12. Februar 2015 / 10:25 Uhr

Ein Vollblutstürmer und zwei Grobschmiede

Ein Vollblutstürmer und zwei Grobschmiede

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Fußballerische Familienbande: Dirk Majetschak mit seinen Söhnen Erik und Toni (v.r.).
Fußballerische Familienbande: Dirk Majetschak mit seinen Söhnen Erik und Toni (v.r.). © Christian Modla
Anzeige

Bei Dirk Majetschak und seinen Söhnen Erik und Toni dreht sich fast alles um Fußball.

Anzeige
Anzeige

Leipzig. Matscher, Maje, Ede. Von den Spitznamen ließe sich nur schwer auf eine gemeinsame Familienherkunft schließen. Aber Dirk (45), Vorsitzender des Leipziger Fußball-Verbandes, und seine Söhne Toni (20), Oberliga-Kicker beim SSV Markranstädt, sowie Erik (14), Goalgetter in der U16 von RB Leipzig, heißen alle Majetschak. Und sie gehören wohl zu einer der fußballverrücktesten Familien in Leipzig und Umgebung. Der sportliche Vater, der als 1,87 Meter großer Innenverteidiger und Libero 19 Mal in der DDR-Oberliga für den 1. FC Lok und den FC Sachsen auflief und dabei ein Tor erzielte, legte den Jungs den Ball in die Wiege.

Gelernt haben beide Söhne das Spiel beim Bornaer SV, dann folgten Wechsel zum 1. FC Lok, wo Majetschak Senior einst Vizepräsident war, und schließlich zu RB. Während Erik dort in der U16 als Stürmer für Furore sorgt, hat es seinen Bruder als Verteidiger mittlerweile zum SSV Markranstädt verschlagen. Sein Fokus hat sich in Richtung des Zahnmedizinstudiums verschoben. „Fußball und Uni unter einen Hut zu kriegen, ist manchmal schwer“, meint Toni Majetschak. Sein Ziel ist es trotzdem, mit dem SSV, einst RB-Geburtshelfer, in die Regionalliga aufzusteigen und sich dort zu etablieren.

Dafür stehen bei Erik die Chancen gut, dass er seinen Lebensunterhalt irgendwann gänzlich mit dem Fußball bestreiten könnte. Schon jetzt ist der 1,80 Meter große Schüler, der die Schnelligkeit von Opa Peter geerbt hat, der „beste Fußballer der Familie“, wie Vater und Bruder einstimmig sagen. Obwohl nominell U15-Kapitän der Roten Bullen, läuft Erik in der U16 auf und ist aktuell mit sechs Treffern und fünf Vorlagen der erfolgreichste Scorer seiner Mannschaft.

Der DFB lud ihn bereits 2014 zu drei Lehrgängen und einigen Testspielen ein, heute fährt Erik erneut zur deutschen U15-Auswahl. „Ich bin froh, dass er sich hier in der Region so gut entwickeln konnte“, sagt der Vater, der das Firmenkundengeschäft bei der Leipziger Volksbank leitet - und ergänzt: „Ohne die Strukturen von RB wäre ein Wechsel wahrscheinlich unvermeidbar gewesen, um seine sportliche Entwicklung nicht zu bremsen.“

Ob das so bleiben wird, ist allerdings ungewiss, denn der Filius sorgt bei anderen Vereinen für Begehrlichkeiten. Die Rasenballer sollen allerdings kein Interesse haben, das einheimische Top-Talent ziehen zu lassen. Auch Dirk Majetschak würde den Jüngsten gern noch ein paar Jährchen im warmen Nest der Familie behalten, weit weg von der manchmal unerbittlichen Welt des Profifußballs.

Da Majetschak senior die ganz große Fußballkarriere selbst versagt blieb, sei die Frage erlaubt: War es denn sein Ziel, zwei erfolgreiche Fußballer zu produzieren? „Nein“, wiegelt er lachend ab. Toni grinst da vielsagend in Richtung Vater. Der verweist selbst auf die hervorragende heimische Infrastruktur - das „Fußball-Trainingszentrum“ im Garten in Bad Lausick. 1000 Quadratmeter mit Kleinfeldtoren und Flutlicht. „Das hat sicher nicht geschadet“, sagt Dirk mit einem Augenzwinkern, aber Schule und Studium - da stimmen beide Söhne zu - seien immer noch wichtiger als der Fußball.

Eine ganz besondere Rolle in der Familie nimmt übrigens Ehefrau und Mutter Anja ein. Die Frauenärztin organisiert trotz eigener Praxis das Familienleben: Fußball, Schule, Studium, Beruf. „Sie hält den Laden zusammen“, schwärmt Dirk Majetschak, „steht mit mir und Opa Peter fast jedes Wochenende am Spielfeldrand, schmiert Stullen für die Jungs.“

Der Zusammenhalt in der Familie ist groß, auch und besonders zu Weihnachten. Da waren wieder alle vier Großeltern nach Bad Lausick eingeladen, weil die Brüder mal nicht über die Rasenplätze der Republik tingeln mussten. Ganz ohne Fußball ging es aber auch während der Feiertage nicht: Wie jedes Jahr wurde ausgiebig Zwei-gegen-Eins gespielt, immer wenn etwas Zeit war. „Früher bin ich gegen meinen Vater und Erik angetreten“, erzählt Toni, aber diesmal sei wegen der Verschiebung des innerfamiliären Kräfteverhältnisses neu aufgeteilt worden: „Weil Erik so gut geworden ist.“

So bekam es der junge Vollblutstürmer mit den „Grobschmieden“, wie er die Verteidiger-Riege der Familie scherzhaft nennt, zu tun. Klar ist: Bei den Majetschaks wird sich weiter (fast) alles um die runde Kugel drehen. „Ich wünsche mir, dass die beiden gesund bleiben“, sagt Papa Dirk, „und dass sie ihre Ziele charakterstark weiterverfolgen.“ Matscher hat keinen Zweifel: Maje und Ede werden ihren Weg gehen.