiß das noch ganz genau. Marcel spielt den Rückpass, ich will ihn eigentlich mit dem Vollspann wegschlagen, dann sehe ich, dass er hoppelt und ich vielleicht lieber sicher mit der Seite spielen sollte. Aber direkt vor meinem Fuß springt der Ball plötzlich nicht mehr auf - und rutscht unter meinem Fuß durch. Mit dem letzten Stollen habe ich ihn noch gerade so berührt.“ Aber, so fügt er grinsend hinzu: „Eine Richtungsänderung war da nicht dabei, von daher ist es schon richtig, dass da ,Eigentor Maltritz’ in den Statistiken steht...“

Es war ein fulminantes Luftloch, das Reitmaier da am 1. Oktober 2000 im VfL-Stadion am Elsterweg nach dem Maltritz-Rückpass schlug, der VfB Stuttgart ging dadurch schon der 7. Minute in Führung. "Ich habe", so erinnert sich Reitmaier, "einen sofortigen Schweißausbruch bekommen, als der Ball hinter mir ins Tor kullerte. Als ich danach platt auf dem Boden lag, war ich schon komplett nass." Das Spiel endete 2:2, Charles Akonnor und Dorinel Munteanu trafen noch für den VfL, Krisztian Lisztes für den VfB.

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In Erinnerung blieb aber das kurioseste Eigentor des VfL in der Bundesliga – nicht zuletzt dank Stefan Raab. „Ich war ein großer TV-Total-Fan, hab’ die Sendung immer geguckt“, sagt Reitmaier. „Und in der Woche nach dem Stuttgart-Spiele sitze sich vorm Fernseher und amüsiere mich noch, als Raab einen Patzer von Markus Pröll zeigt, der damals bei Köln im Tor war. Und erst als er sowas sagte wie ,Am Wochenende gab es noch so ein Ding’, dämmerte es mir: Mist, jetzt komme ja ich...“

Jeden Tag ein Tor: Hier gibt es alle Teile der Serie!

Schon damals nahm der heute 56-Jährige die Sache mit Humor, auch als Raab ein paar Wochen später die Szene noch einmal zeigte, zur Belustigung des Publikums unterlegt mit markigen Sätzen des im März 2020 verstorbenen Galoppsport-Kommentators Manfred Chapman („Er explodiert!“). In der Saison danach war Reitmaier dann schon wieder bei Raab im Programm, als er nach dem DFB-Pokalspiel bei den Bayern bei einem Gespräch mit Michael Tarnat gefilmt wurde und sichtbar den Inhalt seiner Hose richtete. „Da hat Raab dann aus Reitmaier ,Reib-Eier’ gemacht. Das fand ich so lustig, dass ich der Redaktion geschrieben habe, ob ich nicht langsam mal für den ,Raab der Woche’ dran wäre.“ Doch den Pro7-Pannen-Oscar bekam der Keeper nicht, stattdessen eine bierernst gehaltene Antwort. Reitmaier: „Ich hatte dann wohl doch mehr Humor als die...“

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163 Spiele absolvierte Reitmaier zwischen 1999 und 2003 für den VfL in der Bundesliga, war lange Rekordspieler des VfL. Seine Karriere blieb auch danach bemerkenswert, er spielte für Gladbach (wo er mit 40 sein letztes Bundesliga-Spiel machte), Erfurt und Lilleström in Norwegen, ehe er Torwarttrainer (U21 des DFB, HSV) wurde – und dann doch noch einmal als Torwart zurückkehrte. Mit 49 absolvierte er in der Oberliga für den SV Halstenbek-Rellingen sein letztes Pflichtspiel.

Nach einer Zwischenstation als Torwarttrainer in Paderborn ist er mittlerweile für Fortuna Düsseldorf tätig, trainiert Reserve- und Nachwuchskeeper – unter anderem seinen Sohn Kaylen, der dort zum Kader der U16 gehört. Was sagt der eigentlich zu Papas 20 Jahre altem Luftloch? „Ich hab’s ihm mal gezeigt, und er meinte nur: ,Du Armer. War Pech ohne Ende.’“