22. Januar 2022 / 17:47 Uhr

Ein weiteres verlorenes Jahr: Schäfers Arbeit wird kaum Spuren hinterlassen

Ein weiteres verlorenes Jahr: Schäfers Arbeit wird kaum Spuren hinterlassen

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Will bis Sommer weitermachen: Robert Schäfer.
Will bis Sommer weitermachen: Robert Schäfer. © Florian Petrow
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Seine Arbeit wird kaum Spuren hinterlassen. Robert Schäfer wollte Geld sparen und mehr einnehmen. Die Bilanz? Zunächst ein Minus von 250­ 000 Euro, die Schäfer als Geschäftsführer verdient haben wird und ein weiteres Jahr, das Hannover 96 bei dem Projekt der Kind-Nachfolge verloren hat.

„Es gibt nur einen Martin Kind.“ Robert Schäfer (45) sagte den Satz in seinem ersten Interview als neuer Stadion- und Ticket-Geschäftsführer von Hannover 96. Es sollte respektvoll klingen. So wie: „Es gibt nur einen Rudi Völler.“ Kinds Nachfolger werden, als Chef der Profigesellschaft von Hannover 96, das stand in der Überschrift auf Schäfers Karriereplan. So kommunizierte er das intern, überzeugt von sich, seinen Plänen und seiner Lebensleistung.

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Aber Schäfer überschätzte seine Position – die Strukturen bei 96 hat er insgesamt unterschätzt. Er verzettelte sich in Kommunikationsdetails, erfand Botschaften, wofür er, wofür Hannover 96 eigentlich stehen sollte. Mit Inhalt konnte und durfte er dies nicht füllen. Sein ursprünglich unbefristeter Vertrag wurde am Donnerstag offiziell zum 30. Juni aufgelöst. Am Freitag ließ er ausrichten, er wolle zumindest das Jahr vollmachen und weiterarbeiten bis zum Sommer. Es gibt nur ein Jahr Robert Schäfer, und es gibt weiterhin einen Martin Kind.

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Schäfer kam für den 96 e.V. nie infrage

Weitere zehn Jahre werde Kind den Posten des Profigeschäftsführers nun nicht behalten, „auch nicht fünf oder drei“, sagte der 77-Jährige. Schäfer war allein von den Gesellschaftern Gregor Baum, Dirk Roßmann und Kind auf seinen Chefstuhl gesetzt worden. Der Hannover 96 e.V. hatte nie aufgehört weiterzusuchen, weil Schäfer nie eine Lösung war. „Für uns hat sich nichts geändert“, sagte Vereinsvorsitzender Sebastian Kramer. Kramer und der gemeinnützige Verein müssen dem Kandidaten für die Kind-Nachfolge zustimmen. So schreibt es das Hannover-Modell vor. Schäfer kam für den Verein wegen seiner Vorgeschichte bei 1860 München mit dem Großinvestoren Hasan Ismaik und seiner klaren Haltung für die Abschaffung der 50+1-Regel nie infrage. Der 45-Jährige versicherte Sommer, er könne den e.V. gewiss von sich und seiner Arbeit überzeugen. Er täuschte sich.

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Seine Arbeit wird kaum Spuren hinterlassen. Er wollte Geld sparen und mehr einnehmen. Mit dem Versuch, die Ticketpreise zu erhöhen, scheiterte er. Bis zu 50 Prozent sollten Karten auf der Westtribüne mehr kosten. Martin Kind entschuldigte sich nachher für die Pläne. 96 korrigierte die Pläne, kein guter Start für Schäfer. Sein Gesicht tauchte auf Fotos vieler sozialen 96-Projekte auf. Alle weiteren Konzepte standen im Schatten der Pandemie.

Schäfer hielt stets Nähe zu den Profis. Dabei musste er aufpassen, weil er offiziell keinen Einfluss nehmen durfte auf Spieler, Trainer Jan Zimmermann oder Manager Marcus Mann. Schäfer durfte per Weisung des Muttervereins nichts mit dem Profikader zu tun haben. Wer Schäfer ein wenig kennt, der ahnt, wie schwer ihm diese Zurückhaltung gefallen sein muss. Schäfer sieht sich als Macher, wie in Düsseldorf, wo er als Baumeister eines Bundesligaaufstiegs gelten möchte und auch gilt. Als konsequenter, entscheidungsstarker, mitunter kompromissloser Chef.

250000 Euro minus und ein weiteres verlorenes Jahr

Die Bilanz? Zunächst ein Minus von 250­ 000 Euro, die Schäfer als Geschäftsführer verdient haben wird. Ein weiteres Jahr ging 96 bei dem Projekt der Kind-Nachfolge außerdem verloren.

Kind macht einfach weiter. Die Gesellschafter und der Mutterverein sollen nun gemeinsam einen neuen Kandidaten finden, auf den sich beide Seiten einigen können. „Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass es funktioniert“, sagte Vereinsvorstand Kramer. Der Sohn des Chefs, Alexander Kind, wurde auch vom Verein als Co-Geschäftsführer ins Spiel gebracht, Marcus Mann ist als sportlicher Geschäftsführer der Zukunft im Gespräch. Dann brauchen die Profis eben noch einen CEO darüber, einen wie Kind.