10. Oktober 2019 / 07:26 Uhr

Eine Leutzscher Legende wird 80: Die doppelte Berufung des Bernd Bauchspieß

Eine Leutzscher Legende wird 80: Die doppelte Berufung des Bernd Bauchspieß

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Dr. Bernd Bauchspieß am Denkmal für die Leutzscher Meisterelf im Alfred-Kunze-Sportpark.
Dr. Bernd Bauchspieß am Denkmal für die Leutzscher Meisterelf im Alfred-Kunze-Sportpark. © LVZ-Archiv
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"Spießer" wurde er von seinen Teamkameraden bei der BSG Chemie Leipzig genannt. Als Stürmer trug er maßgeblich zum Sensations-Meistertitel 1964 bei. Doch sein Herz gehörte nicht nur dem Fußball.

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Leipzig. Wenn einer dreimal Torschützenkönig der DDR-Oberliga wurde, und das auch noch mit einer Betriebssportgemeinschaft statt bei einem Spitzenclub, dann musste er schon ein außergewöhnlicher Stürmer sein. Bernd Bauchspieß war so einer. Mit Chemie Zeitz holte er sich je 1959 und 1960 die Torjägerkrone, mit der BSG Chemie Leipzig, für die er ab 1963 kickte, noch einmal 1964/65. Mit den Leipzigern wurde er zudem 1964 DDR-Meister und 1966 Pokalsieger. So ganz „nebenbei“ studierte Bauchspieß Medizin und promovierte 1969. Danach arbeitete er in Leipzig als Orthopäde, spielte parallel dazu noch bis 1973 im DDR-Oberhaus. „Fußball war meine Leidenschaft, Medizin meine Berufung“, überschreibt er folglich sein Leben.

Am Donnerstag feiert der „Spießer“, wie ihn Freunde und Fans keineswegs höhnisch, sondern respektvoll nennen, seinen 80. Geburtstag und kann neben den bereits genannten Meriten auf folgende Bilanz zurückschauen: In insgesamt 264 Oberliga-Spielen brachte er es auf 120 Tore, zudem errang er 1964 mit der DDR-Olympia-Auswahl in Tokio Bronze. Einmal stand er in der A-Auswahl, weitere Male in DDR-B- oder -Nachwuchsteams. Mit der A-Auswahl gewann er 1965 in Montevideo gegen Uruguay 2:0 und erlebte dann bei einem Turnier in Rio de Janeiro das legendäre Maracana, wo er im Spiel gegen Atletico Madrid das Tor zum 1:1 schoss. „Das war ein unglaubliches Erlebnis“, erinnert sich der gebürtige Zeitzer.

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April 1969: Die BSG Chemie spielt gegen den 1. FC Magdeburg (1:2). Bernd Bauchspieß ärgert sich über eine vergebene Chance. © LVZ-Archiv
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Bauchspieß trug wie schon zuvor in Zeitz ganz maßgeblich zur Blütezeit von Chemie Leipzig bei. Mit Chemie Zeitz war er 1958 in die Oberliga aufgestiegen, konnte aber nach zwei Spieljahren den Abstieg nicht verhindern, obwohl er in der Abstiegssaison 25 Tore erzielte. Nach einem halbjährigen Zwischenspiel bei Dynamo Berlin wollte er nach Leipzig, wo er studierte, erhielt aber vorerst nur die Genehmigung, wieder in Zeitz kicken.

Bauchspieß als Glücksgriff

Von dort holte ihn 1963 Chemie-Trainer Alfred Kunze nach Leutzsch, was sich als Glücksgriff erwies. Mit Chemie wurde er 1963/64 DDR-Überraschungsmeister, 1966 auch Pokalsieger. „Das waren meine schönsten Erfolge“, blickt Bauchspieß zurück. In Leutzsch spielte er weiter bis zu seinem Karriereende 1973, an dem er immerhin auf 16 Jahre Leistungsfußball, davon 12 in der DDR-Oberliga, zurückblicken konnte. Zuletzt, im „hohen Fußballalter“, spielte er allerdings statt Stürmer einen gediegenen Libero. Eine Rolle die er Junior auch schon mal ausgefüllt hatte.

Jedes Jahr treffen sich die Meister von 1964 und erinnern sich gemeinsam an den großen Triumph.
Jedes Jahr treffen sich die Meister von 1964 und erinnern sich gemeinsam an den großen Triumph. © Klaus-Dieter Gloger

Nach seiner Laufbahn blieb er dem Fußball verbunden, fungierte beispielsweise als Mannschaftsarzt für Leutzscher Teams. In den Wendewirren versuchte er den Grün-Weißen als Funktionär zu helfen, blieb dabei bei weit auseinander klaffenden Meinungen in Fankreisen nicht unumstritten, weil er statt die nostalgisch verklärte eine nach vorn gerichtete Sicht vertrat.

Der „Doktor“, wie er mitunter auch genannt wird, war in Leutzsch wie in Leipzig für eine Bündelung der Kräfte, und hat auch keine „weltanschaulichen“ Probleme, zu Spielen von RB zu gehen, wie das „fundamentalistische“ Chemie-Fans (oder auch die von Lok) gern betonen. „RB ist ein Glücksfall für Leipzig, die Leipziger nehmen den Clubs an, das Stadion ist voll“, betont er, freut sich aber nicht weniger darüber, dass Chemie wieder zumindest in der vierten Liga angekommen ist: „Den Machern, allen voran Frank Kühne, wünsche ich alles Gute. Es ist gut, dass sie dort Stück für Stück mit Augenmaß vorangehen.“

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