16. Juli 2020 / 11:51 Uhr

Eine Saison zum Vergessen: Dynamo Dresdens Profis mit mehr Schatten als Licht

Eine Saison zum Vergessen: Dynamo Dresdens Profis mit mehr Schatten als Licht

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
An Torwart Kevin Broll lag es sicher nicht, dass Dynamo Dresden in der kommenden Saison nur noch drittklassig spielen darf.
An Torwart Kevin Broll lag es sicher nicht, dass Dynamo Dresden in der kommenden Saison nur noch drittklassig spielen darf. © Matthias Rietschel
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So stark und beständig wie Torwart Kevin Broll hat kaum ein anderer Profi der SG Dynamo Dresden die vergangene Saison absolviert. Der Keeper hielt bis zum 33. Spieltag den Traum vom Klassenerhalt am Leben führt die SPORTBUZZER-Rangliste der wertvollsten Dynamo-Profis klar an. 

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Dresden. Schon zur Winterpause lag er in der SPORTBUZZER-Rangliste der wertvollsten Dynamo-Profis klar mit fast 158 Punkten in Führung, doch in den Rückrunden-Spielen 2020 konnte Kevin Broll seinen Vorsprung noch einmal deutlich ausbauen. Mit 259 Punkten Abstand auf den zweitplatzierten Jannis Nikolaou kam der unangefochtene Stammkeeper der Schwarz-Gelben am Saisonende als Erster ins Ziel. Ein schwacher Trost, wenn der Verein die Saison als Letzter beendete. Immerhin: Keiner konnte dem erst vorigen Sommer aus Großaspach nach Dresden gewechselten Torwart hier auch nur annähernd das Wasser reichen. In seiner ersten Zweitliga-Saison bestritt „Brollo“ 33 von 34 Spielen von der ersten bis zur letzten Minute und hätte auch zum Saison-Halali im Tor gestanden, wenn der Abstieg nicht schon besiegelt gewesen wäre. So aber verschaffte Trainer Markus Kauczinski dem zwei Jahre bei Dynamo unglücklichen Tim Boss zum Abschied beim 2:2 gegen Osnabrück noch das ersehnte Zweitliga-Debüt.

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Die Spieler erhalten nach jedem Spiel entsprechend ihrer Leistung eine Note zwischen 1 und 6. <b>Diese haben folgende Bedeutung: 1 - bundesligareif, 2 - Volltreffer, 3 - tadellos, 4 - Mitläufer, 5 - überfordert, 6 - Totalausfall.</b> Wir vergeben dabei auch Noten, die genau zwischen zwei dieser Werte liegen. Der Quotient aus der Gesamteinsatzzeit eines Spielers in Minuten und seiner Durchschnittsnote ergibt einen <b>Wertigkeitskoeffizienten (WK)</b>, der Auskunft darüber gibt, wie wertvoll der Spieler für seinen Verein ist. Nicht in der Liga eingesetzt wurden, aber zeitweise im Kader standen: Patrick Wiegers, Stefan Kiefer, Osman Atilgan und Simon Gollnack. Zur Galerie
Die Spieler erhalten nach jedem Spiel entsprechend ihrer Leistung eine Note zwischen 1 und 6. Diese haben folgende Bedeutung: 1 - bundesligareif, 2 - Volltreffer, 3 - tadellos, 4 - Mitläufer, 5 - überfordert, 6 - Totalausfall. Wir vergeben dabei auch Noten, die genau zwischen zwei dieser Werte liegen. Der Quotient aus der Gesamteinsatzzeit eines Spielers in Minuten und seiner Durchschnittsnote ergibt einen Wertigkeitskoeffizienten (WK), der Auskunft darüber gibt, wie wertvoll der Spieler für seinen Verein ist. Nicht in der Liga eingesetzt wurden, aber zeitweise im Kader standen: Patrick Wiegers, Stefan Kiefer, Osman Atilgan und Simon Gollnack. ©

Klar hatte Broll den Vorteil, dass auf der Torwartposition nur selten gewechselt wird und er obendrein auch durchspielen konnte, als die Feldspieler mitten in der Corona-Krise mit ihren Kräften am Ende waren und Pausen brauchten. Doch der 24-jährige Mannheimer wusste auch vorher schon zu überzeugen und bewies mit starken Paraden, dass er zu Recht die Nummer 1 auf dem Rücken trug. Ohne ihn hätte die insgesamt enttäuschende Mannschaft den Traum vom Klassenerhalt sicher nicht bis zum 33. Spieltag am Leben erhalten können. Er war der einzige Spieler, der es auf einen Notendurchschnitt unterhalb von 3,0 schaffte, ließ damit zum Beispiel bundesliga-erfahrene Profis wie Patrick Ebert (3,52) oder Chris Löwe (3,75) weit hinter sich. Am nächsten kam ihm noch Patrick Schmidt, der im Winter verpflichtete Heidenheimer Leihstürmer, der es in 15 Spielen auf einen glatten Dreier-Schnitt brachte.

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In der SPORTBUZZER-Gesamtwertung konnte neben Broll am ehesten der Anfang dieser Woche zu Eintracht Braunschweig gewechselte Jannis Nikolaou positiv auf sich aufmerksam machen. Der Deutsch-Grieche verpasste nur vier Spiele, weil er jeweils gesperrt war. Drei Partien kostete ihn die Rote Karte beim 3:3 gegen St. Pauli, in der so wichtigen Auswärtspartie in Kiel (0:2) fehlte er wegen der fünften Gelben Karte, die er zuvor beim 0:4 in Bielefeld gesehen hatte. Bemerkenswert war, dass der defensiv variabel einsetzbare Bonner vor und in der Abwehr meist gute Leistungen ablieferte und auch drei Tore schoss. Kein Wunder, dass Kauczinski den laufstarken, sehr mannschaftsdienlichen Profi mit der Nummer 4 gern behalten hätte, doch eine Ausstiegsklausel ermöglichte dem zuverlässigen 26-Jährigen den Wechsel.

Schwankende Performance

Kapitän Florian Ballas, der Dynamo-Spieler der Saison 2017/18, schaffte es in diesem insgesamt total verkorksten Spieljahr auf Rang drei. Nach einer schwachen Hinrunde, als sich der Routinier nur auf Platz neun wiederfand, lieferte er 2020 bessere Leistungen ab und drückte seine Winter-Durchschnittsnote von 3,96 noch auf 3,60. Wirklich zufrieden kann der aktuell mit AEK Larnaca in Verbindung gebrachte Saarländer damit aber nicht sein, denn als er die Saisonwertung vor zwei Jahren gewann, war seine Durchschnittsnote mit 3,17 deutlich besser. Wieder einmal profitierte der Abwehrhüne von seinem Status als Stammspieler, denn 30 Einsätze und mehr hatte außer ihm, Broll und Nikolaou keiner aufzuweisen.

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Mit zwei Treffern konnte Ballas auch etwas für das Dynamo-Torkonto tun, das mit 32 Treffern im Ligavergleich das mit Abstand schlechteste war. Dass der Dynamo-Sturm in dieser Saison höchstens als laues Lüftchen wehte, das zeigen auch die Platzierungen der Offensivkräfte in der SPORTBUZZER-Rangliste, die aus den Einsatzzeiten und den bei jedem Punktspiel von unseren Redakteuren vergebenen Spielnoten errechnet wird. Mit Patrick Ebert, der meist im rechten Mittelfeld, aber auch oft zentral eingesetzt wurde, kam der im Ranking beste Offensivspieler erst auf Rang sieben ein, der beste Stürmer mit Alexander Jeremejeff erst auf Platz elf. Allein ihre Durchschnittsnoten zeigen schon, dass ihre Performance sehr schwankend war. Häufiger ansprechend waren da die Vorstellungen der Winter-Neuzugänge Patrick Schmidt (6 Tore) und Simon Makienok (3), die den Großteil ihrer Einsätze auch noch nach der Corona-Zwangspause unter äußerst widrigen Bedingungen absolvieren mussten. Besonders Schmidt konnte mit seinem leidenschaftlichen Auftreten viele Freunde unter den Fans gewinnen. Sein Doppelpack beim 2:1 gegen Aue war einer der wenigen Lichtblicke in einer Saison, die man eigentlich schnell vergessen sollte. Der bittere Abstieg bietet immerhin auch die Möglichkeit, sich von Spielern zu trennen, die gut dotierte und längerfristige Zweitliga-Verträge besaßen, aber die Erwartungen nicht erfüllen konnten.